zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 13:48 Uhr

Tiefer Einblick in eine finnische Kita

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Austausch von Praktikanten belebt die Patenschaft zwischen dem Malenter Awo-Kinderhaus und dem Kindergarten Rölli in Mikkeli

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2015 | 12:22 Uhr

Wie können wir unsere Patenschaft mit dem Kindergarten Rölli im finnischen Mikkeli nach zehn Jahren beleben? Diese Frage war Ausgangspunkt einer neuen Projektidee, berichtet Annett Klöfkorn-Papke, Leiterin des Awo-Kinderhauses. Dieses vermittelt angehenden Erzieherinnen oder Erziehern ein mehrwöchiges Praktikum im finnischen Partnerkindergarten.

Als erste reisten Finja Beyme und Melanie Peetz für
drei Monate nach Mikkeli. Die beiden besuchen die Europaklasse der Elly-Heuss-Knapp-Schule Neumünster. Durch die Ausbildung zu Europa-Erzieherinnen sei eine Förderung des Praktikums aus dem EU-Programm „Leonardo da Vinci“ möglich gewesen, berichtet Annett Klöfkorn-Papke. Diese wäre aber auch für Finnland-Fahrer möglich, die auf die Erzieherfachschule in Lensahn gingen, betonte sie.

„Wir konnten es zum Ende unserer Zeit in Finnland immer noch immer nicht so ganz glauben, dass wir ganze drei Monate in einem komplett fremden Land gelebt haben, ohne die Sprache zu sprechen“, erinnerten sich Finja Beyme und Melanie Peetz.

Voller Vorfreude begannen sie Ende März mit Kindern im Alter von 1 bis 3 und 2 bis 5 Jahren zu arbeiten und erlebten sogar noch den finnischen Schnee. „Zu Anfang bereitete uns die fremde Sprache große Probleme und erschwerte den Arbeitsalltag sehr“, berichten sie. Es sei frustrierend gewesen, selbstverständlich erscheinende Tätigkeiten nicht ohne fremde Hilfe ausführen zu können. Somit seien Alltagssituationen wie Windeln wechseln, Mittagessen und das Schlichten von Streitsituationen zu Herausforderungen geworden.“

Doch dank einer stetigen Unterstützung des gesamten Teams sei es ihnen trotz Sprachbarriere gelungen, mit den Kindern in Kontakt zu treten. Sie lernten finnische Wörter, die ihnen die Verständigung mit den Kindern erleichterten und arbeiteten sehr viel mit ihrer Körpersprache. Die Gespräche mit den Mitarbeitern gestalteten sich deutlich einfacher, da sie sich mit ihnen englisch verständigen konnten. Sie tauschten sich unter anderem über die Unterschiede zwischen deutscher und finnischer frühkindlicher Bildung aus. Dabei hätten sie festgestellt, dass die Pädagogik in Finnland nicht so eine große Rolle spiele wie in Deutschland. „In Rölli wird nicht nach einer Pädagogik, sondern nach einem festen Jahresplan, der auf jede Gruppe individuell zugeschnitten wird, gearbeitet.

Der zweite große Unterschied zwischen deutscher und finnischer frühkindlicher Bildung sei das Einschulungsalter der Kinder, welches in Finnland sieben Jahre betrage. Besonders beeindruckt zeigten sich Finja Beyme und Melanie Peetz von der intensiven Elternarbeit und dem harmonischen Arbeitsklima in Rölli. Aus diesem Grund hätten sie auch in ihrer Freizeit sehr gerne Zeit mit dem Team von Rölli verbracht. Bei Ausflügen in die Natur, Saunabesuchen und gemeinsamen Abenden am See sind ihnen alle sehr ans Herz gewachsen.

Neben dem Team fehlten ihnen auch die wunderschöne Landschaft, die vielen
Seen, die überwältigende Natur, die finnische Sauna und das anschließende Baden im See. Mit der ruhigen, in Mitten des größten Seengebiets Europas gelegenen Stadt Mikkeli hätten sie genau die richtige Entscheidung getroffen. „Wir haben auch andere schöne Städte wie Kuopio und Helsinki besucht, sind aber froh, genau in Mikkeli, im Kindergarten Rölli, gelandet zu sein. Hinter uns liegen 13 Wochen voller Herausforderungen, wunderschöner Momente, neuer Erfahrungen, und traumhafter Landschaft.“ Auch wenn es dort der kälteste Frühling seit 50 Jahren gewesen sei, wollten sie auf jeden Fall noch einmal nach Mikkeli zurückkehren.

Annett Klöfkorn-Papke ist ebenfalls voll des Lobes: „Das Praktikum wurde von beiden Kindergärten als sehr positiv bewertet und stellt eine weitere pädagogische Bereicherung dar.“ Die Praktikanten könnten viel tiefere Einblicke ins finnische Kindergartenwesen gewinnen, als es den Erzieherinnen des Awo-Kinderhauses bei ihren kurzen Aufenthalten möglich sei. Mit der Elly-Heuss-Knapp-Schule sei ein Kooperationspartner gefunden worden, der das Praktikum schulisch begleite. Die Kita-Leiterin hofft, dass im Herbst das nächste Praktikum starten kann. „Denn Rölli freut sich sehr, die deutsche Sprache im Kindergartenalltag weiter auszubauen.“ Im Frühjahr 2016 wird das Awo-Kinderhaus Gastgeber sein. Dann kommen zwei Praktikanten aus Finnland nach Malente.


> Angehende Erzieherinnen, die sich für ein Praktikum in Mikkeli interessieren, können sich unter Telefon 04523/2368 mit der Leiterin des Awo-Kinderhauses, Annett Klöfkorn-Papke, in Verbindung setzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen