Süsel und Eutin wenig begeistert über Ausgleichsflächen

Ausgleichsflächen zwischen Süsel und Gothendorf: Grüne Flächen stehen unter Naturschutz, rote Linie zeigen vorgeschlagenen Erweiterungen. Den Gemeindevertretern ist das zu viel.
Ausgleichsflächen zwischen Süsel und Gothendorf: Grüne Flächen stehen unter Naturschutz, rote Linie zeigen vorgeschlagenen Erweiterungen. Den Gemeindevertretern ist das zu viel.

shz.de von
07. März 2017, 11:12 Uhr

Auf rund 700 Hektar wird der Flächenbedarf für den Bau der neuen Bahnlinie und der 380-kV-Stromleitung in Ostholstein geschätzt. Etwa die gleiche Hektarmenge muss zum Ausgleich der Natur überlassen werden. Bei der Suche nach Flächen, die dafür geeignet sind, löst der Kreis bei den betroffenen Kommunen aber nicht nur Begeisterung aus. Sowohl im Eutiner Stadtentwicklungsausschuss als auch in Planungsausschuss der Gemeinde Süsel wurden Pläne, in denen der Kreis im Zug des Projektes Ausgleichsflächenmanagement potenzielle Flächen eingezeichnet hat, mit großer Skepsis betrachtet.

Süsel will, das war Ergebnis der Beratung, in Kürze eine dezidierte Stellungnahme erarbeiten und dabei, wie die Beiträge in der Ausschuss-Sitzung andeuteten, eine Reihe von Flächen nicht dem Naturschutz überlassen. Begründung in allen Fällen: Viele potenzielle Flächen reichen direkt an Dörfer heran und würden deren Entwicklungsmöglichkeiten in absehbarer Zukunft einschränken. Der Lübecker Ingenieur Raimund Weidlich, der die Gemeinde Süsel wie auch die Stadt Eutin berät, empfahl den Süselern, besonders in der Nähe von Siedlungen auf eine Verringerung von potenziellen Flächen zu drängen.

Die Gemeinde Süsel habe ohnehin – nicht zuletzt durch Schwartautal und Wasserflächen – eine hohe Zahl an Naturschutzflächen. Aus der Sicht der Naturschutzbehörde könne er natürlich verstehen, wenn vorhandene Schutzgebiete einfach erweitert würden, aber der Kommune drohe eine weitere Beschränkung ihres Handlungsraumes.

Zurückhaltung prägte auch einhellig die Reaktion der Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses in Eutin in der vergangenen Woche: Sie einigten sich darauf, „lieber erst einmal weniger zu melden“. Der Ausschussvorsitzende Heiko Godow (CDU) machte deutlich: „Städte wie Eutin werden sich weiter entwickeln. Und ich habe als Eutiner ein Problem damit, Flächen herzugeben, die für ein Projekt ganz woanders benötigt werden.“ Die Gefahr bestehe darin, dass sonst riesige Brachflächen entstehen, wenn Flächen für den Ausgleich von Großprojekten gekauft werden.

Heinz Lange (FWE) pflichtete dem bei: „Für überregionale Großprojekte den Entwicklungsraum der Zukunft zu verbauen, halte ich für sträflich.“ Bauamtsleiter Bernd Rubelt erklärte: „Investitionen in Natur und Landschaft sind nicht nur negativ. Aber Sie können sich entscheiden, weniger zu melden und später bei Bedarf nacharbeiten.“ Monika Obieray (Grüne) stellte in Frage, dass die Ausgleichsflächen, die Ostholstein habe, überhaupt für die Großprojekte ausreichend seien: „Da gibt es einen riesigen Bedarf. Wir wollen nicht, dass die guten Flächen weggekauft werden.“

In die Diskussion brachte Raimund Weidlich eine möglicherweise geeignete Ausgleichsfläche unweit des Nücheler Grabens und Sibbersdorf. Der Ausschuss stimmte dafür, diese Fläche deutlich verkleinert zu melden, um möglichen Erweiterungen mit Bauland nicht im Wege zu stehen.

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