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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 12:29 Uhr

Synodale versöhnt mit der Fusion

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Kirchenkreis Ostholstein hat sich zusammengerauft. Die Ablehnung des Zusammenschlusses von 2009 scheint überwunden

Als sich die Kirchenkreise Eutin und Oldenburg im Mai 2009 zusammenschließen, scheint der neue Kirchenkreis Ostholstein angesichts immenser innerer Widerstände gegen diese Fusion vor einer Herkulesaufgabe zu stehen. Besonders der Kirchenkreis Oldenburg kämpft bis zum Schluss gegen den Zusammenschluss. Das Ziel der „inneren Fusion“, das sich die Kirche in Ostholstein im Dezember 2010 neben dem Ziel „Kirche entwickeln“ auf die Fahne schreibt, liegt in weiter Ferne.

Gute fünf Jahre später beschäftigt sich die Kirchenkreissynode im Pansdorfer Gemeindehaus erneut mit den beiden Themen, und die Fusionsskepsis ist offenbar nachhaltig verflogen. Diesen Eindruck vermitteln jedenfalls Präses Dr. Peter Wendt und die beiden Pröpste Peter Barz (Eutin) und Dirk Süssenbach (Neustadt) vor Beginn der Synode bei einem Pressegespräch.

Auf einer Skala von 1 bis 10 sollen die Synodalen wenig später bewerten, wie weit die innere Fusion ihrer Auffassung nach gekommen ist. Etwas verschmitzt erklärt Peter Barz, welchen Wert er selbst ansetzen würde: „Im Pröpsteteam 9,5. Zehn wäre ja vermessen“, sagt der Propst, der wie sein Amtskollege erst seit 2014 im Amt ist. Im guten Verhältnis der beiden Pröpste untereinander dürfte auch ein Grund für eine gute Stimmung im gesamten Kirchenkreis zu suchen sein. Dirk Süssenbach spricht von einem „bewusst partnerschaftlichen Stil“ der Zusammenarbeit. „Das überträgt sich auf die Kirchengemeinden.“

Dass beide Pröpste neu ins Amt gekommen seien, habe die innere Fusion beflügelt, sagt Süssenbach, doch er nennt ganz ehrlich noch einen anderen Faktor: eine erfreuliche Entwicklung der Kirchensteuern, die Verteilungskämpfe verhindert habe. „Ich glaube, das hat das Zusammenwachsen beschleunigt.“ Kürzlich habe ein ursprünglich sehr kritisch eingestelltes Mitglied des Kirchenkreisrats aus der Propstei Oldenburg ihm gestanden: „Ach, am Ende ist ja doch viel Gutes dabei rausgekommen.“

Peter Wendt unterstreicht: „Wir haben uns in langwierigen Prozessen zusammengerauft.“ Es blieben zwar unterschiedliche Stellungnahmen zu bestimmten Themen, sagt Barz. Doch: Man stehe sich nicht mehr im Kampf gegenüber, sondern es gehe um die Sache. „Dass unterschiedliche Kulturen und Theologien in Kontakt und ins Gespräch kommen, ist schon meine Wahrnehmung.“

Bei einem Wert von „acht“ sieht Barz die innere Fusion im gesamten Kirchenkreis. Ganz so optimistisch sind die 72 anwesenden Synodalen dann doch nicht. Der Mittelwert bei den sechs Fragen liegt bei 6,1. Immerhin: Die Kernfrage, ob der formalen Fusion die innere Fusion gefolgt sei, bewerten die Synodalen mit 6,8. Für Peter Barz trotzdem ein gutes Ergebnis, das für eine geglückte Fusion spreche. Vor drei oder fünf Jahren wäre das Ergebnis deutlich schlechter ausgefallen, ist Barz überzeugt.

Mehr Handlungsbedarf sieht die Synode allerdings beim Thema „Kirche entwickeln“. Bei den acht Fragen liegt der Schnitt bei 5,3. Die größten Defizite werden etwa gesehen beim Erschließen neuer Einnahmequellen (3,0), dem Gewinnen von Menschen (4,7) und einer Ausrichtung auf den wirtschaftlichen und demografischen Wandel (5,0).

Wenn die Synode im nächsten Jahr neu gewählt wird, könnte die Zahl ihrer Mitglieder sinken. Bislang sind es 88 Synodale. Nun soll eine Arbeitsgruppe darüber beraten, wie viele Mitglieder es künftig sein sollen. Präses Peter Wendt kann sich eine Reduzierung auf 66 Synodale vorstellen, dann könnten weiterhin alle 36 Kirchengemeinden vertreten sein und es gäbe organisatorische und finanzielle Vorteile.

Weiteres Thema der Synode sind die Verträge des Kindertagesstättenwerks des Kirchenkreises mit der Stadt Eutin für den geplanten Neubau der Kita am Dr.-Wittern-Gang. Der Erwerb eines Grundstücks für den Bau des neuen Stadtkindergartens sowie der Neubau einschließlich der geplanten Finanzierung werden mit großer Mehrheit gebilligt. Insgesamt kostet das Vorhaben drei Millionen Euro, von denen der Kirchenkreis zwei Millionen über einen Kredit finanziert. Weitere 800  000 Euro kommen von der Stadt Eutin, 200  000 Euro von der Kirche. Die Kosten würden für die Eltern zu einem moderaten Anstieg der Kita-Gebühren führen, erklärt Verwaltungsleiter Werner Koglin. Damit erfülle die Kirche gesetzliche Vorgaben. Eine Sanierung der bestehenden Kita wäre nach seinen Worten noch teurer geworden.

Die Wogen zu glätten versucht Barz beim Thema Namensgebung für die neue Kita. Dass für den Bischof-Wilhelm-Kieckbusch-Kindergarten ein neuer Name gesucht werde, habe zum einen mit dem Wunsch nach einem kindgerechten Namen zu tun. Der andere Grund sei, dass dieser mit der Kita am Kamp zusammengeführt werde. Mit einem neuen Namen solle deutlich gemacht werden, dass nicht eine Kita von der anderen geschluckt werde, sondern dass es hier um einen Zusammenschluss gehe. Wie eine Fusion erfolgreich zu bewältigen ist, hat der Kirchenkreis ja gerade gezeigt.

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von
erstellt am 07.Mär.2016 | 17:32 Uhr

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