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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 20:53 Uhr

EUTIN : Studt macht den Praxistest

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Innenminister in Eutin: Kinderschutzbund benennt Probleme bei Integration von Jugendlichen.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 04:00 Uhr

Hochglanzbroschüre versus Realität. „Wir wollen schauen, an welche Grenzen unsere Ziele in der Praxis stoßen, wo es klemmt und was gut funktioniert“, sagte Innenminister Stefan Studt (SPD) gestern beim Besuch des Kinderschutzbundes (KSB) in Eutin.

Seit 2009 betreut der KSB in Ostholstein in einem landesweit bisher einmaligen Projekt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, bringt sie dezentral in Wohngruppen unter, strukturiert den Tag mit Schule, Sportverein und Ausbildung. „Lern-Reich“ heißt das Projekt des KSB im Pulverbeck. „Wer bei uns ankommt, hat vom ersten Tag an Deutsch-, Mathematik und interkulturellen Unterricht“, sagt KBS-Geschäftsführer Martin Liegmann. Lern-Reich sei ein Schulersatz-Ort bis klar ist, in welche Wohngruppe der Jugendliche passt und welche Schule in Frage kommt. „Alle sind hochmotiviert, Mitarbeiter sowie die jungen Afghanen, die den Großteil unserer Jugendlichen ausmachen“, sagt Liegmann. Doch sobald die Jugendlichen 18 Jahre alt werden, fallen sie durch das Raster. Liegmann: „Die Gesetzgebung gibt eine begleitete Jugendhilfe bis 21, wie es in Bayern üblich ist, her. Doch mit den hiesigen Jugendämtern ist das nicht zu machen.“ Wer volljährig ist, muss aus den Wohngruppen ausziehen, selbst wenn es genügend Wohnraum gibt. Wer aus einem anderen Kreis zugewiesen wurde, weil es auch für Jugendliche sogenannten Verteilerschlüssel gibt (2016 soll Ostholstein 170 aufnehmen), muss mit der Volljährigkeit dahin zurück. „Viele haben bis dahin weder einen Schulabschluss, noch eine Statusentscheidung oder stecken in der Ausbildung“, sagt Frank Tuschewski, Leiter der stationären Betreuung. Die Kraft, Entscheidungen zu treffen oder Fachvokabular neben der Ausbildung zu lernen, reiche ohne Betreuung oft nicht. Die Abbrecherquote sei enorm. Erst durch ehrenamtliches Engagement seien die Jugendlichen der „ersten Stunde“ aufgefangen worden und schrieben heute Einsen und Zweien. „Wir stecken so viel Know-How in die Jugendlichen, hört das mit Schlag 18 auf, können wir das Geld genauso gut in die Ostsee kippen“, verdeutlicht Liegmann. Studt pflichtete dem bei, notierte sich die Problematik für die Sozialministerin.

Ein zweites Problem sei die Finanzierung der in Obhutnahme und das Bereithalten von Wohnraum bei schwankenden Flüchtlingszahlen. Der KSB Ostholstein betreut derzeit 80 jugendliche Flüchtlinge in Neustadt, Heiligenhafen, Burg, Eutin und Malente. Um für die Neuankömmlinge kurzzeitig Platz zu haben, mietete der KSB Zimmer in der Jugendherberge Scharbeutz Räume. „Kommen die angekündigten Zahlen nicht, brauchen wir eine langfristige Möglichkeit der Kostenübernahme.“ Momentan seien die Zahlen zwar gering, aber immer noch höher als im Vorjahresvergleich. Die Problematik sei hier die gleiche wie mit den Erwachsenen, sagte Studt. Momentan wirke die Zahl mit rund 2500 Flüchtlingen im Januar zwar gering, eine Steigerung in wärmeren Monaten sei zu erwarten. „Für den Fall, dass es anders kommt, muss es langfristig aber eine Rückendeckung geben“, so Studt.

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