Szenen aus dem Hause Luther

Angela Bertram im Kostüm als Katharina von Bora für ihr Stück „Szenen aus dem Hause Luther“.
Angela Bertram im Kostüm als Katharina von Bora für ihr Stück „Szenen aus dem Hause Luther“.

Neustadt: Gottesdienst, Hausbesuche und ein Theaterstück in der Stadtkirche zum Reformationstag

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22. Oktober 2018, 17:58 Uhr

Am Reformationstag, der am kommenden Mittwoch, 31. Oktober, gefeiert wird, weist der Kirchenkreis Ostholstein auf eine Reihe von Aktionen in Neustadt hin. Am Morgen wird Propst Dirk Süssenbach in der Stadtkirche um 10.30 Uhr den Gottesdienst mit der Gemeinde feiern. Ab 14 Uhr heißt es dann: „Wenn Familie Luther an die Haustür kommt.“ Kinder, Eltern und Betreuer werden als Katharina von Bora, Martin Luther und in anderen mittelalterlichen Kostümen singend von Tür zu Tür ziehen und einen Segen sprechen. Auch einige Pflege-Einrichtungen werden besucht. Es werden noch Anmeldungen unter Telefon 04561/6333 entgegengenommen.

Am Abend des Reformationstags, der in Schleswig-Holstein ab diesem Jahr als regulärer gesetzlicher Feiertag begangen wird, erzählt außerdem Angela Bertram alias Katharina von Bora in der Stadtkirche ab 19.30 Uhr einige „Szenen aus dem Hause Luther“. Als Vorlage für das von Musik begleitete rund dreißigminütige Einpersonenstück diente ein Buch der Autorin Christine Brückner („Wenn du geredet hättest, Desdemona: Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“). Angela Bertram spielt das Stück schon seit einigen Jahren immer mal wieder. Wenn sie nicht gerade mit einer anderen Produktion im kleinen privaten „Theater im Stall“ im Örtchen Horst bei Mölln auf der Bühne steht oder dort Regie bei einer seit Jahrzehnten bestehenden Amateurtruppe führt. Wer den gepflegten Resthof sieht, in dem sich das Theater befindet, fühlt sich fast schon in die Zeit Luthers zurückversetzt. Nicht allein des alten Hofes wegen, sondern weil hier oft viele Menschen ein und aus gehen, so wie bei Luther damals. Der hatte nicht nur fünf eigene Kinder, sondern darüber hinaus noch elf verwaiste Kinder bei sich aufgenommen. Hinzu kamen zwei verwitwete Anverwandte und immer wieder einige Studiosi. „Das waren oft über 30 Menschen insgesamt. Und für die musste immer das Essen zubereitet werden“, erzählte Bertram, die sich intensiv mit der Biografie des Reformators – und auch der seiner Frau Katharina – auseinander gesetzt hat. „Alles was ihr bei der Hausarbeit so durch den Kopf geht, das äußert sie in dem Stück“, erläuterte Bertram. Und wie heute gab es vor 500 Jahren natürlich viele Geldsorgen. Denn bewirtet wurden viele Menschen, doch gezahlt hat kaum jemand. Und Luther selbst schrieb zwar viele seiner Gedanken auf und gab sie in Druck, doch Geld verdiente er damit nicht. „Luther war kein guter Geschäftsmann“, sagte Bertram. Es sei Katharina von Bora gewesen, die immer dafür sorgen musste, das auch mal Geld ins Haus kam.

Bertram sieht Katharina als eine Frau, die sich oft überfordert und manchmal unterschätzt fühlte und sich immer wieder um gegenseitige Wahrnehmung und Anerkennung in dieser Ehe bemühte. „Sie erdet Luther sehr, der immer in anderen Sphären lebte“, so Bertram. „Er hat gesagt, wie man sich Gott gegenüber verhalten soll, aber er selbst hat für sich oft gezweifelt. Er war kritisch, sich selbst und dem Glauben gegenüber“, erläuterte sie. „Du haderst mit Gott, aber in Wahrheit haderst du mit dir selbst“, so drückte es ihre Katharina von Bora aus. Und sie hält Martin Luther den Spiegel vor, verlangt, dass er auch lebt, worüber er schreibt. Doch bei aller Kritik, Angela Bertram hat einen Charakterzug bei von Bora ausgemacht, den sie sehr schätzt und das ist die Integrität: „Er wird nie vorgeführt. Sie verrät ihn nie.“

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