Sturmtief „Egon“: Kreis will Gemeinden helfen

Die Schäden, die Sturmtief „Egon“ im Januar angerichtet hat, sind zum Teil massiv.
Die Schäden, die Sturmtief „Egon“ im Januar angerichtet hat, sind zum Teil massiv.

250 000 Euro als Soforthilfen bewilligt – Land soll seine Hilfen aufstocken

shz.de von
31. März 2017, 11:11 Uhr

Ohne Sand kein Strand, ohne Strand keine Gäste. Auf diese Kurzformel gebracht hat der Kreistag in Plön am Donnerstagabend Soforthilfen in Höhe von 250  000 Euro für die vom Sturm geschädigten Gemeinden entlang der Ostseeküste bewilligt. Die Schäden, die Sturmtief „Egon“ im Januar angerichtet hat, sind zum Teil massiv. Sie belaufen sich nach Auskunft der Bürgermeister auf rund sechs Millionen Euro, erläuterte Werner Kalinka von der CDU als stellvertretender Landrat für die sich im Urlaub befindende Landrätin Stephanie Ladwig.

„Schwerpunkte waren dabei sicherlich Stein mit Schäden in Höhe von 9,5 Millionen Euro, Schönberg mit 1,5 Millionen Euro, Laboe mit 760  000 Euro und Behrensdorf mit 240  000 Euro. In Stein ist vor allem der Molenkopf beschädigt und ein Teil des Wanderweges an der Steilküste nach Laboe weggebrochen“, so Kalinka. Insgesamt betroffen seien neun Kommunen des Kreises.

Das Land hat bereits zwei Millionen Euro an Soforthilfen angekündigt – „ein Tropfen auf den heißen Stein“, wie es Hans-Herbert Pohl (CDU) formulierte. Er schlug vor, die zu bewilligenden Kreisgelder prozentual zum Land für die Gemeinden zu verteilen.

„Wir sind in der Summe, sprich 250  000 Euro, einig“, sagte auch Lutz Schlünsen (SPD). „Die Ostsee lebt vom Tourismus, der Kreis sollte ein Signal geben, dass er dabei ist.“ Er stellte sich eine Auszahlung im zweiten Halbjahr oder im Haushalt 2018 vor. Gleichzeitig forderte Schlünsen aber neben der Soforthilfe auch nachhaltige Maßnahmen zur Sicherung und Entwicklung des Tourismus. „Wir wollen helfen, aber der Haushalt darf nicht ins Defizit rutschen und es müssen nachhaltige Maßnahmen dabei sein“, so seine Forderung. „Wie wir das auszahlen, müssen wir beraten“, argumentierte auch Axel Hilker von den Grünen. Und damit setzte er einen Knackpunkt in die sonst einige Debattenrunde. „Landesmittel dürfen nicht durch Kreismittel ersetzt werden. Wir müssen Alternativen entwickeln ohne Strandaufspülungen.“

Dem konnten sich aber viele der anderen Redner zunächst nicht anschließen. Sandaufspülungen seien eben Küstenschutz wie die Deiche und deshalb notwendig. Rainer Weigel von der UWG verwies dabei auf Laboe, wo allein die Kosten für die Aufspülungen rund 764  000 Euro betragen werden. Im Gesamtbereich der Probstei sogar etwas über eine Million Euro. Deshalb sollte der Kreis das Land auffordern, seine Hilfen aufzustocken. Hilfe also nicht nur schnell, sondern auch aufgestockt, auch in diesem Punkt waren sich die Parteien einig. 13 bis 14 Millionen Euro sollten es zumindest sein. „Das muss dem Land deutlich gemacht werden“, so Stefan Leyck von der CDU. Das fand auch Martin Wolf von der CDU: „Der Kreis kann nicht anstatt, sondern nur zusätzlich zum Land helfen, und zwar sofort.“

Bei aller Einigkeit in der Sache blieb damit nur noch der Zeitpunkt der Auszahlung strittig. Hintergrund ist, dass die Gemeinden längst Aufträge für Aufspülungen erteilt haben, um die Saison zu retten und Urlauber nicht zu verprellen. Zudem dürfen Aufspülungen aus umweltschutzgründen nur bis zu einer Wassertemperatur von zwölf Grad vorgenommen werden.

Um die unterschiedlichen Betrachtungsweisen letztlich doch noch unter einen Hut zu bekommen, setzten sich die Parteien zusammen. Herausgekommen ist der dann einstimmig gefasste Beschluss, dass das Land aufgefordert wird, seine Mittel zu erhöhen. Die Kreisgelder in Höhe von 250  000 Euro sollen im Haushalt 2018 an die Gemeinden ausgezahlt werden. Sollte sich der Haushalt in diesem Jahr besser als erwartet entwickeln, sollen schon 2017 davon 150  000 Euro bereitgestellt werden. Gleichzeitig will man zusammen mit den Gemeinden überlegen, wie der Tourismus ohne Sandaufspülungen gefördert werden kann.


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