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Deutsche Doggen : Tierquälerei: Züchterin in Plön vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bewegungsmangel, Urinpfützen, abgemagerte Tiere: Eine Hundehalterin aus dem Kreis Plön soll ihre Doggen vernachlässigt haben.

Plön | Drei Doggen, abgemagert bis auf die Knochen, verletzt und krank. Es waren traurige Bilder, die Polizisten im April 2013 in Gadendorf (Kreis Plön) aufgenommen haben. Seit gestern muss sich die Halterin der Hunde wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten.

Es ist Doggenzüchterin Verena S. Rottmann (59), im Hauptberuf Rechtsanwältin. An der Spitze eines Protestzugs marschierte sie zum Amtsgericht Plön, das von ihr verfasste Fachbuch „Die Deutsche Dogge“ unter dem Arm. In den Fluren erwartete die Angeklagte das Mobile Einsatzkommando der Justiz, sonst eher aus Rocker-Prozessen bekannt – die Fronten zwischen Tierhaltern im Norden, gegen die ermittelt wird, und der Kieler Staatsanwaltschaft sind verhärtet.

Die Richterin beginnt die Verhandlung mit einer Ermahnung an das Publikum: „Zwischenrufe sind zu unterlassen, Störer werden entfernt.“

In seiner Anklage sagt der Staatsanwalt: „Alle Tiere waren hochgradig unterernährt, litten an Muskelschwund und wiesen kaum noch Körperfett auf“. Die Züchterin soll ihre Doggen von Februar bis April 2013 und auch bereits davor so schlecht gefüttert und gehalten haben, dass eines der Tiere nach der Beschlagnahme starb. Die Räume der Hunde im Haus seien mit Kot, Urin, Futterresten und Blut verdreckt gewesen.

Verena S. Rottmann widerspricht: „Niemand tut für seine Hunde so viel wie ich.“ Sechs Stunden täglich habe sie sich um die Doggen gekümmert, sogar ihren Van umgebaut. So habe man gemeinsam in den Ferien in die Schweiz fahren können. „Meine Hunde sind meine Weggefährten“, erklärt sie, gibt aber zu: Die Hunde seien erkrankt gewesen und hätten daher an Gewicht verloren. „Sie befanden sich aber bereits auf dem Weg der Besserung.“

Als Zeugin befragt wird die Amtstierärztin des Kreises Plön, Kirstin Schwartau. Sie hatte die Beschlagnahme im April 2013 überwacht, erklärt: „Hündin ,Blanchette‘ lebte tierschutzwidrig hinter der Haustür in einem fünf Quadratmeter großen Vorraum.“ Eine Treppe höher habe sie Hündin „Bernadetta“ im Badezimmer gefunden. „Lichtschalter und Toilette waren mit Klebeband gesichert, was mir gezeigt hat, dass die Dogge hier dauerhaft untergebracht war.“ Rüde „Borega“ habe in einem Anbau gelegen. „Urin stand hier im Stroh wie nach einem Rohrbruch, der Hund lag auf dem blanken Boden mit Liegeschwielen an den Läufen. Er war ein Skelett aus Haut und Knochen.“

Im Garten habe es keine Trittspuren gegeben, für die Amtstierärztin ist daher klar: „Die Doggen litten unter Bewegungsmangel, der auch ihre Erkrankungen  erklärt – Magendrehungen und Aufgasungen.“ Und sie sagt: „Die Tiere haben sehr gelitten.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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erstellt am 25.Sep.2014 | 07:04 Uhr

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