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Tierquäler gesucht: Reiter in Schleswig-Holstein in Sorge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sieben gequälte und verstümmelte Pferde in diesem Jahr / Verband rät zu Nachtwachen

Eine Serie von Angriffen auf Pferde verunsichert die Reiter im Norden. Allein im vergangenen Monat gab es vier Fälle. Seit Jahresbeginn sind dem Kieler Landeskriminalamt (LKA) sieben Taten gemeldet worden, bei denen Pferde vorsätzlich gequält und verletzt wurden. „Es gibt darüber hinaus einen Fall von sexuellen Handlungen an einem Pferd“, sagte LKA-Sprecherin Verena Kalus.

Pferdewirtin Jenny N. (28) aus Witzeeze (Kreis Herzogtum-Lauenburg) zeigt im Internet Bilder des Trakehners Curly: Die junge Frau hatte ihren 15 Jahre alten Hengst vor drei Wochen blutend mit einem tiefen Einstich in der Flanke auf der Weide gefunden. Das Turnierpferd wurde in einer Klinik versorgt, bekam Schmerzmittel und Antibiotika – und überlebte. Vom Täter gibt es keine Spur. In den Tagen vor der Tat sei ein blonder Mann aufgefallen, der oft an der Weide stand und die Pferde beobachtet habe, berichtet Jenny N. und betont: „Es ist nur eine Vermutung. Die Polizei ist informiert.“

Ein Tierarzt rettete auch eine alte Haflinger-Stute im Kreis Dithmarschen. Der Täter hatte sie vergangenen Monat mit einem spitzen Gegenstand im Genitalbereich malträtiert. Weniger Glück hatte im Juni ein Wallach in Horst (Kreis Steinburg). Er musste eingeschläfert werden, nachdem ihm mit einem scharfen Gegenstand verletzt worden war. Polizeisprecher Hermann Schwichtenberg zeigte sich erschüttert: „Was geht im Hirn eines Menschen vor, der einem Tier Verletzungen zufügt, die letztlich den Tod zur Folge haben?“

Forensiker sprechen von psychisch oder sexuell gestörten Tätern. Häufig werden Stuten im Genitalbereich verletzt, was die These stützen könnte, dass es sich um Aggressionen handelt, die eigentlich gegen Frauen gerichtet sind, aber an Pferden ausgelebt werden. Prof. Hartmut Bosinski, Experte für sexuelle Präferenzstörungen wie Pädophilie, Fetischismus, Sadomasochismus und Exhibitionismus, sagt: „Es ist naheliegend, dass die Taten sexuell motiviert sind, aber hierzu fehlt eine valide Datenbasis. Grundsätzlich kann man wohl annehmen, dass die betreffende Person ein gravierendes Problem hat.“ Dieses könne im Bereich der Sexualität liegen, denkbar seien aber auch krankhafte Rachegelüste.

Sicher ist allerdings, dass es neben der Wut auf Frauen oder der Lust an fremdem Schmerz weitere Ursachen für die Schändung von Pferden gibt. So sind Täter teilweise tatsächlich sexuell auf Pferde fixiert. Ein solcher Fall schockiert die Menschen imKreis Rendsburg-Eckernförde. Dort wurden mehrfach Ponys sexuell missbraucht.

Die Reiter im Land sind in Sorge. „Pferde sind Freilandtiere, Übergriffe lassen sich leider nicht vollständig verhindern“, sagt Dieter Stut von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und Berater im Pferdesportverband Schleswig-Holstein. „Kommt es zu Vorfällen, sind Nachtwachen sinnvoll. Fremde Autos sollten beobachtet und Kennzeichen notiert werden.“ Jenny N. reagiert emotionaler: „Wenn ich den Täter zu fassen bekäme, er wäre seines Lebens nicht mehr sicher.“


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erstellt am 02.Aug.2015 | 19:04 Uhr

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