Plön : "Tod ist die Vollendung der Geburt"

Der 65-jährige Pastor Peter Godzik ist Beauftragter Nordelbiens für die Begleitung sterbender Menschen. Foto:   Foto: Michael Kuhr
Der 65-jährige Pastor Peter Godzik ist Beauftragter Nordelbiens für die Begleitung sterbender Menschen. Foto: Foto: Michael Kuhr

Peter Godzik, NEK-Beauftragter für die Begleitung sterbender Menschen, sprach in Plön.

shz.de von
07. März 2011, 11:05 Uhr

Plön | Es gibt zwei wichtige Ereignisse im Leben, an denen kein Mensch vorbeikommt: die Geburt und der Tod. Dazwischen steht das Leben mit allen seinen individuellen Facetten. Doch was passiert beim Sterben? Das Ende des Lebens stand im Mittelpunkt eines Vortrages über christliche Rituale um Tod und Sterben von Pastor Peter Godzik am Donnerstag bei der Hospizinitiative in Plön.

Peter Godzik bringt den gut 30 Zuhörern über drei Jahre Erfahrung als Beauftragter Nordelbiens für die Begleitung sterbender Menschen mit in den Gemeindesaal am Steinbergweg. Der 65-Jährige setzt sich mit dem Tod auseinander. Ein Thema, das jeden Menschen irgendwann einmal berührt - als Familienmitglied oder als selbst final Betroffener. Dabei ist der Tod schon längst kein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens - auch, wenn er dazu gehört. Der Tod verbreitet Angst. Und es ist gut, schon mitten im Leben ans Sterben zu denken.

"Wichtig ist es, sich viel Zeit für das Thema zu nehmen", rät Peter Godzik den Plöner Hospizlern zum Gang ans Sterbebett. In der Hand hält er eine Perlenkette mit den "Perlen des Glaubens". Man müsse sich darauf einlassen, einen Teil des Weges mit einem Menschen zu gehen - und das bis an die Grenze. Zum Tod. Dabei stößt man im Umfeld des Sterbenden auf aufgewühlte, traurige Menschen, denen gerade der Boden unter den Füßen entzogen wird - Menschen, die in diesem Moment keine liturgische Kompetenz, sondern einen festen Glauben benötigen.

"Der Tod geht unter die Haut und lässt mein Herz pochen", berichtete Peter Godzik, der als Pastor den Tod als Feind aber auch Begleiter seiner Arbeit hat. Am Sterbebett sei der Pastor gefragt, der viel wisse, aber nicht alles besser wissen sollte. Es würden Fotos von früher gezeigt, die ein Lächeln beim Sterbenden hervorrufen. Es werde gezeigt, dass es viel Gutes im Leben gegeben habe.

Peter Godzik erinnert an die Geburt eines Menschen: "Sie ist zuerst eng und schmerzhaft, dann folgt Freiheit und Licht." Der 65-Jährige spricht mit den Sterbenden über ihr Leben, an dessen Ende auch wieder Freiheit und Licht stehen wird. "Das ist eine Entlastung, die der Beichte der katholischen Kirche nahe kommt", so Godzik. Es gebe feste Kreuzzeichen oder eine Salbung - wenn sie zugelassen würden. Der Sterbende empfange auf Wunsch eine Segnung oder auch das Abendmahl, das Peter Godzik immer in seiner Nähe hat. Wichtig sei, dass der Sterbende immer selbstbestimmt bleibe.

Der Geistliche spielt während seines Vortrages immer wieder mit den Perlen des Glaubens - mit einer Ich-Perle und zwei, drei Geheimnisperlen. Godzik bezeichnet es als großes Geschenk, wenn er bis zum letzten Atemzug beim Sterbenden bleiben darf. Wenn es nicht bis zum Tod gewünscht ist, dann geht er in die Kirche, zündet für den Menschen eine Kerze an und betet für ihn.

Peter Godzik weiß, dass jede Begleitung eines Sterbenden ein tiefes spirituelles Tun ist. Für den Sterbenden sei es die Vollendung der Geburt. "Dabei muss man nicht alles verstehen, es geht ums Zuhören und die Beantwortung von Fragen", berichtete der Geistliche von einer spirituellen Öffnung: "Sterbende schauen von der Bezogenheit auf sich selbst plötzlich über sich hinweg." Darüber seien die Angehörigen oft verwundert. Diese Öffnung sei übrigens nicht nur religiösen Menschen vorbehalten. Peter Godzik macht auch keinen Unterschied, ob ein Mensch Glied der Kirche ist oder nicht: "Wir leben hier in der Kraft der Gemeinschaft."

Doch es gibt auch Extreme, wenn Not und Enge für den Sterbenden nicht weichen wollen. Dann muss der Sterbebegleiter auch Empörung, Wut und Zorn aushalten und mit dem Sterbenden bis zum Tod ringen. Durch Beruhigung, Handauflegung und dem gemeinsamen beten des Vater Unsers wird es meistens wieder ruhiger. Peter Godzik: "Und am Ende gibt es dann Frieden und ein feines Lächeln glättet das Gesicht des Toten."

Doch der Pastor wird nach der "Vollendung der Geburt des Menschen" wieder im Leben zurückgelassen. "Das ist sehr schmerzhaft", sagt Godzik nachdenklich. Es sei gut, eine Zeit beim Entschlafenen zu wachen. Angehörige sollten mit ihm sprechen - es sei eine Heilige Zeit, die entlastend wirke und mit Liedern und Texten aber auch Schweigen ausgefüllt werde. Ein gemeinsames Abendmahl mit den Hinterbliebenen und die Segnung des Verstorbenen lassen dann auch den Pastor wieder von der Grenze zum Tod ins Leben zurückkehren. "Sterbende machen den Lebenden Geschenke", weiß Peter Godzik. Und das helfe auf den Weg zurück.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen