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Tesnau: Eutiner Unternehmer will andere ermutigen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2015 | 15:38 Uhr

Die Firma Tesnau ist seit 103 Jahren in Eutin ansässig als Eisen-, Heizungs- und Sanitärgroßhandel. Seit jeher seien das etwa 20 Mitarbeiter starke Unternehmen offen für andere Kulturen, sagt Geschäftsführer Jens Tesnau. Deshalb sei es auch keine Frage gewesen, Ahmed Nadafi* (21) eine Chance zu geben, als er vergangenes Jahr um einen Praktikumsplatz gebeten habe. „Wir betrachten uns als Familienbetrieb und haben eine gewisse soziale Verpflichtung“, sagt Tesnau.

Nadafi kam im Alter von 17 Jahren aus Afghanistan nach Deutschland. Er floh vor Verfolgung und Krieg, verlor beide Eltern. Noch immer beschäftigten ihn die Erlebnisse, sagt er. Und sie machen ihn vorsichtig. Ein Foto und seinen richtigen Namen in der Zeitung lesen, das will Nadafi nicht. Zu groß ist die Furcht, er könnte von denen gefunden werden, vor denen er geflohen ist.

Viel wichtiger ist ihm, anderen Flüchtlingen, vor allem jungen Menschen, Mut zu machen, ihren Ehrgeiz zu zeigen. „Wenn man wirklich etwas erreichen will als junger Mensch aus der Fremde, hat man hier dazu die Gelegenheit.“ Er versuche, das Beste aus seiner Situation zu machen, und sei dankbar, in Deutschland, in Eutin, die Möglichkeit zu bekommen, sich ein Leben aufzubauen, was ihm in seinem Heimatland nicht möglich gewesen sei.

Die Brüder Jens und Helge Tesnau sind sehr zufrieden mit ihrem Lehrling. „Wir haben im Praktikum seinen Willen gesehen, er hat sich gut ins Team eingefügt und konnte schon sehr gut Deutsch und das wird immer besser. Da haben wir ihm einen Ausbildungsplatz angeboten.“ Klar, es sei ein unternehmerisches Risiko für so einen kleinen Betrieb, „aber wir können andere nur ermutigen, es zu wagen“, sagt Jens Tesnau. Überall werde von Fachkräftemangel gesprochen und unter den jungen Flüchtlingen gebe es hochmotivierte und lernwillige Menschen, die eine Chance verdient hätten.

Wenn der heute 21-Jährige wolle, könne er nach der Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik auch noch eine höher qualifizierte Ausbildung absolvieren.

Nadafi lebt in einer eigenen Wohnung und hat einen festen Arbeitsplatz. Das einzige, was ihn ärgert, sind die Kommentare seiner Nachbarn: „In der Gegend, wo ich wohne, arbeiten nur rund 30 Prozent der Menschen. Entsprechend sind die Bemerkungen, wenn ich abends nach Hause komme.“ Dann werde er beschuldigt, ihnen „als Schmarotzer“ die Arbeitsplätze wegzunehmen. „Aber da muss ich auf Durchzug schalten. Ich versuche, das Beste aus meiner Situation zu machen. Und das rate ich jedem anderen auch.“

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