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Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 21:27 Uhr

„Tariflöhne sichern Auskommen im Alter“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt warnt: 2390 Rentner im Kreis Ostholstein haben Minijob. Wachsende Zahlen lassen steigende Altersarmut fürchten

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Wenn die Rente nicht reicht: Immer mehr Rentner im Kreis Ostholstein seien auf ein Nebeneinkommen angewiesen, Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). 2390 Menschen über 65 Jahre hätten derzeit einen Minijob – das seien 96 Prozent mehr als noch vor zwölf Jahren, sagt der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft, Uwe Hahn, und beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur. Die Gewerkschaft warnt vor einer Zunahme der Altersarmut.

„Ein Minijob ist für viele ältere Menschen im Kreis Ostholstein die einzige Möglichkeit, um am Monatsende über die Runden zu kommen. Das darf aber nicht zum Normalfall werden“, stellt Hahn weiter fest. Die Politik müsse dringend gegensteuern und für eine Rente sorgen, die zum Leben reiche. „Wie das gehen kann, zeigen Erfahrungen aus den Betrieben – vom Tariflohn bis zur betrieblichen Altersvorsorge.“

Für den Bezirksvorsitzenden ist es zudem „höchste Zeit, die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente rückgängig zu machen.“ Man könne nicht hinnehmen, dass über 70-Jährige Treppenhäuser putzen oder sich als Gärtner etwas hinzuverdienen müssten, obwohl sie Jahrzehnte gearbeitet hätten, kritisiert der Gewerkschafter: „Wer 3000 Euro im Monat verdient, muss schon heute 26 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen, um später eine Rente an der Armutsgrenze zu bekommen – nämlich gerade einmal 760 Euro im Monat.“

Dabei gebe es längst bewährte Modelle. „In der Bauwirtschaft finanzieren Arbeitgeber und Beschäftigte seit Jahrzehnten eine betriebliche Zusatzrente. Auch wer durch Krankheit früher mit dem Beruf aufhören muss, ist dadurch abgesichert“, erklärt Hahn. Die Rente auf dem Bau sei ein Muster-Beispiel für die ganze Wirtschaft. Denn die Zusatzrente gelte überall – im Großunternehmen genauso wie im Drei-Mann-Betrieb. Dafür habe die IG Bauen-Agrar-Umwelt durch allgemeinverbindliche Tarifverträge gesorgt.

„Damit die Arbeitsplätze im Kreis Ostholstein wirklich demografiesicher werden, brauchen wir mehr Bezahlung nach Tarif“, ist Hahn überzeugt. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde reiche für eine spätere Rente, von der man leben könne, nicht aus.

Die Industriegewerkschaft Bau habe schon jetzt am Tarif-Tisch wesentlich höhere Branchenmindestlöhne vereinbart: unter anderem im Baugewerbe, im Dachdecker-, Gerüstbauer-, Maler- und Lackierer-Handwerk.

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