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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 19:38 Uhr

Theodor Fontane – fast persönlich

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 18:50 Uhr

Eine Freude war es, Theodor Fontane am Mittwoch im „Binchen“ beinahe persönlich zu begegnen. Wer kennt denn schon den berühmten Schriftsteller, „das Genie mit dem scharfen Verstand“ und den „kuriosen Kauz“ jenseits von „Effie Briest“, dem „Herrn von Ribbeck“ und „John Maynard“?

Der Schauspieler Volker Ranisch bot den Gästen im fast voll besetzten Haus die Gelegenheit, ganz andere Seiten des „Sonntagsdichters“ zu entdecken. Von der äußeren Erscheinung Theodor Fontanes zeichnet Volker Ranisch ein so lebhaftes Bild, dass man sich in der Straße wähnt, in der man den Dichter an Häuserwänden entlang schreiten sieht. Biografisches vermittelt er, als sei er selbst Fontane; zwischen die Fragen eines Fragebogens flicht er Zitate und Gedichte in seine Lesung so ein, dass sie – mehr erzählt als vorgetragen – auf diese Weise wie selbstverständlich Teil seiner Person werden.

In vier Kapiteln lässt Ranisch sein Publikum sich nicht nur dem Journalisten, Dichter und späten Romancier nähern, sondern ermöglicht es seinen Zuschauern, den Menschen Fontane nach und nach intimer zu erleben. Wie eine Reise vom Außen ins Innen des vielgereisten Dichters nimmt er seine Zuhörer mit. So liest er zunächst eher zurückgenommen, aber je mehr die Reise ins Innere des Schriftstellers geht, desto emotionaler wird sein Ausdruck. Sein eigenes Vergnügen an dem feinen Humor Fontanes ist dabei nicht zu überhören beziehungsweise zu übersehen.

Darauf angesprochen sagt der seit sieben Jahren freiberufliche Ranisch: „Ich leiste mir den kleinen Luxus, nur das zu tun, was mir Freude macht.“ Das spürt man. Und es findet sich sowohl in der sorgfältigen Auswahl der Texte als auch in der – mit sparsamen, aber wohl platzierten Gesten ausgestatteten – Erzählweise des Schauspielers wieder.

Wie schade, dass es zu Ende ist und kaum zu glauben, dass dies eineinviertel Stunden gewesen sind. Die sind wie im Flug vergangen. Und wieder einmal ist es dem Kulturbund gelungen, Kultur von hohem Niveau in das „Binchen“ und die Stadt zu holen. Danke dafür.




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