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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 13:09 Uhr

Stürmische Zeiten schoben Gründung an

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

100 Jahre Feuerwehr Sagau / Drei Tage anhaltendes Unwetter beförderte die Gründung im Jahr 1914 / Ein Festkommers zum Jubiläum ist am am 11. Juli geplant

von
erstellt am 27.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Es muss um einiges schlimmer gewesen sein als der Orkan „Christian“ vor ein paar Monaten: Ein über drei Tage anhaltendes Unwetter mit zahlreichen Blitzschlägen, das Ende 1913 über Sagau wütete. Die Berghufe wurde ein Raub der Flammen. Das beförderte den Entschluss von 29 Männern, am 24. Januar 1914 die Freiwillige Feuerwehr Sagau zu gründen.

Auf den Tag genau 100 Jahre später hatte Wehrführer Martin Stahl zur Versammlung ins 1987 eingeweihte Feuerwehrhaus geladen. Das Gasthaus Bruhn, in dem die Wehr gegründet wurde, gibt es nicht mehr. Die Familie Bruhn prägte jedoch über Jahrzehnte die Wehr, wie Ehrengemeindewehrführer Artur Ahrens in seinem Abriss des vergangenen Jahrhunderts ausführte.

Fritz Bruhn war die ersten 14 Jahre Sagaus Hauptmann, wie man den Wehrführer damals nannte. Sein Sohn Willi stand seit 1943 an der Spitze der Wehr, musste dann als erster Gemeindewehrführer sein Amt nach fünf Jahren aber abgeben, da ein Doppelamt nicht zulässig war. 80 Jahre nach seinem Urgroßvater wurde 1994 Henry W. Bruhn Wehrführer in Sagau. Nach 17 Jahren Dienstzeit übernahm 2011 Martin Stahl.

Bruhns Vater Paul hatte neben dem Betrieb des Gasthofes über 22 Jahre den Posten des stellvertretenden Wehrführers im Vorstand inne. Überhaupt sei immer alles im Krug besprochen worden, was die Wehr anging, so Ahrens. Der ehemalige Wehrführer hatte die eine oder andere Anekdote zum Feuerwehralltag anno dazumal parat. In den 1920er Jahren sei man ganze zwei Tage bei einem Feuer in Fissau gewesen, dem das halbe Dorf zum Opfer fiel. 1945 beherbergte das Spritzenhaus internierte Soldaten und erst am 1. April 1966 traten Kameraden aus Bergfeld der Wehr bei.

Die besten Geschichten wolle er sich jedoch für den Festkommers am 11. Juli aufheben. Groß feiern wird man in Sagau am 12. Juli mit einer Kombination aus Dorffest und Amtsfeuerwehrtag, zu dem man gerne auch die Nachbarn aus Eutin einladen möchte.

Das größte Geschenk für die derzeit 19 aktiven Sagauer Blauröcke könnte ein neues Löschfahrzeug werden. Die Ausschreibung für ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank (TSF-W) ist abgeschlossen. Bürgermeisterin Regina Voß dämpfe jedoch die Erwartungen. In den Unterlagen sei von bis zu elf Monaten Lieferzeit die Rede.

Sie bewunderte die technische Entwicklung im Feuerwehrwesen, stellte aber auch die Frage, ob der heutige Weg das „Handwerk Feuerwehr“ zu erlernen nicht zu viel sei für Einsteiger. Ausbildung vor Ort, von der Artur Ahrens berichtet hatte, sei genauso wertvoll wie Führungsseminare an der Feuerwehrschule in Harrislee. Auch der Ehren-Gemeindewehrführer Dieter Fischer stellte in Richtung des stellvertretenden Amtswehrführers Matthias Tamm die Frage, ob man die „Schwelle nicht wieder niedriger legen“ könne. 150 Stunden Truppmannausbildung, überwiegend am Wochenende, wirkten auf Interessenten abschreckend.

Der Nachwuchs war in Sagau immer Thema, man beschritt aber auch ungewöhnliche und neue Wege, schilderte Ahrens. 1946 waren an einem Sonntagabend schnell 16 neue junge Männer für die Wehr gewonnen. Die Aktiven hatten kurzer Hand die DKW-Zweitakter-Pumpe angeworfen und so Neugier geweckt.

1980 wurde die Jugendfeuerwehr der Gemeinde Kasseedorf gegründet. Artur Ahrens hatte seine Zustimmung zu davon abhängig gemacht, dass auch Mädchen mitmachen durften – hat er doch selbst vier Töchter. So startete die Jugend ihr Feuerwehrleben in Sagau unter seiner Anleitung.

Ein erstes Ergebnis dieser Nachwuchsförderung war Martin Stahl, der 1988 mit 21 Jahren der Stellvertreter von Wehrführer Hans Howe wurde. Zum Jubiläum 1987 und dem Bau des neuen Feuerwehrhauses am Dorfrand meldete Hans Howe 40 Aktive und 50 fördernde Mitglieder.

Die Zahl der Förderer ist seither stabil geblieben. Die der Aktiven um die Hälfte gesunken.

Mit der Einsatzbereitschaft zeigte sich Martin Stahl indes zufrieden. Bei sechs Alarmierungen im vergangenen Jahr sei die Beteiligung bei den Übungsabenden auf einem sehr guten Niveau. Jugendwart Siegfried Quickert erhielt die Spange für 20 Jahre Feuerwehrdienst. Dennis Dieckmann wurde Hauptfeuerwehrmann.

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