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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 23:06 Uhr

Kreuzfeld : Themen mit Konfliktpotenzial

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bei der Dorfschaftsversammlung in Kreuzfeld ging es um Kiesabbau, den Standort des neuen Gerätehauses und die Motocross-Anlage

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2016 | 04:30 Uhr

Die Ausweitung des Kiesabbaus, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses und die Zukunft des Motocross-Geländes in der Kiesgrube: An Zündstoff herrschte am Dienstagabend bei der Dorfschaftsversammlung in Kreuzfeld wahrlich kein Mangel. Etwa 90 Gäste waren ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen, die meisten von ihnen hörten sich schließlich auch noch eine Vorstellungsrunde der drei Kandidaten für die Nachfolge von Bürgermeister Michael Koch an.

Schon das erste Thema, der Kiesabbau, bot Stoff für Emotionen, allerdings sollte es hier speziell um die 11. Änderung des Flächennutzungsplans (F-Plan) gehen, die der Planungsausschuss Ende 2015 eingeleitet hatte. Dabei geht es um eine rund elf Hektar große Fläche westlich des Holmer Wegs, auf der das Kies- und Schotterwerk Kreuzfeld künftig Kies abbauen will. Die Änderung des F-Plans solle im April öffentlich ausgelegt werden, kündigte Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein an. Artenschutzrechtlich sei Kiesabbau durchaus vorstellbar, erklärte Nagel, nachdem Bürgermeister Koch noch einmal die Vorgeschichte der Planung erläutert hatte.

Vor allem Rolf Röhling, direkter Anlieger des Kiesabbaugebiets und Sprecher der Initiative „Gegen weiteren Naturabbau“, machte Front gegen die Pläne. Er kündigte an, die Initiative werde Lärmschutzgutachten in Auftrag geben. Denn der entstehende Lärm werde besonders das Osterberginstitut in Niederkleveez beeinträchtigen, warnte Röhling. Außerdem forderte er Artenschutzgutachten, die im Genehmigungsverfahren für bereits bestehende Kiesabbauflächen versäumt worden seien.

Scharfe Kritik übte Röhling an den Kieswerken und am Kreis Ostholstein als Aufsichtsbehörde. Die Kieswerke hätten entgegen der Genehmigung Kies im Nassabbau gewonnen, und der Kreis kümmere sich kaum um die Einhaltung der Vorschriften. „Wir haben eine Fachanwältin aus Hamburg beauftragt. Sie war geschockt, was bei der Verwaltung alles nicht passiert ist“, erklärte Röhling. So gebe es etwa keine Unterlagen über die vorgeschriebene Renaturierung erschöpfter Kiesabbauflächen.

Dorfvorsteher Wilfred Knop erneuerte die ablehnende Haltung des Dorfvorstands zur F-Plan-Änderung. „Die Kieswerke sollen erst mal ihre bestehende Genehmigung ausschöpfen, bevor sie neue Flächen beantragen“, fordert er mit Blick auf noch nicht abgebaute Flächen, für die eine Abbaugenehmigung bis 2030 bestehe. Die jetzige Planung sei aus Sicht des Dorfvorstands verfrüht. Würde sie umgesetzt, wäre außerdem der Seekamp, an dem es auch Anlieger gebe, nicht mehr zu erreichen.

Für eine lebhafte Diskussion sorgte der geplante Neubau des Feuerwehrgerätehauses im Meinsdorfer Weg – am Dorfrand, aber nicht außerhalb des Dorfes. Ortswehrführer Andree Bendrich und Bürgermeister Michael Koch gaben aber schließlich Antworten, die für eine Beruhigung sorgten. Für besondere Unruhe hatte die Frage gesorgt, ob mit dem Neubau ein Straßenausbau geplant sei, an dessen Kosten sich Anlieger beteiligen müssten. Doch das sei nicht beabsichtigt, versicherte Bürgermeister Michael Koch. Ausschließen wollte er dies allerdings nicht, denn das sei eine Sache der bevorstehenden Planung.

Unter Beifall hatte Hans-Georg Fischer zu nächst den neuen Standort kritisiert. Es sei „hanebüchen“, dass die Wehr nun zu den Einsätzen erst durch das Dorf fahren müsse. Doch Bendrich machte klar, dass es zum nun gewählten Standort keine Alternative gegeben habe. Dieser erfülle alle Kriterien, die zu beachten seien, etwa eine gefahrlose An- und Abfahrt, ein akzeptabler Grundstückspreis oder die Abwesenheit von Entwässerungsproblemen. Wichtig sei der Feuerwehr auch gewesen, mit ihrem Gerätehaus weiterhin im Dorf verankert zu sein. Wenn die Feuerwehr übe, könnten Eltern ihre Kinder gefahrlos dorthin schicken.

Eine Beibehaltung des aktuellen Standorts sei nicht möglich gewesen, vor allem, weil dort keine getrennte An- und Abfahrt realisierbar sei, sagte Bendrich. Diese sei aber aus Sicherheitsgründen unbedingt erforderlich. Mit Gefahren verbunden sei auch, dass sich auf dem heutigen Gelände ein Kinderspielplatz befinde. Nicht restlos ausräumen konnte Bendrich allerdings den Einwand einer Anliegerin, die beklagte, das Gerätehaus verbaue ihr die Aussicht, derentwegen sie sich vor acht Jahren für das Grundstück entschieden habe.

Gegensätzliche Positionen prallten beim letzten Thema, der Zukunft des Motocross-Geländes in der Kiesgrube am Holmer Weg aufeinander. Rolf Röhling referierte die Rechtsauffassung, die ihm die Gemeinde dargelegt habe. Demzufolge wäre die vom Motor-Club Malente betriebene Anlage zwar grundsätzlich genehmigungspflichtig nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz von 1987. Doch da die Anlage bereits vorher bestanden habe, habe es dieser Genehmigung nicht bedurft, sondern die Anlage habe nur angezeigt werden müssen.

Eine Genehmigung, für die das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek zuständig wäre, wäre nur dann notwendig, wenn eine Änderung der Anlage vorgenommen werde, erklärte Röhling. Doch genau darüber gingen die Meinungen auseinander. „Wir haben eine Gestattung, die Bestand hat“, erklärte der Motor-Club-Vorsitzende Horst von Hörsten und versicherte: „Die Stecke ist nicht geändert worden.“ Das zog Dorfvorsteher Knop in Zweifel. „1987 sah die Strecke anders aus als heute.“ Knop forderte einen Runden Tisch mit allen Beteiligten, um die Genehmigungslage endlich zu klären.

Zuvor hatte Rolf Röhling kritisiert, dass die vom Club aufgestellten Container nicht wie vom Kreis gefordert, entfernt, sondern lediglich 150 Meter weiter neu aufgestellt worden seien. Das räumte von Hörsten zwar ein, doch: „Die Container sind noch da, wir nutzen sie aber nicht.“ Die Container gehörten dem Verein und stellten Werte dar. Deshalb würden sie auf dem Gelände gelagert.

Für die, die nach der gut zweistündigen Dorfschaftsversammlung noch konzentriert genug waren, stellten sich noch die Bürgermeisterkandidaten vor. Nachdem Tanja Rönck, Jörg Meyer (SPD) und Hans-Werner Salomon (CDU) ihre Lebensläufe und Ziele für Malente dargestellt hatten, beantworteten sie Fragen, etwa zum Tourismus oder zu Parkgebühren.

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