Malente : Tanzstunde für angehende Bauern

Seit beinahe 30 Jahren treffen sich die ehemaligen Schüler der Eutiner Landwirtschaftsschule. Organisiert wurden diese Treffen immer vom Barkauer Jürgen Muhs. Dafür bedankten seine Klassenkameraden sich mit Blumenstrauß und Mettwurst.
1 von 2
Seit beinahe 30 Jahren treffen sich die ehemaligen Schüler der Eutiner Landwirtschaftsschule. Organisiert wurden diese Treffen immer vom Barkauer Jürgen Muhs. Dafür bedankten seine Klassenkameraden sich mit Blumenstrauß und Mettwurst.

Zwölf Absolventen der Landwirtschaftsschule Eutin des Jahrgangs 1959/60 trafen sich in Neukirchen. Dabei erinnerten sie sich an manche Anekdote.

shz.de von
27. Mai 2015, 17:00 Uhr

„Im Winter, da gibt es manch fröhlichen Schmaus“, heißt es im Volkslied „Im Märzen der Bauer“ über die Arbeit eines Landwirts im Winter. Viel Zeit zum Schmausen hatten die 26 Schüler des Jahrgangs 1959/60 der Landwirtschaftsschule Eutin aber nicht. Während sie im Sommer ihre praktische Ausbildung in den Betrieben in den Kreisen Ostholstein und Plön absolvierten, stand im Winter die Theorie an. Gut 55 Jahre ist die Schulzeit vorbei, doch aus den Augen verloren haben sich die früheren Klassenkameraden nicht. Seit 20 Jahren treffen sie sich regelmäßig, erst alle fünf Jahre, nun jährlich. „Wir werden schließlich nicht jünger“, sagt Peter von Lucke aus Majenfelde, damals Klassensprecher und inzwischen 74 Jahre alt. Zu diesem Jubiläumstreffen im „Neukirchener Hof“ kamen zwölf Männer.

Auf dem Stundenplan standen damals Ackerbau, Tierzucht und Buchführung, aber auch Physik und Chemie. „In Chemie ging es beispielsweise um Düngelehre“, erinnert sich Gerd Regier aus Lütjenburg. Sehr viel eindrucksvoller ist den Männern aber die regelmäßige Tanzstunde mit den Schülerinnen der landwirtschaftlichen Hauswirtschaftsklasse in Erinnerung geblieben. Ein Jahr lang wurde jeden Mittwochnachmittag getanzt. Trotzdem hatte nicht jeder der Lehrlinge seine Freude an der Schule. „Ich hatte keine Lust dazu“, gibt Lorenz Kaacksteen aus Söhren freimütig zu. Kein Wunder: „Das Schulhalbjahr war anstrengender als das Halbjahr in den Betrieben“, sagt von Lucke. Die geistige Arbeit sei schwerer als die körperliche gewesen.

So ganz ohne körperliche Arbeit ging es aber auch im Winterhalbjahr nicht. Denn die meisten der angehenden Landwirte sollten später einmal den Betrieb ihrer Eltern übernehmen und mussten dort auch während ihrer Ausbildung mitarbeiten. „Ich musste schon vor Schulbeginn 30 Kühe melken“, erinnert sich von Lucke. War das erledigt, dann wollte der Weg zur Schule nach Eutin bewältigt werden. Ein im Winter nicht immer einfaches Unterfangen. „Zwischen Lütjenburg und Eutin gab es damals noch keine Teerstraße. Ich habe mir für mein Motorrad extra einen Beiwagen gekauft, damit ich auf der glatten Straße sicher unterwegs war“, berichtet Regier.

In 20 Klassentreffen erinnerten sich die Männer an so manche Anekdote. Trotzdem ist Stoff für viele weitere Treffen vorhanden. Wie immer ohne Ehefrauen. An der Angst, eventuell Tanzen zu müssen, kann das jedoch nicht liegen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen