Ahrensbök : Thema Zwangsarbeit

Ort der Zwangsarbeit in Ahrensbök: die Globus Gummiwerke in den frühen 1930er Jahren.
Ort der Zwangsarbeit in Ahrensbök: die Globus Gummiwerke in den frühen 1930er Jahren.

"Millionen für die Zwangsarbeit" heißt ein Vortrag, den der Lübecker Historiker Christian Rathmer am Sonntag, 6. März, um 16 Uhr in der Gedenkstätte Ahrensbök (Flachsröste in Holstendorf) hält.

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04. März 2011, 12:35 Uhr

Ahrensbök | Das Referat mit anschließender Diskussion gehört zur Reihe "Sonntagsgespräche", der Eintritt ist frei.
Wie viele es genau waren, ist unbekannt. Es wird geschätzt, dass während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft bis zu elf Millionen Menschen aus besetzten Ländern gewaltsam zur Zwangsarbeit ins deutsche Reich verschleppt wurden.
Zwangsarbeit gab es auch in Ahrensbök: Männer, Frauen und Kinder mussten in der Landwirtschaft, in den "Globus Gummiwerken", der Flachsröste, in der Gemüse-Absatz-Genossenschaft und in Familien arbeiten.

In den 1980er Jahren fand der leitende Mitarbeiter der Gemeinde, Norbert Fick, im Rathaus eine Meldekartei mit 1294 Namen. 15 bis 20 Prozent der damaligen Bevölkerung Ahrensböks mit seinen 19 Dörfern und 5063 Einwohnern (1939) waren von 1943 bis Kriegsende Zwangsarbeiter, die meisten aus Polen und der Sowjetunion, sowie aus anderen europäischen Ländern.

Osteuropäern ging es, so fand Fick heraus, besonders schlecht: Miserable Ernährung, schlechte Unterbringung, überlange Arbeitszeiten, mangelnde ärztliche Versorgung. Polen und "andere ausländische Arbeiter" durften nur zur frühen Stunde den Arzt aufsuchen, um "Mißhelligkeiten" zu vermeiden, lautete eine Anordnung (siehe Foto). Wegen der hohen Zahl der Zwangsarbeiter muss jede Ahrensböker Familie mit ihnen in Berührung gekommen sein.

Die Gedenkstätte Ahrensbök ist sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Mitglieder des Trägervereins führen auf Wunsch durch das Gebäude, das 1933 ein frühes KZ beherbergte, und durch die Dauerausstellung "Von Auschwitz nach Holstein". Eintritt und Teilnahme an Sonntagsgesprächen sind frei. Spenden sind willkommen.

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