Techs Rede löst Empörung aus

Heftige Reaktionen auf Kritik an Kosten für die Barrierefreiheit

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02. Juli 2015, 10:53 Uhr

Einen Entrüstungssturm löste Malte Tech (FWE) in der Stadtvertretung aus, als er zum Thema Barrierefreiheit in der Schule Am Kleinen redete. Sein Hinweis, dass die Kosten von 130  000 Euro für die geplanten Maßnahmen auch mal im Verhältnis zur Zahl der Betroffenen gesehen werden müssten, ließ Matthias Rachfahl (CDU) explodieren: „Das ist ein absoluter Hammer.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende bestand darauf, dass Techs Formulierung – „für einen oder zwei, die behindert sind, diesen Aufwand zu machen“ – wörtlich ins Protokoll aufgenommen werde. Darauf stritt Tech ab, dies so gesagt, geschweige denn gemeint zu haben, und warf Rachfahl vor, „Märchenerzähler“ zu sein. Darauf scholl ihm laut, sehr laut aus den Fraktionen von CDU, SPD und Grünen entgegen: „Doch,das haben Sie so gesagt. Das haben alle Stadtvertreter gehört.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Westphal erklärte: „Meine Fraktion distanziert sich von Herrn Techs Aussagen. Sie schaden der Offenheit und Sozialgerechtigkeit in dieser Stadt.“ Jeder müsse wissen, dass Barrierefreiheit für jeden Einzelnen ein gesellschaftlicher Anspruch sei, der aber nicht zum Nulltarif zu erreichen sei.

Das stellte Malte Tech nicht in Abrede. Er rieb sich aber mit heftigen Vorwürfen gegen das Bauamt an der in der Verwaltungsvorlage angestellten Kostenschätzung vor allem für den Einbau eines Aufzuges. Der soll, wie berichtet, die Fachräume im Obergeschoss für gehbehinderte Schüler zugänglich machen. Zudem stelle ein Aufzug im Brandfall einen Gefahrenherd dar, woraus sich die Frage nach dem Rettungsweg für Rollstuhlfahrer ergebe. Eine Verlegung der Fachräume ins Erdgeschoss sei die bessere Lösung; dieser Vorschlag zeige überdies, wie nahe er der Inklusion stehe, betonte Tech.

Ein Disput entwickelte sich zwischen Thomas Koebke (FWE) und Olaf Schmidt (CDU) über die Frage, ob die Feuerwehr gehbehinderte Schüler im Brandfall, sollte der Aufzug nicht nutzbar sein, aus dem Gefahrenbereich tragen wird. Koebke wies auf seine Tätigkeit als Sicherheitsingenieur hin und sagte, dass nach seiner Kenntnis die Eutiner Wehr den Vorrang aufs Löschen lege. Dem hielt Schmidt das eherne Motto der Feuerwehr entgegen: „Retten, Bergen, Löschen, Schützen“ – und das werde in genau dieser Reihenfolge auch so in Eutin praktiziert. Ein Zwischenruf, dazu als Experten Marco Wriedt zu hören, der kurz zuvor als stellvertretender Gemeindewehrführer vereidigt worden war, verhallte wirkungslos.

Überrraschend wurde dann das Maßnahmenpaket für Barrierefreiheit in der Schule am Kleinen See einstimmig gebilligt. Auch Malte Tech hob den Arm.

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