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Erfolg für Freie Wähler : Tanja Rönck wird neue Bürgermeisterin in Malente

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Duell der Parteilosen entscheidet die 46-jährige Kandidatin der Freien Wähler für sich. CDU und SPD waren schon im ersten Wahlgang auf der Strecke geblieben.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2016 | 08:01 Uhr

Malente | Die Malenter haben mit 68 Prozent (2846 Stimmen) wie erwartet Tanja Rönck zur Bürgermeisterin und Nachfolgerin von Michael Koch (CDU) gewählt. Der 63-Jährige war nach drei Amtszeiten nicht mehr angetreten. Christian Witt kam im Duell der beiden parteilosen, 46-jährigen Kandidaten auf 32 Prozent (1338 Stimmen). Die Wahlbeteiligung lag bei 46,2 Prozent.

Die Wahl gilt als herbe Schlappe vor allem für die CDU. Nur gut zwölf Prozent erhielt ihr Kandidat im ersten Wahlgang - und verpasste damit auch die Stichwahl. Mit Malente verliert die Union einen ihrer Stammplätze.

Für einen Moment sah es zuerst so aus, als könnte Christian Witt noch ein Wörtchen um das Bürgermeisteramt mitreden. 53,9 Prozent der Stimmen holte er im zuerst ausgezählten Wahllokal Neukirchen. Doch schon mit dem zweiten von 16 Wahlbezirken kam die Wende in der Stichwahl um das Malenter Bürgermeisteramt: In Malkwitz kam die von den Freien Wählern Malente (FWM) aufgestellte Tanja Rönck auf 77,5 Prozent.

Tanja Rönck galt als Favoritin, da sie im ersten Wahlgang vor drei Wochen mit vier Kandidaten mit 48,4 Prozent der Stimmen weit vor Witt (20,0 Prozent) gelegen hatte. Hans-Werner Salomon (CDU) und Jörg Meyer (SPD) waren auf der Strecke geblieben.

 

Zunächst einmal wollte eine sichtlich gelöste Tanja Rönck ihren Sieg genießen. „Jetzt geht’s zu Freunden, da steht ein Zelt, es wird gefeiert“, erklärte sie, nachdem sie sich bei ihren Wählern und Unterstützern bedankt hatte – besonders nannte sie Wahlkampfhelfer Gerd Schlicker und ihren Mann Andreas Rönck: „Er stand vor mir wie ein Schild und hat ganz viele Sachen von mir abgehalten.“

Witt hatte zwar gleich nach dem ersten Wahlgang angekündigt, er wolle um den Sieg kämpfen, doch Tanja Rönck hatte keine Zweifel: „65 bis 70 Prozent werden es schon“, sagte sie noch kurz vor der Auszählung. Kochs Amtszeit endet am 29. August. Als eines der ersten Ziele wolle sie den Wunsch nach Transparenz umsetzen und ein bereits diskutiertes Ratsinformationssystem einführen, erklärte die Wahlsiegerin. Dann könnten Bürger wichtige Themen der Gemeindepolitik im Internet verfolgen.

Viel Zeit, sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten, wird Tanja Rönck nicht haben. Für den Wahlkampf ging fast ihr kompletter Urlaub drauf. Noch arbeitet sie als Amtsrätin beim Amt Oldenburg-Land. „Da ist noch ein bisschen was zu tun“, erklärte sie. Drei bis vier Projekte wolle sie noch abschießen.

Dessen ungeachtet hat ihr Koch bereits angeboten, Termine mit ihm im Rathaus zu vereinbaren: „Dann kann sie schauen, wo die Schwerpunkte liegen, damit der Start etwas leichter wird.“ Dass in der künftigen Zusammenarbeit mit den Fraktionen und Mitarbeitern der Verwaltung gleich alles glatt laufen wird, erwartet die künftige Bürgermeisterin nicht: „Zuerst wird es ein wenig unrund laufen“, sagte sie. Schließlich habe sie andere Ansichten als ihr Vorgänger.

Jetzt ist eine gute Streitkultur gefragt - ein Kommentar von Bernd Schröder

Die Schlacht ist geschlagen. Jetzt kann Tanja Rönck beweisen, ob sie als Parteilose wirklich zu einer guten Zusammenarbeit mit der Gemeindevertretung in der Lage ist. Dafür müssen ihr die beiden großen Fraktionen, CDU und SPD, die sich in diesem Bürgermeisterwahlkampf erhebliche Blessuren geholt haben, aber auch die Chance geben – im eigenen Interesse.

Besonders für die Malenter CDU war die Bürgermeisterwahl schmerzhaft. Nicht nur, dass ihr Kandidat grandios gescheitert ist. Für die Partei ist das Ergebnis auch Tiefpunkt einer anhaltenden Talfahrt. Es noch nicht so ewig her, da stellte die Union nicht nur den Bürgermeister, sondern hatte auch die absolute Mehrheit in der Gemeindevertretung. 2018 ist Kommunalwahl. Wer verlorenen Boden gutmachen will, sollte nicht nur Profil zeigen, sondern auch mit einer guten Streitkultur punkten.

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