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Animal Hoarding : Tier-Messie in Timmendorfer Strand - Strafanzeige gegen Veterinäramt

vom
Aus der Onlineredaktion

Pferde, Enten und Nager sollen bei einer Tierhalterin vernachlässigt werden. Tierschützer werfen Behörden Untätigkeit vor.

Timmendorfer Strand | Schwere Vorwürfe gegen eine Tierhalterin - aber auch gegen die Behörden in Ostholstein: Eine Frau aus Timmendorfer Strand soll Tierschützern zufolge ihre Tiere verwahrlosen lassen. Mehrere Kaninchen und Enten würden ungepflegt in verkoteten Ställen vegetieren, eine Ziege, die mittlerweile eingeschläfert wurde, soll ohne tierärztliche Behandlung gelitten haben. Tierschutzaktivistin Nicol Hufnagel hatte die Vox-Sendung „Hund Katze Maus“ alarmiert, denn obwohl das Veterinäramt offenbar schon seit 2011 von dem Fall wusste, schreitet niemand gegen die mutmaßliche Tierquälerei ein.

Bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz wird zunächst der Halter aufgefordert nachzubessern und bei Bedarf einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn ein Halter wiederholt nicht einlenkt, können Tiere auch beschlagnahmt werden.

Ein Vox-Filmteam besuchte im Dezember den Ort, wo die vernachlässigten Tiere leben sollen und veröffentlichte die Aufnahmen am 2. April. Anwohnerinnen erzählen darin, dass Tierärzte des Veterinäramts am Tag zuvor Wiese und Ställe begutachtet haben sollen und die Tierhaltung offenbar in Ordnung fanden. Filmaufnahmen der TV-Sendung zeigen aber verdreckte Ställe und vernachlässigte Kaninchen und Enten. Eine Ziege mit Beinverletzung zittert.

Die selbsternannte „Tierdetektivin“ Judith Pein spricht von einem Fall von Animal Hoarding, einem Messie, der zwanghaft Tiere „hortet“. Die Moderatorin klappert daraufhin telefonisch die Behörden ab und versucht, die Besitzerin zu überreden, ihre Tiere abzugeben. Erfolglos. Die Behörden (Landkreis Ostholstein, Umweltministerium, Veterinäramt, Polizei) entziehen sich - teils mit dem Verweis auf Zuständigkeitsbereiche und die Tierhalterin sieht kein Problem in ihrer Form der Tierhaltung. „Ich reiß' mir für meine Tiere den Arsch auf“, sagt sie, schließt die Tür und droht mit der Polizei.

Die wiederum nimmt die Personalien der „Tierdetektivin“ auf - sie war, auch das dokumentiert der Filmbeitrag, ohne Genehmigung der Halterin in die Ställe gegangen. Kurzum: Seitens der Behörden gibt es keine Handhabe. Die Tierschutzpartei erstattet jetzt Anzeige gegen das Veterinäramt in Ostholstein. Schließlich sei der Fall seit 2011 bekannt. Es soll gegen den Paragraphen §13 StGB verstoßen haben - durch Untätigkeit. „Die Tiere müssen umgehend alle beschlagnahmt und einer ärztlichen Behandlung zugeführt werden, ein Tierhaltungsverbot ist unumgänglich“, sagt Svenja Walter von der Hamburger Tierschutzpartei.  Die „Unzulänglichkeit und Untätigkeit der Behörde“ sei nicht länger auf den zuständigen Amtsveterinär zu reduzieren. „Hier versagt das gesamte Organ und haftet für seinen Mitarbeiter!

§13 StGB: Begehen durch Unterlassen

Wer es unterläßt, einen Erfolg abzuwenden, der zum Tatbestand eines Strafgesetzes gehört, ist nach diesem Gesetz nur dann strafbar, wenn er rechtlich dafür einzustehen hat, daß der Erfolg nicht eintritt, und wenn das Unterlassen der Verwirklichung des gesetzlichen Tatbestandes durch ein Tun entspricht.

 

In einer Onlinepetition ruft Judith Pein das Umweltministerium auf zu reagieren.  „Die Tiere müssen beschlagnahmt und der Animal Hoarderin muss ein Tierhalteverbot erteilt werden“, wird darin gefordert.  Nach dem Tierschutzgesetz ist eine Haltung, die bei Tieren Leiden verursacht, nicht gestattet.

 

Die Tierschutzorganisation macht auf Facebook auf den Fall aufmerksam.

Animal Hoarding - völlig normal?

In Timmendorfer Strand hält eine Animal Hoarderin seit Jahren zahlreiche Tiere unter tierquälerischen Bedingungen. Obwohl Zeugen das Veterinäramt Ostholstein schon seit vielen Jahren darauf aufmerksam machen, passiert NICHTS! – Diese Zustände seien „NORMAL".BITTE TEILT DAS VIDEO!So könnt Ihr helfen: www.PETA.de/AnimalHoarding-Timmendorf

Posted by PETA Deutschland on Mittwoch, 6. April 2016

Im Kreis Ostholstein weist man die Vorwürfe zurück und ärgert sich darüber, dass in den Beiträgen von Vox und Peta veraltete Aufnahmen als aktuell verkauft werden. „Natürlich sind wir tätig geworden“, sagt Kreissprecherin Anja Sieks-Pfaff. „Die Mängel, die tierschutzrelevant waren, wurden mittlerweile abgestellt.“ Richtig sei, dass die Tierhalterin seit 2011 bekannt gewesen sei, ob aber vorher Mängel bei der Haltung waren, könne sie nicht sagen. Die Frau halte zwar nach wie vor Tiere, aber es seien deutlich weniger und es werde kontrolliert.  Das Veterinäramt war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Für Nicol Hufnagel steht hingegen fest: Die Tierhaltung ist nach wie vor fragwürdig. Sie sagt, sie sei am Mittwoch mit einem Fernsehteam von RTL vor Ort gewesen. Die Ziege sei immer noch verletzt, die Pferde hätten jetzt ihren Unterstand im selben Stall wie die Kaninchen. Es sei vermüllt und stinke wie die Hölle. Sie könne sich nicht erklären, warum das Amt nicht eingreift und keine Stellungnahmen abgeben wollte. „Ich biete weiter meine Hilfe an“, sagt sie. „Ich will doch nur, dass es den Tieren gut geht.“

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erstellt am 06.Apr.2016 | 15:09 Uhr

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