Süsel hat beim Finanzausgleich verloren

Für ihre sozialen Verdienste wurden (von links) Ingrid Weißhorn, Brigitte Maas und Rita Schliephake durch Bürgermeister Holger Reinholdt ausgezeichnet.
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Für ihre sozialen Verdienste wurden (von links) Ingrid Weißhorn, Brigitte Maas und Rita Schliephake durch Bürgermeister Holger Reinholdt ausgezeichnet.

Gut 100 Gäste beim Neujahrsempfang in Ottendorf / Bürgermeister Reinholdt: Finanzschwache Gemeinde bekommt künftig noch 11 000 Euro weniger

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11. Januar 2015, 13:52 Uhr

Die Gemeinde Süsel gehört zu den Verlierern beim neuen Finanzausgleich des Landes. Ihre ohnehin unzureichenden Mittel sind noch gekürzt worden. Die kommunale Kassenlage, die Willkommenskultur für Flüchtlingen sowie Konsequenzen aus den jüngsten Anschlägen in Frankreich waren herausragende Themen beim Neujahrsempfang der Gemeinde Süsel, zu dem Sonnabend gut 100 Menschen in das Ottendorfer DGV-Heim gekommen waren.

Bürgermeister Holger Reinholdt erinnerte an Fehlbeträge in den Vorjahren in Höhe von 644  000 im Jahr 2013 und 380  000 im vergangenen Jahr, dieses Jahr werde mit eine Minus von 242  000 gerechnet. Beim neuen Finanzausgleich sei eine Verringerung der Zuwendungen um 11  000 Euro herausgekommen. Während Eutin rund 865  000 Euro und damit pro Einwohner gut 50 Euro mehr erwarten könne, seien die Zuweisungen für Süsel um zwei Euro pro Kopf reduziert worden.

Hinzu kämen wachsende Ausgaben wie eine erhöhte Kreisumlage oder neue Forderungen des Kreises für Schüler, die Förderzentren besuchen, von jährlich 80  000 Euro. Reinholdt: „Die Mittelkürzung bei den Kreisen führt zu einer Überforderung der Kommunen, weil sich der Kreis das Geld von den Gemeinden holt.“ Auf 95 Prozent der Ausgaben habe die Gemeindevertretung keinen Einfluss mehr, um den Rest werde hart gerungen, das sei frustrierend.

Trotzdem bleibe Süsel eine lebenswerte Gemeinde, mit ausreichend Plätzen in Kindergarten und Krippen, mit Offener Ganztagsschule und Jugendzentrum, mit großem ehrenamtlichen Engagement. In diesem Jahr stehe Geld für ein neues Feuerwehrhaus in Röbel bereit, außerdem solle Süsel ein neues Löschfahrzeug bekommen. 450  000 Euro stelle die Gemeinde für ein Glasfasernetz im Ort Süsel bereit.

Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz pflichtete Reinholdt bei, dass die Kommunen nicht genug Geld erhielten, warb zugleich für einen regionalen Schulterschluss. Und er forderte die Vereine der Region dazu auf, sich an der Programmgestaltung der Landesgartenschau zu beteiligen, wie es die Imker zum Beispiel schon vormachten.

Großes ehrenamtliches Engagement bei der Betreuung von Flüchtlingen erwähnten die Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) und die Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen (Grüne). Fritzen verteidigte darüber hinaus den neuen Finanzausgleich als eine der größten Herausforderungen, der sich die Landesregierung gestellt habe. Dabei sei unmöglich gewesen, nur Gewinner zu schaffen. Süsel gehöre nur zu drei oder vier Gemeinden im Kreis, die weniger Geld erhielten. Und im Gesetz sei festgeschrieben, dass es in vier Jahren eine Überprüfung und bei Bedarf auch Korrektur gebe.

Die Attentate in Paris böten Anlass, sich klarzumachen, wie wichtig Toleranz und Meinungsfreiheit seien, sagte Ralph de Paoli, Leiter der Polizeistation Süsel. Beides sei nicht selbstverständlich, sondern von Menschen erkämpft worden und müsse immer wieder verteidigt werden. Süsels Pastor Matthias Hieber stellte das Bibelzitat „Nehmet einander an“ in das Zentrum seines Schlusswortes. Es sei angesichts der aktuellen Entwicklungen hoch aktuell.

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