zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 22:22 Uhr

Tierquälerei: Fahrer muss Strafe zahlen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Verletztes Schwein zum Schlachthof transportiert

von
erstellt am 05.Mai.2017 | 15:31 Uhr

Auf den ersten Blick ging es bei einem Prozess vor dem Amtsgericht „nur“ um den Einspruch des Fahrers eines Tiertransporters, der wegen eines fahrlässigen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 250 Euro verurteilt worden war. Deutlich wurde bei diesem Prozess letztlich aber auch das ganze Dilemma der heutigen Tierzucht, vom Mäster über die Verarbeiter bis zum Verbraucher.

Doch der Reihe nach. Vorgeworfen wurde dem Fahrer des Viehtransporters, er habe 2014 beim Transport von 176 Mastschweinen von einem Betrieb in Emkendorf bei Rendsburg zu einem Schlachthof in Bremen ein verletztes Schwein übersehen. Veterinäre des Schlachthofes hatten dieses Tier beim Ausladen entdeckt, begutachtet und letztlich dessen Tötung angeordnet, um dem Tier weitere Qualen zu ersparen. Der daraus resultierende Vorwurf an den Fahrer: Er hätte bereits beim Verladen den Zustand der Tiere kontrollieren müssen. Dazu sei er nach den Vorschriften der Tiertransportverordnung verpflichtet gewesen.

Gegen die gegen ihn verhängte Geldbuße hatte der Fahrer Einspruch eingelegt. Seine Argumentation, er habe beim Verladen der Tiere nichts gesehen, vermutlich sei das Schwein wohl auf der Fahrt bei Kämpfen untereinander in der Verladebucht des Lkw verletzt worden.

Doch die Gutachten der Bremer Tierärzte sagen etwas anderes, wie die Amtstierärztin des Kreises dem Gericht erläuterte: „Bereits über einen längeren Zeitraum muss das Schwein gelahmt haben, es konnte sich letztlich nur noch auf drei Beinen bewegen.“ Druckstellen, eine Versteifung und Deformierung der Gelenke, Wundstellen und auch schon Abszesse seienb zu erkennen gewesen. „Das war nicht zu übersehen, mit 100 Kilo Gewicht kann ein Schwein nicht auf drei Beinen laufen.“

Pathologische Untersuchungen hätten auch nachgewiesen, dass das Tier über einen längeren Zeitraum extreme Schmerzen gehabt haben muss. „Das Tier hatte Verletzungen höchsten Grades.“ Dies hätte der Lkw-Fahrer schon beim Verladen an den äußerlichen Verletzungen bemerken und den Transport ablehnen müssen.

Heraus kam bei dem Prozess dann auch, dass das Tier im Mastbetrieb wohl sehr wenig Platz für sich gehabt haben muss. Es gab wohl auch einen Grund, warum der Mäster das Tier separat gehalten hatte.

Offen blieb die Frage, warum ein Tierarzt vor Ort dies nicht bemerkt haben will. Züchter und Tierärzte stehen unter Druck. Der Mäster braucht den Erlös, der Tierarzt das Honorar. „Deshalb werden solche Tiere oft lange im Stall gehalten“, so die Amtstierärztin. „Leichte Lahmheit gibt es bei Masttieren deshalb oft.“

Der Transporteur zum Schlachthof will den Auftrag, egal wo der Schlachthof ist. Spielt er nicht mit, bekommt er womöglich keinen neuen Auftrag. Und das alles, weil der Kunde letztlich ein billiges Stück Fleisch auf dem Teller haben will. Warum der erbärmliche Zustand dieses Schweines niemand aufgefallen ist? Der Prozess kann diese Frage nur in den Raum stellen.

„Sie hätten den Zustand des Tieres sehen müssen, die Verletzungen waren erheblich,“ sagte der Richter und bestätigt in seinem Urteil die Geldbuße von 250 Euro. „Sie stehen unter Druck, kranke Tiere durchzuwinken. Aber Sie als Fahrer haben auch eine Verantwortung“, so die Argumentation des Richters. Der Verurteilte nahm das Urteil noch im Gericht an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen