Tingvall Trio in Hasselburg: Jazz und liebenswerte Geschichten

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07. Juli 2018, 18:31 Uhr

Dicke Balken durchziehen das ganze Gebäude mit den hohen Decken und der alten Orgel im Hintergrund. Wer schon jemals in der 257 Jahre alten Scheune des Gutes Hasselburg war, weiß um die Schönheit des Ambientes.

Am Freitag spielte dort das Tingvall Trio in nahezu ausverkauftem Haus. Zum ersten Mal nahmen der gebürtige Schwede Martin Tingvall am Klavier, der Kubaner Omar Rodriguez Calvo am Bass und der Bremer Schlagzeuger Jürgen Spiegel am Schleswig-Holstein-Musik-Festival teil.

Der Anfang ist zögerlich, fast melancholisch, als ob Musik und Musiker einander erst kennenlernen müssten. Wehmütig singt der Bass – das ist anrührend. Und da haben sie ihr Publikum schon für sich gewonnen. Dann aber steigern sich die Musiker immer mehr in einen Rhythmus; hochkonzentriert und engagiert, voller Lust und schließlich Ausgelassenheit. Den Pianisten Tingvall hält es kaum selbst auf seinem Sitz. Virtuose Soli des Bassisten Calvo und des Schlagzeugers Spiegel entstehen und lösen sich nach spontanem Beifall auf in dem Spiel zu dritt, das sich gegenseitig beflügelt und inspiriert. Zwischen den Stücken erzählt Tingvall mit feinem Humor kleine, liebenswerte Geschichten über die Entstehung der Stücke. Er erzählt von Geisterschritten des Hausgeistes in einem norwegischen Hotel, von der Ballade zwischen den Wolken und schließlich von dem Stück „Circlar“, was so viel wie Lebenskreise bedeutet und den Baumringen abgeguckt ist. Angeregt dazu wurde er von einer alten Dame, die sagte, sie könne zwischen den gelebten Jahren hin- und herspringen wie auf so einer Baumscheibe. Das hat ihn zu einem Lied veranlasst und außerdem dem neuen Album den Titel gegeben.

Dann beginnt wieder das Klavier eine kleine Melodie, nachdem das Schlagzeug einen kurzen Auftakt machte, als wolle es sagen: pass auf, spitz die Ohren. Aber hier sind alle Ohren längst gespitzt, Füße und Köpfe wippen im Takt; das Publikum lässt sich gern mitreißen und applaudiert immer wieder spontan.

Vor der sehr erwünschten einzigen Zugabe gibt es noch einen Blues. Mit einem Augenzwinkern erklärt Tingvall, wie schwer es ist, richtigen Blues zu spielen. Darum machen sie kurzerhand ihren eigenen, dann kann man spielen, was man will.

So ist es auch am besten. Darüber war sich das sehr gemischte Publikum einig, als es mit anhaltendem Applaus dankte.

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