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Ostholsteiner Anzeiger

26. September 2017 | 14:46 Uhr

Verkehrsüberwachung : Temposünder im Visier

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Kontrolldichte für Autofahrer in Eutin steigt: Beamte der Polizeizentralstation setzen künftig ein Laser-Messgerät ein.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 04:00 Uhr

Eutin | Damit hatte die junge Frau nicht gerechnet: „Ich hab den Führerschein nicht mit, ich wollte gerade mein Kind vom Kindergarten abholen“, entschuldigte sie sich bei den Polizeibeamten, die sie gerade auf Höhe des Dorfteiches in ihrem Wagen gestoppt hatten. Ihr Vergehen: Sie fuhr mit Tempo 42 durch die Fissau Dorfstraße, wo nur 30 Kilometer pro Stunde erlaubt sind.

Die Autofahrerin erlebte gestern Mittag unfreiwillig eine Premiere. Erstmals seit Jahren kontrollierten gestern Vormittag wieder Beamte der Eutiner Zentralstation das Tempo der Verkehrsteilnehmer. Bislang wurden Geschwindigkeitskontrollen in Eutin und Umgebung ausschließlich vom Polizeibezirksrevier Eutin in Zusammenarbeit mit dem Kreis Ostholstein übernommen. Von den Kollegen hatten sich die Eutiner Polizisten das technische Gerät für die Tempokontrollen ausgeliehen: Ein sogenanntes Laser-Verkehrsgeschwindigkeitsmessgerät vom Typ „Laveg“, landläufig gern als „Laser-Pistole“ bezeichnet.

Wie eine Pistole sieht das Gerät allerdings nicht aus, eher wie ein Fernglas, das auf einem Stativ steht. „Damit peile ich das Kennzeichen des zu messenden Fahrzeugs an“, erläutert Polizeioberkommissar Wolfram Reuter. Per Knopfdruck wird die Messung gestartet. Wenn sie erfolgreich war, zeigt das Gerät die gefahrene Geschwindigkeit und den Abstand, aus dem gemessen wurde. Das können bis zu 300 Meter sein. Ist ein Tempoverstoß erfasst, wird der Fahrer auf jeden Fall gestoppt. Ein Beweisfoto gibt es bei dieser Messmethode nicht. Wenn der Fahrer es will, zeigen ihm die Beamten aber die gemessenen Daten.

Auf diese Weise werden zwar nicht besonders viele Schnellfahrer erwischt, darauf komme es der Polizei aber auch gar nicht an, erläutert Polizeihauptkommissar Hans-Joachim Wendt, stellvertretender Leiter der Polizeizentralstation. „Wir wollen mit dem Gerät keine Masse machen, sondern richtige Verstöße verfolgen.“ Wichtigster Effekt sei, dass die Leute wüssten, dass die Polizei „überall mal stehen könnte“. In Zukunft werde man das Messgerät daher von Zeit zu Zeit wieder beim Bezirksrevier ausleihen.

Der gestrige Standort war mit Bedacht gewählt: „Hier sind zwei Kindergärten und eine Grundschule in der Nähe“, klärte Reuter die ertappten Autofahrer auf. Auch künftig wolle man nicht nur, aber vorwiegend vor Kindergärten, Schulen oder in verkehrsberuhigten Bereichen tätig werden, sagte Wendt – oder auch da, wo es Beschwerden von Anliegern über zu schnelles Fahren gebe.

Mögliche Messungenauigkeiten zu Ungunsten des Autofahrers sind bereits berücksichtigt. Bei jeder Messung werden deshalb drei Kilometer pro Stunde abgezogen. Zumindest gestern war das Vertrauen in die Beamten und ihre Messtechnik groß: „Wenn Sie das sagen, glaub ich Ihnen das“, akzeptierte Melanie Meyer gestern eine Geldbuße. Sie war elf Kilometer pro Stunde zu schnell. Die 42-jährige Hamburgerin, die hier ihre Mutter besuchte, nahm es gelassen. „Wenn ich zu schnell bin, ist es ja richtig“, kommentierte sie die Aktion der Beamten und entschuldigte sich: Sie sei gerade abgelenkt gewesen, da sie neben ihrer Familie auch noch einen neuen Hund an Bord habe.

 

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