Kreis Plön : Sturmschäden – Küste in Gefahr

Das abgelaufene Wasser hat Schäden in der Nähe von Laboe freigelegt.
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Das abgelaufene Wasser hat Schäden in der Nähe von Laboe freigelegt.

Viele Dünen sind weggerissen. Politiker fordern Hilfe vom Land. Wirtschaftsausschuss des Kreises will sich erkundigen.

shz.de von
15. Januar 2019, 19:30 Uhr

Laboe | In einem Punkt sind sich Beteiligte, Politiker und Bürgermeister entlang der Ostseeküste einig: Die Schäden, die das Sturm-Hochwasser durch „Zeetje“ hinterlassen hat, sind gewaltig und noch größer als bisher angenommen. Das bestätigt eine erste Bestandsaufnahme des OHA vor Ort, von Laboe bis Sehlendorf. Auch SPD und CDU im Kreis sehen sofortigen Handlungsbedarf, um die Kommunen nicht allein zu lassen. Denn bis zum Beginn der nächsten Saison sollten und müssten die gröbsten Schäden beseitigt sein – nicht nur für die Touristen.

Laboe ist sicherlich schwer getroffen worden. Im Bereich zwischen Schwimmbad und Ehrenmal ist wieder einmal viel Sand im Meer verschwunden. Gemeindevertreter sprechen bereits von Kosten von rund 500 000 Euro für Sandaufspülungen und Reparaturen vor allem im Bereich des Ehrenmals. Nicht viel anders ist die Situation im Bereich Richtung Stein. In Höhe des ehemaligen „El Meson Playa“ sind Teile der Uferbefestigung aus Beton abgerissen. In Stein selbst ist die erst nach dem Sturm 2017 sanierte Mole erneut beschädigt. Die erneuerte Holzplattform am Ende liegt nun am Deichdurchgang im Sand. Auch die Steilküste selbst ist wieder an diversen Stellen abgebrochen, ebenso wie in Behrensdorf. Schönbergs Bürgermeister Peter Kokocinski spricht im Hinblick auf die Sturmbilanz von einer „Katastrophe“. Die Strände seien mehr denn je abgetragen worden. In 21 von 25 Buhnenfeldern sind die Dünen weggerissen worden. Vom Sand, der einst auf der Asphaltdecke lag, ist nichts mehr zu sehen. Ursprünglich schätzte die Gemeinde, dass rund 30 000 Kubikmeter Sand wohl neu aufgespült werden müssten – jetzt geht man von „deutlich mehr“ aus. Das könne die Gemeinde nicht allein bewältigen. Die nun abgetragenen Dünen hätten die Wellen noch daran gehindert, bis zum Schutzdeich vorzudringen.

Das gleiche gilt auch für Hohenfelde, dort waren weite Teile des Ufers überflutet und wurde Sand abgetragen. In Behrensdorf sind Teile der Strandbefestigungen, die nach 2017 aufgeschüttet wurden, wieder abgetragen. Damit können beim nächsten Hochwasser die Wellen im Bereich der Übergänge ungehindert in das Naturschutzgebiet eindringen. Der Strandzugang am sogenannten „gelben Tor“ war bereits bis zum Landesdeich überflutet. Neu-Hohwacht selbst ist noch einigermaßen glimpflich davongekommen. Dafür sind wieder schwere Abbrüche an der Steilküste unterhalb der Aussichtsplattform zu verzeichnen. Der aufgeschüttete Sandweg um die Landspitze der Steilküste ist nur noch eine Steinwüste und – wieder einmal – nicht mehr vorhanden.

Kritisch ist die Situation im kleinen Bootshafen Lippe. Dort ist die Fahrrinne zugespült worden, so dass selbst das Rettungsboot „Woltera“ der DGzRS nicht mehr rausfahren kann. Durfte früher die Fahrrinne freigebaggert werden, sind nun als Auflagen erst einmal Bodengutachten fällig. „Es werden Auflagen gemacht wie bei der Elbvertiefung oder einer zweiten Fehmarnbelt-Querung“, sagt Bürgermeister Manfred Krumbeck. Die einfachste Lösung wäre, den Sand aus der Fahrrinne an den knapp einen Kilometer entfernten Strand zu pumpen, wo er weggerissen wurde. Krumbeck spricht von einem Pegelstand von gut 1,67 Meter über Normalnull am 2. Januar. Für 86 000 Euro hatte die Gemeinde gerade Sand angespült, der nun wieder weg ist. Freuen kann sich dagegen Sehlendorf, wo reichlich Strandsand angespült wurde.

Politiker von SPD und CDU sehen nun dringenden Handlungsbedarf, fordern Hilfen nicht nur vom Kreis, sondern auch vom Land. „Der Küstenschutz an der Ostsee muss wieder stärker in den Fokus gerückt werden“, fordert der CDU-Abgeordnete Werner Kalinka nach seinen Informationsbesuchen vor Ort. „Es wird zu diskutieren sein, wie langfristig eine stärkere Küstenschutzsicherung erfolgen kann. Wenn nichts passiert, drohen größere Schäden.“ Die SPD-Fraktion im Kreistag hat bereits beantragt, sich in einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Mittwoch in Schönberg und am 21. Februar im Kreistag mit den Schäden des Sturms zu beschäftigen. Der Kreis ist aufgefordert, zur nächsten Sitzung einen ersten Schadensbericht vorzulegen. Wilfried Zurstraßen, Mitglied des Wirtschaftsausschusses: „Die SPD wird beantragen, dass der Kreis Plön eine Summe von 250 000 Euro im Nachtragshaushalt zur Verfügung stellt, um den Kommunen zu helfen.“ Wie Kalinka sieht auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Kai Bellstedt die Landesregierung in der Pflicht, den betroffenen Kommunen schnell zu helfen und zusammen mit ihnen ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das langfristig die Strände und Küsten sichert.

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