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Eutin : Streit ums Telefon endet mit gebrochenem Arm

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Szene soll sich bereits Anfang November 2013 in einer Eutiner Gaststätte abgespielt haben: Weil ihm die Tresenkraft das Telefon nicht aushändigen will, geht ein Gast auf die junge Frau los und versucht, ihr das Telefon zu entwinden. Dabei packt er sie so fest an beiden Handgelenken, dass die Bedienung einen doppelten Bruch des rechten Unterarms erleidet.

Wegen dieser Tat musste sich der heute 50-Jährige gestern vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten. Nach über zweistündiger Verhandlung stellte Amtsrichterin Rakel das Verfahren ein. Allerdings muss der Angeklagte 600 Euro als Wiedergutmachung an die 21-jährige Geschädigte leisten – zu zahlen in Raten von 100 Euro. Diesem Vorschlag des Gerichts stimmte der arbeitsunfähige Maurer, der von Hartz IV lebt, nach Beratung mit seinem Anwalt zähneknirschend zu.

Zuvor hatte er in der Verhandlung noch jegliche Schuld von sich gewiesen. „Ich hab sie nicht angefasst. So etwas tue ich nicht. Deshalb habe ich auch keine Vorstrafen“, beteuerte er und versuchte gleichzeitig, die Tresenkraft als zweifelhafte Person darzustellen. „Sie will Aufmerksamkeit haben“, erklärte er. Und: Sie habe versucht, eine Nachbarin zu überreden, auszusagen, er habe bei ihr ein Geständnis abgelegt.

Die zierliche 21-Jährige erinnerte sich ganz anders an den Vorfall. Der Gast habe sich ein Taxi rufen wollen, doch dieses habe bereits vor der Tür gestanden. „Er packte mich an den Handgelenken und hat mich nicht losgelassen.“ Dabei habe sie ein Knacken ihrer Knochen bemerkt. Zunächst habe die Sana-Klinik nur eine Prellung diagnostiziert, als dann aber nach einigen Tagen ihre Finger taub geworden seien, habe sich bei einer erneuten Untersuchung ein doppelter Bruch des Unterarms herausgestellt.

Staatsanwalt Joachim Eckelt hielt die Frau für absolut glaubwürdig: „Ich habe an ihren Angaben nicht den geringsten Zweifel“, stellte er klar. Wenig Verständnis zeigte er für das Verhalten ihres Arbeitgebers. Der Gastronom duldete, dass sein Stammgast, der meist erhebliche Mengen Alkohol konsumierte, auch weiterhin kam. Dabei hatte die Geschädigte gerichtlich erwirkt, dass der Angeklagte sich ihr nicht mehr nähern durfte: „Sie sagen: ,Damit habe ich nichts zu tun?‘ Das habe ich richtig verstanden?“, fragte Eckelt vorwurfsvoll. Auf seine Frage, ob ihn der Gerichtsbeschluss nicht interessiert habe, antwortete der Wirt trotzig: „In meinem Geschäft bestimme ich.“ Offen räumte er ein, dass der Angeklagte für ihn eine gute Einnahmequelle gewesen sei. „Ich brauche jeden Cent.“

Mittlerweile hätten sein ehemaliger Stammgast ebenso wie die Bedienung bei ihm Hausverbot. Die Angelegenheit hatte dem Wirt offenbar mächtig zugesetzt. Er sprach von Rufschädigung und ließ seinem Ärger plötzlich freien Lauf. „Die verarschen das Gesetz von Anfang bis Ende“, schimpfte er. Beide seien Betrüger.

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erstellt am 01.Sep.2015 | 14:51 Uhr

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