Stürmische Zeiten für die Windkraftbranche

Rotorenbauer Senvion schließt Werk in Husum und streicht Arbeitsplätze

shz.de von
13. März 2017, 20:26 Uhr

Ist das erst der Anfang? Der Windkraftanlagenbauer Senvion schließt sein Werk in Husum, 100 Mitarbeitern wird gekündigt. Weitere 49 Stellen sollen vom Kontrollzentrum der Firma in Osterrönfeld bei Rendsburg verlagert werden. In der Windkraftbranche wachsen die Sorgen über die wirtschaftlichen Perspektiven in Schleswig-Holstein. „2017 wird wohl noch einmal ein relativ gutes Jahr – doch danach wird der Zubau deutlich gedrosselt“, sagt der Geschäftsführer des Branchen-Vereins Windcomm Schleswig-Holstein, Martin Kopp. „Der Kuchen wird nicht nur für Anlagen-Produzenten, sondern auch für Projektierer und Firmen für Wartung, Service und Logistik erheblich kleiner. Ich kann mir vorstellen, dass in fünf Jahren ein Drittel der Unternehmen so nicht mehr besteht.“

Zwischen 2013 und 2015 war die Zahl der Arbeitsplätze nach Windcomm-Berechnungen von 9000 auf 12  000 gestiegen. Noch stehen zahlreiche Windmühlen vor der Umsetzung, die die Behörden nach der festen Einspeisevergütung durchgewunken haben. Künftig erhält der Anbieter den Zuschlag für neue Mühlen, der das günstigste Angebot für den Betrieb abgegeben hat.

Kopp verweist zudem darauf, dass die Bundesregierung in Norddeutschland künftig nur einen Zubau von 900 Megawatt pro Jahr erlaubt. Zum Vergleich: Allein in Schleswig-Holstein sind im vergangenen Jahr 790 Megawatt hinzugekommen. Der Landesvorsitzende des Bundesverbands Windenergie, Reinhard Christiansen, ruft dazu auf, Arbeitsmarkt-Effekte vor allem durch innovative Neugründungen zur Nutzung von Windstrom für Energie und Verkehr zu sichern.

„Wir bringen die Wärmewende und den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur für E-Mobilität voran“, versichert Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sagte: „Auch wenn die Reduktion der Ausbauziele bei der Windkraft derzeit gewisse Bremsspuren hinterlässt, so steht ja außer Frage, dass die Klimaschutzziele noch lange nicht erreicht sind.“ Insofern bestehe „nicht der geringste Zweifel an einem erheblichen Nachfragepotenzial“.

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