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Fracking : Suche nach Erdgas betrifft auch Eutin

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Norwegische Firma sieht Holsteinische Schweiz als Erkundungsgebiet für Vorkommen von Öl und Erdgas. Ein Antrag auf die Erlaubnis für Untersuchungen des Erdinneren ist bereits im Behördenverfahren.

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erstellt am 16.Aug.2014 | 04:30 Uhr

Ein norwegisches Unternehmen will nun auch im Kerngebiet der Holsteinischen Schweiz nach Öl und Erdgas suchen. Über den Genehmigungsantrag sind nach Informationen unserer Zeitung bereits die Städte Eutin und Plön, die Gemeinden Malente und Ahrensbök sowie das Amt Großer Plöner See informiert worden – verbunden mit dem amtlichen Hinweis auf ihre „Verpflichtung zur Verschwiegenheit in laufenden Verwaltungsverfahren“.

Die 2012 in Oslo gegründete Firma Central Anglia AS hat bei der in Clausthal-Zellerfeld ansässigen Bergbehörde der norddeutschen Länder ein umfangreiches Untersuchungsgebiet beantragt; im Zentrum steht dabei die Gemeinde Leezen im Kreis Segeberg. Einbezogen sind aber auch die Kreise Ostholstein, Plön und Stormarn. Östlich reicht das mögliche Erkundungsgebiet von Fissau auf gerader Linie bis hinunter nach Bargteheide; die nördliche Begrenzung durchzieht die Gemeinden Malente und Grebin; im Westen verläuft die Grenzlinie an der B 430 durch Plön und an Nehmten und Bad Segeberg vorbei bis Bargfeld-Stegen.

Das Umweltministerium in Kiel wollte gestern die Betroffenheit der genannten Kommunen weder bestätigen noch dementieren. Es müsse erst noch rechtlich geprüft werden, ob eine Nennung von Ortsnamen mit den Ansprüchen der Firma auf die Wahrung von Betriebsgeheimnissen bei der Bearbeitung ihres Antrages kollidiere, sagte Ministeriumssprecherin Nicola Kabel. Diese juristisch gebotene „Geheimhaltungspflicht“ missfalle nicht nur vielen Bürgern, sondern auch dem Ministerium; die Landesregierung habe deshalb über den Bundesrat eine Initiative gestartet, die mehr Öffentlichkeit in den Genehmigungsverfahren herstellen solle.

Kritik am Stillhalten von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) übte der Landtagsabgeordnete Patrick Breyer (Piraten): „Es ist unfassbar, dass die Geheimhaltungsinteressen von Mineralölkonzernen für den grünen Umweltminister schwerer wiegen als das Transparenzinteresse der betroffenen Bürger.“ Mit Hinweis auf die Rechtslage wollte aber auch der Abgeordnete keine Details zu dem Antragsverfahren nennen.

Nach Informationen unserer Zeitung plant das norwegische Unternehmen im südöstlichen Holstein ein auf drei Jahre angelegtes Erkundungsprogramm, das mit rund 10 Millionen Euro Kosten kalkuliert wird. Die Erlaubnis dafür kann nach amtlicher Darstellung nur verweigert werden, wenn massives öffentliches Interesse, zum Beispiel Schutzgebiete für Wasser und Natur, die wirtschaftlichen Interessen überwiegen.

Noch keine Rede ist bei diesem Antrag davon, ob bei eventuellen Funden von Öl oder Erdgas im Tiefengestein die umstrittene Fördertechnik Fracking zum Einsatz kommen soll. Allerdings klingeln wegen solcher Perspektiven in den Rathäusern erste Alarmglocken; der Segeberger Kreistag hat bereits im Dezember 2012 die Landesregierung aufgefordert, Anträge auf Erkundung und Förderung von Erdgaslagern mit Hilfe von Frackingverfahren abzulehnen.

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