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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 08:41 Uhr

EUTIN : Streiks nerven die Bahnkunden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der OHA hat sich gestern auf dem Eutiner Bahnhof umgehört, wie der Arbeitskampf der Lokführer bei den Reisenden ankommt.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Die meisten Bahnkunden scheinen sich auf die Situation eingestellt zu haben. Ein Blick auf den Eutiner Bahnhof gestern gegen 11 Uhr zeigt gähnende Leere. Kaum jemand ist zu sehen und auch die Züge aus Kiel und Lübeck, die hier eigentlich zu diesem Zeitpunkt eintreffen sollen, um dann ihren Weg fortzusetzen, tauchen nicht auf. Doch mancher wird von dem neuerlichen Streik der Lokführer doch kalt erwischt.

So wie Jan Heinze. Eigentlich wollte der Malenter gegen 10 Uhr nur von Eutin nach Malente fahren. Doch um 11 Uhr wartet er immer noch auf eine Verbindung. Er hat zwar grundsätzlich Verständnis für streikende Lokführer, doch von den immer wiederkehrenden Bahnstreiks der vergangenen Monate ist er genervt: „Hier mal eine Woche, da mal eine Woche Streik, das ist doch Schikane“, findet der 30-jährige Monteur und fügt hinzu: „Man muss doch mal zu einer Lösung kommen.“ Immerhin hat er das Glück, dass er heute nicht pünktlich irgendwo sein muss, sondern einen freien Tag hat und privat unterwegs ist. Um 11.30 Uhr entscheidet er sich schließlich, den Bus nach Malente zu nehmen.

Richtig geladen ist Bahnkunde Swen Moritzen. „Ich habe kein Verständnis mehr, überhaupt nicht“, sagt der 45-jährige Eutiner, wenn man ihn auf die Streiks anspricht und bezeichnet diese als „Trauerspiel“. Er habe kein Auto, sei für seinen täglichen Weg zur Arbeit in einem Lübecker Kindergarten auf die Bahn angewiesen. Eine Busverbindung von Eutin nach Lübeck gebe es nicht. „Das wäre ja die Autokraft der Bahn, und die macht sich keine Konkurrenz.“ Heute fahre er eigens eine Stunde früher, um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen. Auf dem Rückweg rechne er sogar mit zwei Stunden Extra-Wartezeit. Er könne verstehen, dass die Lokführer mehr Gehalt haben wollten, aber jetzt gehe es zwischen Lokführergewerkschaft und Bahn nur noch um einen Machtkampf. „Das sind zwei Betonköpfe.“ Die Kinder in seinem Kindergarten könnten sich eher einigen. An ein baldiges Ende des Machtkampfs glaubt er nicht: „Ich sehe da schwarz.“

Noch relativ gelassen sieht Marvin Wünnenberg den aktuellen Bahnstreik. „Die sollten sich vielleicht mal einigen“, sagt 17-jährige Schüler der Kreisberufsschule, der nach Malente zurückfahren will. Doch er steht nicht unter Zeitdruck. Ganz anders als ein Gastronom, der hektische Telefonate führt. Er betreibe in Kiel ein Restaurant, berichtet der Eutiner griechischer Herkunft. Seine Leute stünden jetzt vor verschlossenen Türen, schimpft er. Beim vergangenen Streik habe er in seiner Not ein Taxi genommen. Das habe ihn 70 Euro gekostet.

 

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