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Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 10:11 Uhr

Südsee-Schatz aus der Kaiserzeit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Universität übergibt exotische Sammlung an das Kieler Stadtmuseum / Uni und Landeshauptstadt kooperieren wissenschaftlich

von
erstellt am 14.Sep.2014 | 20:25 Uhr

Die Augen bestehen aus Muscheldeckeln. Damit sollten die Toten „lebendig“ gehalten werden. Der Schopf – ein rotbraun leuchtendes wolliges Binsen-Haar. Kunstvoll bemalt ist die Tanz-Maske, die bei Totenfesten ihren Auftritt hatte und viele Blicke auf sich ziehen wird. Sie ist eines von 800 Exponaten der ethnologischen Südseesammlung, die das Stadtmuseum Warleberger Hof von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) geschenkt bekommen hat – als Dauerleihgabe. Stadt und Uni haben dies jetzt mit einer Vertragsunterschrift besiegelt.

„Ich wusste, dass die Uni exotisch ist. Aber so...das ist wirklich ein Schatz“ – CAU-Präsident Professor Lutz Kipp zeigte sich beeindruckt von der Sammlung, die im städtischen Museumsdepot im Wissenschaftspark unterkommt. Dazu gehören Bestände an Waffen, mit Haifischzähnen zu grausamen Instrumenten verarbeitet. Geräte sind darunter und Muschelschmuck, Kleidung, Schnitzereien, Bootsmodelle und erwähnte Masken. Stücke wie die Enten-Maske aus Papier, die wie ein riesiger Vorläufer von Donald Duck anmutet.

Viele Exponate sind Souvenirs von Kieler Marineangehörigen, die Ende des 19. Jahrhunderts zu Handels- und Militärexpeditionen in die Südsee aufgebrochen waren – Pazifik-Inseln wie Neuirland, die heute zu Papua-Neuguinea zählen. Die Stücke sollen als Zeugnisse der Kieler Marinegeschichte gemeinsam erforscht und teilweise im Warleberger Hof präsentiert werden. Eine gelungene Verknüpfung städtischer und universitärer Interessen.

Bevor die Toten-Masken der Öffentlichkeit präsentiert werden, müssen sie mit Stickstoff behandelt werden. Ungeziefer könnte sich im Schopf breit gemacht haben. Mehr als 50 Jahre lang fristete die Sammlung im Zoologischen Museum in Kiel ein trauriges Keller-Dasein. Überhitzte Räume, unbelüftet. So beschrieb es Museumsdirektor Prof. Wolfgang Dreyer. Auch die Präsentation war nicht mehr zeitgemäß. Dreyer: „Dann kam die große Chance“ – und meint die Übergabe an die Stadt. Auch der Kieler OB Ulf Kämpfer betonte: „Skurrilitäten-Kabinett reicht heute nicht mehr.“ Auch deshalb sei er gespannt, „was wir als Beschenkte damit machen“. Einen ersten Eindruck wird es vom 28. September an im Warleberger Hof geben. Unter dem Titel „Die Kieler Südseesammlung und die Kaiserliche Marine. Neue Fragestellungen an die deutsche Kolonialgeschichte (1884 – 1914)“ führt die Ausstellung in die Geschichte der „deutschen Südsee“ ein und fragt nach der Rolle der Marine, die dort bis 1914 aktiv, aber nie stationiert war. „Hier verbindet sich die Exotik der Südsee mit der Regionalgeschichte Kiels auf faszinierende Weise“ – da sind sich alle einig.

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