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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 14:49 Uhr

Symbol für Schönheit und Treue

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Höckerschwan – ein Star aus Musik und Literatur / Ein Schwanenleben konnte in früheren Zeiten dramatisch kurz sein

Er rauschte durch alle Götterhimmel und lieh den christlichen Engeln die Flügel. Und die skandalöse Affäre des mächtigen Gottes Zeus in Schwanengestalt mit der Tochter Leda des Königs Thestios wurde das Lieblingsmotiv ganzer Malergenerationen.

Es ist die Rede von unserem Höckerschwan, der in der Geschichte durch göttliche Landschaften und Epochen flog – weiß, formvollendet, dynamisch, elegant. Schwäne galten früher als Symbol der Reinheit – ihr Gefieder wird nach dem ersten Jugendjahr immer weißer, so dass sogar die Reinheit der Jungfrau Maria durch diese Vogelart symbolisiert werden durfte. Es ist zu vermuten, dass die sogenannten „immutabilis-Mutanten“ – rein weiße statt graue Jungvögel – züchterischen Ursprungs sind, um dieser mystischen Reinheit noch näher zu kommen. Auch galten zeitweise weiße Schwanenhäute im Verkauf als besonders wertvoll. In Belgien versicherte man sich der Treue der Zukünftigen, indem man den ihr vorbestimmten Ehering in ein Schwanengelege platzierte, und so, nebst dem eigenen, eine Zeitlang bebrüten ließ. Möglicherweise steckte hinter diesem Brauch das Wissen um die lebenslange Treue unter Höckerschwänen.

Dabei konnte ein Schwanenleben in früheren Zeiten dramatisch kurz sein. Die Federn (Daunen) waren sehr beliebt, und man konnte die Vögel in der Mauser, wenn sie einen ganzen Monat flugunfähig sind, fangen und töten. Höckerschwäne sollen wegen ihrer vegetarischen Ernährung ausgesprochen gut schmecken – besonders junge Exemplare. An den Küsten gehörte das „Schwanenschlagen“ in den vergangenen Jahrhunderten fest zum Jahresablauf wie Frühjahrsaussaat und die Entenjagd im Herbst.

Ein Versuch der Hotellerie auf Rügen, den Schwan auf ihre Speisenkarte zu bringen, scheiterte vor wenigen Jahren am öffentlichen Protest. Leider unterliegt der Höckerschwan in Mecklenburg-Vorpommern im Gegensatz zu Schleswig-Holstein noch immer einer Jagdzeit. Der Bestand der einstmals fürstlichen Parkvögel hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg gut erholt, nachdem sie in der damaligen Not der unmittelbaren Nachkriegszeit sogar dem Verzehr gedient hatten. Mancherorts sind die Großvögel schon zu einer vermeintlichen Plage geworden. Wo sie regelmäßig gefüttert werden, überdüngt ihr Kot mit dem anderer Wasservögel Kleingewässer. Auch können landwirtschaftliche Nutzflächen durch den Verbiss der Tiere und ihre Trittschäden erhebliche Ertragseinbußen erleiden.

Professor Karl Knortz, der von 1841 bis 1918 lebte und als 22-Jähriger in die USA auswanderte, um im Lehrerberuf tätig sein und um über das Deutschtum in den Staaten und über Märchen der nordamerikanischen Indianer zu schreiben. Er hatte sich auch über mystisch vogelkundliche Themen ausgelassen. So schreibt er noch in seiner Heimat, dass die Vorstellung, der Weißstorch bringe die Kinder, auf Rügen nicht die ursprüngliche Meinung sei. Weit älter sei die Anschauung, dass der Schwan die kleinen Kinder bringe, wie denn auch noch jetzt die Neugeborenen „Schwanskinder“ genannt werden. Ferner macht man auch einen Unterschied, indem man sagt, dass im Winter die kleinen Kinder vom Schwan und im Sommer vom Storch gebracht werden. Die großen Granitblöcke, die an der Küste von Jasmund zerstreut liegen, werden von den Bewohnern des Dorfes Sassnitz „Schwansteine“ genannt – in denen verschlossen die „Schwanskinder“ lägen.

Man spricht von einem „Schwanengesang“, wenn ein Bühnenstar seinen letzten Auftritt feiert, und dies, obwohl uns nicht bekannt ist, dass der Schwan überhaupt singen kann. Aber man kann bereits bei Aristoteles nachlesen, dass Schwäne, den Tod vor Augen, noch einmal „lieblich singen“ – man fragt sich nur, wieso gerade dann..?

Weitere Infos finden Interessierte unter www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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von
erstellt am 18.Nov.2014 | 13:14 Uhr

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