Roaming-Gebühren : Telefonieren im Ausland: Mit dem Handy bleibt's teuer

Das kann teuer werden: Vor allem, weil die Gebühren für Handy-Telefonate im Ausland für die Verbraucher schwer nachzuvollziehen sind.
Das kann teuer werden: Vor allem, weil die Gebühren für Handy-Telefonate im Ausland für die Verbraucher schwer nachzuvollziehen sind.

Die EU-Staaten wollen an den Aufschlägen für Auslands-Telefonate festhalten.

shz.de von
16. Mai 2015, 11:57 Uhr

Handynutzer hätten sich eigentlich schon zum Jahresende auf eine Abschaffung der Extra-Gebühren für Telefonate, Surfen SMS im EU-Ausland freuen können. Doch daraus wird wohl nichts: Erstens wird die Zeit knapp. Zweitens gibt es inzwischen unter den EU-Staaten einen Kompromissplan, die Gebühren auf niedrigem Niveau beizubehalten. Das geht aus einem öffentlich gewordenen Dokument des Rates hervor, über das gestern die „Bild“-Zeitung berichtete. Die EU-Länder müssen sich aber noch mit dem Europa-Parlament einig werden – und dort will man die Gebühren eigentlich streichen.


Die Grenze: 50 Minuten und 50 SMS


Dem Kompromisspapier der EU-Staaten zufolge sollen Bürger etwa bei Anrufen aus dem Ausland nur 50 Minuten lang zu Inlandskonditionen telefonieren können. Zudem sollen sie 50 SMS pro Jahr aus dem Ausland zu Inlandsbedingungen verschicken können, die mobile Internetnutzung ohne Aufschläge wäre nur bis zu 100 Megabyte im Jahr möglich. Diese Zahlen nannte die „Bild“ gestern mit Bezug auf das Papier der EU-Länder. Ein EU-Diplomat bestätigte, dass die Zahlen dem derzeitigen Kompromiss unter den Staaten entsprechen. Er sagte, man gehe aber davon aus, dass die Roaming-Aufschläge nach Erreichen dieser Grenzwerte niedriger ausfallen als bisher.

Die Staaten hatten sich bereits Anfang März darauf verständigt, dass sie die Extra-Gebühren für mobiles Telefonieren und Surfen im Ausland mit Einschränkungen vorerst weiter erlauben wollen. Ein EU-Diplomat bestätigte, dass die Zahlen dem derzeitigen Kompromiss unter den Staaten entsprechen. Er sagte, man gehe aber davon aus, dass die Roaming-Aufschläge nach Erreichen dieser Grenzwerte niedriger ausfallen als bisher.


Gebühren würden frühestens 2016 fallen


Beschlossen ist derweil noch nichts, weil die Länder sich mit dem Europaparlament einigen müssen. Das hatte ursprünglich gefordert, die Aufschläge bis Ende 2015 komplett abzuschaffen. Allerdings ist wegen der langwierigen Verhandlungen inzwischen klar, dass die Gebühren frühestens Mitte oder Ende 2016 fallen könnten, heißt es in der Volksvertretung. Der österreichische Grünen-Abgeordnete Michel Reimon bezeichnete die Verhandlungen als „verfahren“.

Verbraucherschützer fordern weiterhin die Abschaffung der Gebühren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) reagierte empört: „Kommunikation ist nicht nur ein Urlaubsspaß, sondern innerhalb Europas für viele Menschen notwendiger Alltag“, kommentierte VZBV-Vorstand Klaus Müller. „Die Preise für die Endkunden müssen sich stärker an den realen Kosten der Unternehmen orientieren. Derzeit verdienen Unternehmen gutes Geld mit den Roaming-Gebühren.“ Auch im Parlament herrscht beim Blick auf den Verhandlungsstand Unmut. Die konservative luxemburgische EU-Abgeordnete und frühere EU-Justizkommissarin Viviane Reding fand deutliche Worte. Sie sprach mit Bezug auf die Haltung der EU-Staaten von einer „Schande“. „Eigentlich müsste es einen Volksaufstand geben!“

„Roaming-Gebühren passen nicht zur Idee von Europa und zur Idee des digitalen Binnenmarkts“, sagte auch der frühere niedersächsische Ministerpräsident und jetzige EU-Parlamentarier David McAllister (CDU) der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Es mache keinen Sinn, dass es unterschiedliche Gebühren gebe. „Verbraucher sind sich häufig gar nicht bewusst, in welche Gebührenfallen sie dabei tappen.“

Der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange kündigte den Widerstand des Europaparlaments an. „Offensichtlich scheinen einige Telekommunikationskonzerne Einfluss bei einigen Staaten gewonnen zu haben. Die Mehrkosten sind durch nichts mehr zu rechtfertigen, zumal die Unternehmen längst europaweit agieren“, sagte Lange der Zeitung.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber (SPD), sagte der „Passauer Neuen Presse“: „Die vollständige Abschaffung der Roaming-Gebühren in Europa muss das Ziel bleiben. Nur so werden wir den Erwartungen der Verbraucher gerecht.“ Angesichts des technologischen Fortschritts seien Roaming-Gebühren ein Relikt vergangener Zeiten. So schaffe man keine digitale europäische Gesellschaft, sagte die Grünen-Politikerin Renate Künast den „Ruhr Nachrichten“. Die Vorsitzende des Verbraucherschutz-Ausschusses im Bundestag sagte, es sei an der Zeit, endlich etwas für alle Verbraucher zu tun.

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