Teures Tannenfeuer

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17. März 2011, 07:06 Uhr

Plön | Fast jeder kennt Andersens Märchen vom kleinen Weihnachtsbaum, der erst einen strahlenden Auftritt in der Wohnstube hat und am Ende im Brennofen landet. Dieses Glück hatten einige Hundert Tannenbäume eines Weihnachtsbaumproduzenten im Kreis Plön nicht - sie fanden keinen Käufer und wurden im April vergangenen Jahres gleich verbrannt. Das wiederum aber führte den Baumproduzenten nun vor das Plöner Amtsgericht. Fahrlässiger Umgang mit gefährlichen Abfällen, so der Vorwurf. Am Ende einigten sich Richterin, Staatsanwältin und Verteidiger auf die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage über 1750 Euro.

War es Unwissenheit oder Täuschung? Um diese Frage kreiste die Verhandlung. Immerhin hatte der Landwirt die Verbrennungsaktion zuvor beim Amt angemeldet. "Wenn wir gewusst hätten, dass das nicht erlaubt ist, hätten wir das nicht gemacht", sagte der 45-jährige Angeklagte vor Gericht. Das Verbrennen der Bäume war auch nicht strafbar, genau genommen hätte das dem Amt auch gar nicht gemeldet werden müssen. Ebenfalls ist es erlaubt, Grünschnitt auf dem eigenen Grundstück zu verbrennen. Verboten waren jedoch die Dinge, die sich laut Anklage noch auf dem Haufen befanden: Zaunpfähle, Bretter, Presspappe und Holzpaletten. Außerdem sollen rund die Hälfte der Bäume noch in ihre Transportnetze verpackt gewesen sein. Die Netze seien jedoch aus Stärke und würden sich umweltneutral zersetzen, beteuerte der Angeklagte und präsentierte dem Gericht eine Bescheinigung des Herstellers.

Diese "unerlaubten" Dinge waren es dann auch gar nicht, die dem Umweltsachverständigen Kopfzerbrechen bereiteten und ihn ein "deutliches Gefährdungspotential" für die Luft attestieren ließen. Ihm ging es vielmehr um die "schiere Menge" an Brenngut, seiner Schätzung nach zwischen 50 und 100 Kubikmeter. Auf Nachfrage des Verteidigers gab er jedoch an, dass das Abbrennen einer vergleichbare Menge etwa an Knickholz erlaubt gewesen wäre - obwohl die Luftbelastung ähnlich gewesen wäre. Es handele sich eben um eine rechtliche Bewertung, ob es sich bei den Tannenbäumen um eine private oder eine gewerbliche - und somit strafbare - Verbrennungsaktion handele, so der Kieler Gutachter.

"Uns war wirklich nicht bewusst, dass wir etwas falsch machen", beteuerte der Angeklagte mehrfach. Und damit das nicht wieder passiere, habe er in diesem Jahr alle unverkauften Bäume zu einer Mülldeponie gefahren - obwohl er rechtlich gesehen durchaus Grünzeug auf dem eigenen Grundstück verbrennen darf. Angesichts dieser Tatsache schlug die Richterin die Einstellung des Verfahrens vor. Allerdings müsse auch ein deutliches Zeichen gesetzt werden. "Eine Ordnungswidrigkeit ist es auf jeden Fall, vom Strafrecht kann man hier aber absehen", sagte sie. Die Staatsanwältin hatte zwar zuvor eine Geldstrafe über 35 Tagessätze zu je 50 Euro gefordert, erklärte sich aber auch mit einer Geldauflage in gleicher Höhe einverstanden. Das Geld kommt nun der Natur- und Umweltstiftung des Kreises Plön zu Gute.

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