Streit um Absagen an Schulbewerber

SPD attackiert Kreis und Berufsschule / Konter der Kritisierten: SPD saß überall dabei

shz.de von
21. Juli 2015, 10:54 Uhr

Die Frage, warum vor einem Jahr 60 Prozent der Bewerber fürs Berufliche Gymnasium in Eutin eine Absage erhielten, bringt jetzt die SPD-Kreistagsfraktion in Rage. Sie nannte den Vorgang „sehr befremdlich“ und kündigte einen umfangreichen Fragenkatalog für den Schulausschuss im September an. Die dabei von der SPD erhobenen Vorwürfe wurden postwendend von der Kreisverwaltung und der Kreisberufsschule Eutin als in der Sache verfehlt und politisch bereits geklärt zurückgewiesen.

SPD-Fraktionschef Burkhard Klinke berichtete vor der Presse, dass die Fraktion das Thema in ihrer Sommerklausurtagung am Kellersee ausführlich erörtert habe. Klinke: „Es ist sehr befremdlich und nicht tragbar, dass den Kreistagsabgeordneten über Sitzungsvorlagen mitgeteilt wird, dass am Beruflichen Gymnasium in Eutin 60 Prozent der Aufnahmeanträge von Jugendlichen zurückgewiesen wurden, mit der Begründung, dass umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich wären, um diese große Anzahl von Bewerbungen aufzunehmen.“ Dies sei „nicht länger hinnehmbar.“

Der SPD-Politiker weiter: „Kostengründe für nötige Baumaßnahmen dürfen nicht ins Feld geführt werden. Es gilt zu prüfen, inwiefern der Kreis dem entgegensteuern kann, um ein befarfsgerechtes Bildungsangebot sicherzustellen.“

Klinke kritisierte zudem scharf die Informationspolitik von Kreisverwaltung und Berufsschule: „In den letzten Jahren ist der Politik immer nur mitgeteilt worden, wie viele Jugendliche aufgenommen und nicht, wie viele abgelehnt worden sind. Für die SPD-Fraktion ist es sehr überraschend, dass die Situation in Eutin mit der Politik nicht erörtert wurde und noch keine nach dem Schulgesetz verbindlichen Kooperationsverträge abgeschlossen worden sind.“

Diese Vorwürfe lässt die Kreisverwaltung nicht auf sich sitzen. Sie erklärte einerseits der SPD-Fraktion in betont trockener Diktion die Vorzüge von schriftlichen Vorlagen „als das transparenteste und belastbarste Verfahren der Information“, erinnerte andererseits an die im Winter bereits zur Sache erfolgten Beratungen in den Kreisgremien. Damals sei breit darüber informiert worden, dass die angespannten räumlichen und personellen Verhältnisse fürs Berufliche Gymnasium in Eutin weniger Zusagen erlaubten als in Oldenburg. Dieser Engpass werde aber durch die demografische Entwicklung absehbar in Kürze aufgehoben. Wörtlich heißt es seitens der Kreisverwaltung: „Die intensive Erörterung in der Ausschusssitzung hat alle Gründe des unterschiedlichen Vorgehens ausführlich beleuchtet, was ausweislich des Sitzungsprotokolls sogar von der SPD-Kreistagsfraktion ausdrücklich hervorgehoben wurde.“

In dieses Horn stößt auch Schulleiter Carsten Ingwertsen-Martensen. Er hält der SPD ihre jüngste Zustim-mung zum Kreisschulentwicklungsplan vor Augen, wonach der demografische Wandel zu einem Rückgang der Bewerberzahlen führen werde. „Dies ist in diesem Jahr bereits deutlich erkennbar. Für das Schuljahr 2015/2016 liegt die Zahl der abgelehnten Bewerber nur noch bei 21 Prozent. Eine Investition in künftige Leerstände kann die SPD Ostholstein nicht ernsthaft wollen“, sagte Ingwertsen-Martensen.

Der Eutiner Schulleiter erläuterte zudem unter Hinweis auf die früheren Beratungen im Schulausschuss des Kreistages noch einmal die hohe Ablehnungsquote fürs Vorjahr. Darin seien diejenigen Jugendlichen enthalten, die statt des Schulplatzes eine duale Berufsausbildung begonnen oder sich für einen anderen vollzeitschulischen Bildungsgang entschieden haben. Ingwertsen-Martensen bietet der SPD-Kreistagsfraktion höflich an, die Schule zu besuchen, „um weiterhin in der Lage zu sein, sich sachkundig zu diesen Themen äußern zu können.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen