Tanja Dietrich: „G8 tat uns gut“

Seit 2004 arbeitet Tanja Dietrich am Voß-Gymnasium. Fürs Foto setzte sich die Studiendirektorin ins Grüne Klassenzimmer.
Seit 2004 arbeitet Tanja Dietrich am Voß-Gymnasium. Fürs Foto setzte sich die Studiendirektorin ins Grüne Klassenzimmer.

Die neue Leiterin der Johann-Heinrich-Voß-Schule in Eutin spricht vor Schulbeginn über Vorzüge, Veränderungen und Vorlieben

shz.de von
15. August 2018, 16:00 Uhr

Ihr Gymnasium wird zum Schuljahr 2019/20 zu G9 zurückkehren. Hat Ihnen die verkürzte Schuldauer G8 nicht gefallen?

Für uns war der Wechsel zu G8 gut, weil wir viel über Strukturen nachgedacht haben. Wir haben die Rhythmisierung verändert und unterrichten seitdem hauptsächlich 90 statt 45 Minuten. Die Doppelstunden haben den Unterrichtsalltag sehr entschleunigt. Unterrichtsinhalte können vertieft werden und der Umsatz an zwischenmenschlichen Kontakten wird geringer, was den Stress vor allem bei den Schülern herausnimmt. Außerdem haben wir die Fachcurricula, das sind die früheren Lehrpläne, verschlankt. Von daher kann ich nur sagen: G8 ist sowohl der Unterrichtsgestaltung als auch dem Schulleben gut bekommen. Doch mit G9 – wie es die Schulkonferenz beschloss – gewinnen wir mehr Zeit.

Was machen Sie mit dem Mehr an Zeit, G9 gilt ja für die 5. Klassen ab dem übernächsten Schuljahr?

Wenn im nächsten Jahr wieder G9 kommt, werden wir nicht den alten Ballast aufnehmen, sondern die gewonnene Zeit für Zusätzliches nutzen. Das betrifft übrigens auch die dann 6. Klassen, die in diesem Jahr noch als G8er beginnen werden.

Welche Veränderungen haben Sie in nächster Zeit vor?

Ich gestalte die Schulentwicklung ja schon lange mit, von daher geht es eher um Kontinuität. So setzten wir unser Raumkonzept im dritten Jahr um. Die Räume werden im Rahmen unseres Schulprogramms angepasst. Seit einigen Jahren statten wir die Klassenzimmer mit Smartboards statt Tafeln aus, wechseln bereits zu Displays, die auch von Schüler-Geräten aus genutzt werden können. Auch das Außengelände wird attraktiver. Gerade ist das ‚Grüne Klassenzimmer‘ mit Holztischen und -bänken im Freien entstanden. Vor der Mensa wollen wir mit zwei Sonnensegeln den Sitzbereich aufwerten, auch ein weiterer Schulhof bekommt neue Sitzmöbel. Noch nicht so weit gediehen sind die Pläne für einen Sozialraum, einen für die Sozialpädagogik und zusätzliche Räume für unsere Inklusionskinder, wie ein kleine Schulküche. Ich habe vor, im nächsten Jahr einen Schulsozialhund einzusetzen, doch darüber entscheiden noch die Gremien.

Wird es auch im Unterricht Veränderungen geben?

Die Unterrichtsentwicklung ist ein Dauerthema. Es ist wichtig, dass wir guten Unterricht anbieten und das tun wir. Wir prüfen das jährlich. Die Kollegen bilden sich regelmäßig weiter. Das ist nötig, weil die Heterogenität bei der Leistungsfähigkeit und dem Sozialverhalten zugenommen hat. So ist Autismusspektrumsstörung ein Thema – außerhalb der Inklusionsklasse, zu der vier Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen gehören. In Eutin ist die Heterogenität jedoch noch überschaubar, im Gegensatz zu einigen Großstadtvierteln.

Sind die Schüler heute anders als vor 15 Jahren?

Die Kinder sind anders, weil sie in einer anderen Welt groß geworden und anders sozialisiert worden sind. Die früher noch typische Kernfamilie nimmt ab, und die sozialen Medien spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Die Kinder sind aber keineswegs schwieriger geworden. Veränderungen machen wir bei der Motorik aus. Die Kinder schreiben langsamer und bewegen sich weniger. Es werden immer mehr Kinder direkt vor die Schultür gefahren. In meiner Schulzeit war es üblich, 20 bis 30 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zurückzulegen.

Wünschen Sie sich etwas?

Einen hypothetischen Wunsch habe ich. Auch wenn viele Studien sagen, dass die Effektivität des Unterrichts nicht mit der Klassengröße zusammenhänge, wünsche ich persönlich mir doch einen besseren Betreuungsschlüssel. Kleinere Klassen sind meiner Meinung nach für alle Beteiligten angenehmer. Und ich hätte als Lehrkraft gerne mehr Zeit für die Kinder und die Unterrichtsvorbereitung.

Derzeit sind mögliche Winterferien Gesprächsstoff, was halten Sie davon?

Dazu kann ich Ihnen nur meine private Meinung sagen: Ich persönlich glaube, dass eine kürzere Zeitspanne zwischen Winter- und Frühjahrsferien sowohl den Kindern als auch den Lehrkräften guttun würde. Vor den Sommerferien gibt es oft Feiertage, da könnte es ruhig mehr Unterrichtskontinuität geben. Aber von Januar bis April sind es oft bis zu 13 Wochen ohne Pause mit witterungsbedingten Erkrankungen, da wären frühere Ferien hilfreich. Das Wetter-Argument finde ich nicht überzeugend. Wer nicht in die Sonne fliegen kann oder will, dem stehen örtlich sowohl kulturelle Angebote wie Museen und Ausstellungen als auch sportliche Indoor-Angebote wie Klettern und Schwimmen zur Verfügung. Manchmal ist das Wetter im März sogar schöner als im April.

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