Fazit für eine Spendenaktion : Tanja Müller: „Danke Eutin“

Sie ist erschöpft aber glücklich: Tanja Müller zeigt eine der letzten Gaben, die noch verschenkt werden. „Die Spendenbereitschaft hat mich überwältigt.“
Sie ist erschöpft aber glücklich: Tanja Müller zeigt eine der letzten Gaben, die noch verschenkt werden. „Die Spendenbereitschaft hat mich überwältigt.“

Die Ehrenamtlerin freut sich über die zahlreichen Spenden für die Flüchtlinge an Heiligabend.

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04. Januar 2017, 11:00 Uhr

Tanja Müller ist immer noch überwältigt – auch eine Woche nach der großen Spendenaktion auf dem Wochenmarkt. Die ehrenamtlich Engagierte ist seit fast zwei Jahren in der Flüchtlingshilfe aktiv und hatte für Heiligabend dazu aufgerufen, ihr zum Stand auf den Wochenmarkt Spenden für die Flüchtlinge im Lindenbruchredder zu bringen, damit sie im Anschluss schöne Weihnachtskisten packen und mit den Bewohnern aller Baracken Weihnachten feiern kann (wir berichteten). „Als ich zum Markt fuhr, war ich gespannt. Als ich nach Hause fuhr, war ich überwältigt“, sagt sie und zeigt auf ihre Gänsehaut am Arm.

Tütenweise haben die Menschen hochwertige Apfelsinen, Mandarinen, Feigen, Datteln, Schokolade und die bei den Syrern begehrten, aber für ihr Budget oft zu teuren Granatäpfel an den Stand gebracht – darunter viele schön verpackte und selbstgemachte Dinge. „Es war der absolute Wahnsinn. Nach einer Stunde waren die zehn Kisten eigentlich schon voll, doch die Menschen kamen weiter und fragten, was wir brauchen fürs Fest und kauften es kurzerhand ein.“ Besonders berührt habe sie, dass viele ältere gekommen seien, die kaum gehen konnten, aber ihr zu verstehen gaben, dass sie für diese Aktion dankbar sind. „In Gesprächen und Gesten kam immer wieder das große Danke der Menschen. Ich hatte ganz oft das Gefühl, dass viele helfen wollen, aber einfach nicht wissen, wie sie das können“, sagt Tanja Müller. Für sie steht schon jetzt fest: „Das machen wir wieder.“

Sie habe zwei Autos gebraucht, um alles abzutransportieren, was ihr die Menschen auf dem Wochenmarkt mitgaben, selbst die Tafel schenkte noch übrig gebliebene Lebensmittel. „Wir haben das in meiner Garage sortiert, einzeln verpackt und dann in den Lindenbruchredder gebracht, wo sich alle sehr gefreut haben.“ Wir, das war sie und Shihar (30), einer ihrer syrischen Männer, für die sie die Patenschaft übernommen hatte. Die Menschen im Lindenbruchredder hätten erstaunt geschaut und seien sprachlos gewesen, als sie ihnen erklärt habe, dass alles von Eutinern gespendet worden sei. „Die waren alle sehr gerührt und glücklich und sagten, ‚Danke Eutin, Danke Deutschland‘“.

Am Abend gabe es „ein rauschendes Fest“ gegeben: „Wir, also andere ehrenamtliche Deutsche, feierten gemeinsam mit Menschen aus Syrien, Jemen und dem Irak. Das war das schönste Weihnachtsfest seit langem für mich“, sagt Tanja Müller. Möglich geworden sei dieses Fest nicht durch die Sachspenden, sondern durch 400 Euro, die Menschen auf dem Wochenmarkt zusätzlich in ein Sparschwein für die Flüchtlinge gesteckt hätten.

Tanja Müller hatte so viele Spenden bekommen, dass sie jeden Tag bis Silvester 14 Uhr nahezu alle Flüchtlingsfamilien und Alleinlebende vom Redderkrug bis Neudorf besuchen und beschenken konnte. Nicht zuletzt dabei habe sie gemerkt, wie groß der Wunsch nach Kontakt der Menschen sei. Müller: „Allein kann ich das alles gar nicht schaffen, aber wer mich unterstützen möchte, eine Wohnung oder einen Praktikumsplatz im Angebot hat oder einfach nur Kontakt mit den Menschen knüpfen möchte, kann sich gern bei mir melden.“


Kontakt: Tanja Müller hat die Telefonnummer 04521/5466.

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