Feuerwehr-Spezial : Super beliebt zwar, aber nicht sorgenfrei

Kreiswehrführer Ralf Thomsen
Kreiswehrführer Ralf Thomsen

Die Freiwilligen Feuerwehren bangen wegen Mitgliederschwunds um die Zukunft.

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26. Oktober 2012, 12:55 Uhr

Lensahn | Bei allen Beliebtheitsumfragen ist ihnen der erste Platz sicher: Feuerwehrleute haben in der Bevölkerung ein enormes Ansehen. Und trotzdem ist der Horizont der Freiwilligen Feuerwehren düster: Die Mitgliederzahlen sinken. In den Dörfern herrscht besonders tagsüber Personalmangel. Und die für Brandschutz zuständigen Kommunen treten angesichts ihrer Finanznot immer mehr auf die Bremse, wenn es um die Ausstattung der Wehren geht.
"Haben wir zu lange weggeschaut und nicht bemerkt, dass die Welt um uns herum sich verändert hat?", fragt Ralf Thomsen. Für den Kreiswehrführer in Ostholstein und stellvertretenden Landesbrandmeister ist klar: "Die sinkenden Mitgliederzahlen, der demografische Wandel, die veränderte Arbeitswelt und die leeren Kassen lassen nur einen Schluss zu: Ein ,Weiter so´ gibt es nicht." Das Ehrenamt verliere leider immer mehr an Bedeutung in der Gesellschaft, konstatiert Thomsen weiter. "Es fehlt an Verantwortungsbewusstsein und der Einsicht, in der Freizeit uneigennützig und ehrenamtlich in der Gesellschaft zu helfen."
Informationsgrad über tatsächliche Aufgaben ist gering
Die Mitgliedergewinnung sei schwierig. Der Nachwuchs komme aus der Jugendwehr. Die müsse folglich auch weiterhin als Investition für die Zukunft im Vordergrund stehen.
Zum Manko der Feuerwehren zähle, dass der Informationsgrad in der Öffentlichkeit über die tatsächlichen Aufgaben von Feuerwehrleuten nur sehr gering sei. "Im privaten Umfeld eines Feuerwehraktiven sind es vielleicht vier Personen, die wirklich wissen, was ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr geleistet wird."
Oft nur ein "heldenhaftes Bild" der Einsatzkräfte
Alle anderen Menschen hätten haben nur "ein heldenhaftes Bild" von Feuerwehrleuten. Wahrgenommen werde in der Bevölkerung natürlich das "Kulturprogramm" für die Dörfer, ob Sommerfest, Skat- und Würfelabend oder Grillabend. Aber das "Kerngeschäft" der Wehren sei "Retten, Löschen, Bergen und Schützen". Thomsen: "Wir sind die Säule der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr und tragen somit eine große Verantwortung in der Gesellschaft. Aber denken wir an die 94 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Die haben nur diese zwei Bilder im Kopf: Höchste Anerkennung und lokaler ,Kulturverein´".
Dabei sei Feuerwehr eine Marke: Die gleiche Telefonnummer, die gleichen roten Autos, und im Einsatz werde allen Menschen ehrenamtlich geholfen. Thomsen: "Wir werden immer als eine Einheit wahrgenommen. Ob wir es wollen oder nicht – es gibt keine zwei Klassen Feuerwehren in Deutschland."
"Jeden Tag meistern die Mitglieder unbekannte Situationen"
Trotz der absehbaren Herausforderungen sei er aber auch optimistisch, betont Thomsen: "Es gibt für mich keine vergleichbare Institution in Deutschland, die mit dieser Ausgangslage besser fertig werden könnte als die Freiwilligen Feuerwehren. Jeden Tag meistern ihre Mitglieder neue, unbekannte Situationen und sie hören nicht eher auf, bis das Feuer gelöscht ist oder eine Lösung gefunden wurde."
Diese Leistungsbereitschaft, dieses Können und der Einsatzwillen seien täglicher Beleg dafür, dass es zu einem flächendeckenden Feuerwehrwesen keine Alternative gebe. Und sie böten die Voraussetzung dafür, dieses Feuerwehrwesen auch in der Zukunft unter veränderten Bedingungen zu sichern.

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