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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 10:51 Uhr

Taxistand – ein Interessenkonflikt?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Taxiunternehmer beklagen zu schmale Halteplätze / Verwaltung argumentiert mit Platzproblemen / Politik sagt: Im Zweifel nachbessern

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2016 | 05:10 Uhr

Matthias Müller* ist ein alter Hase im Taxigeschäft. Seit fast 40 Jahren fährt er Menschen von A nach B durch Eutin. Er hatte viele Hoffnungen in die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes gesteckt – und in die neuen Taxiplätze. „Aber jetzt bin ich ein Verkehrshindernis für alle – hier genauso wie drüben auf den neuen Plätzen“, sagt er etwas frustriert. Bisher parkte er noch mit anderen Kollegen fast direkt vor dem Bahnhofsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite als Interimslösung. Der neue Taxistand ist erst seit gestern durch entsprechende Schilder gekennzeichnet.

Neben der zurückgesetzten Lage prangert er die Größe des neuen Taxistandes an: „Die sind viel zu eng. Mein Seitenspiegel ist auf der Fahrbahn, wenn ich da stehe, und Reifen-an-Bordstein-parken ist für die Fahrgäste zum Aussteigen unpraktisch“, sagt er. Bei der Interimslösung stieg Müller auch zur Fahrbahnseite hin aus. „Aber da wurde etwas Neues geschaffen, da hätte man doch ausreichend Platz für die Taxistände einplanen können und keinen zehn Meter breiten Fußweg pflastern“, argumentiert Müller.

Bauamtsleiter Bernd Rubelt kennt diese Art von Meinung. Aber: „Wir haben im Gegensatz zu größeren Städten nur bestimmte Flächenressourcen, mit denen wir umgehen müssen. Wir haben nicht so viel Platz, um jedes Platzbedürfnis mit einzubeziehen.“ Zur Zob-Seite gebe es eine völlig abgesenkte Zuwegung, an der Taxifahrer jederzeit halten können, so Rubelt. Das sei den Unternehmern auch bekannt. Rubelt: „Was wir hier haben, ist eine Diskussion um Räume und ihre Nutzung. Bisher haben wir die Platzdiskussion immer pro Auto geführt. Die Fußgänger kamen zu kurz. Sie beschweren sich nicht und freuen sich vielleicht leise über einen schönen Platz, auf dem sie sich bewegen können.“ Obwohl die Straße laut Rubelt nur um 50 Zentimeter verkleinert worden ist, hagelte es schon Beschwerden, als handele es sich um Meter.

Ob die Taxibetreiber am neuen Zob, der ab 2017 gestaltet werden soll, Plätze erhalten, steht noch nicht fest. „Wir sind da noch flexibel, haben aber bisher nur den Vorentwurf“, so Rubelt. Generell müsse dann auch die Frage diskutiert werden, wie viele Taxistände eine Stadt wie Eutin benötige. „Es wird immer die Bequemlichkeit auf beiden Seiten reklamiert. Aber auf der Seite aus Kiel in Richtung Lübeck stehen die beiden Plätze nahezu immer leer.“

Und das hat laut Taxi-Unternehmer Timo Pöhls einen einfachen Grund: „Da steigt einfach niemand ein. Auswärtige zieht es immer in Richtung Stadt und die meisten gehen durch die Unterführung vor das Bahnhofsgebäude und steigen dort in ein Taxi.“ Zur anderen Gleisseite fahre er meistens nur auf Bestellung. „Es ist einfach zu schwach frequentiert.“

Auf das Argument von Politik und Verwaltung – die Pläne lagen aus, jeder habe sich informieren können und die Taxiunternehmer haben sich nicht gerührt – entgegnet Pöhls nur: „Es ist nicht meine Aufgabe als Unternehmer, die Arbeit der Verwaltung zu überprüfen. Wir hatten vorher einen wirklich guten Taxistand. Ich bin davon ausgegangen, dass die Verwaltung das auch bei den neuen Plänen berücksichtigt und hinbekommt.“

Bauausschussvorsitzende Monika Obieray sieht noch ein anderes Problem: „An der Stelle werden, wenn hinter dem Taxistand die Fahrradbox aufgestellt ist, auch die Radler die Fahrbahn kreuzen. Auch für die ist der Bordstein zu hoch.“ Laut Obieray müsse genau beobachtet werden, wie die Menschen queren und wo sie abkürzen. Ein hoher Bordstein habe den Vorteil, so Obieray, dass Autofahrer nicht in den Fußgängerbereich fahren. „Aber es muss auch funktional sein und im Zweifel, wenn wir merken, das funktioniert mit der Höhe beim Ein- und Aussteigen nicht, muss nachgebessert werden.“


*Name geändert

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