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Namensgebung : Straßen in Eutin: Eine Erinnerung an düstere Zeiten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Auf Spurensuche zur Namensgebung von Galgenberg und Kastanienberg. Orte der hohen Gerichtsbarkeit.

von
erstellt am 02.Feb.2015 | 17:00 Uhr

Eutin | Die Straße Galgenberg liegt im südlichen Teil der Stadt Eutin, stellt die Verbindung zwischen Weidestraße und Priwall her und geht dann fast unmerklich in den Dosenredder über. Betrachtet man die schmale Straße mit ihren kleinen Einzelhäusern, dann stellt sich die Frage nach der Namensgebung. Es finden sich hier keine Hinweise auf einen Galgen und auch von einem Berg kann keine Rede sein.

Tatsächlich soll es an dieser Stelle aber eine Erhebung gegeben haben, die im Laufe vieler Jahre abgetragen wurde. Und dass man heute keinen Galgen in einer Wohnstraße sieht, trägt eher zur Erleichterung der Bürger bei. Allerdings hat es diesen Galgen im Mittelalter hier gegeben. Er war ein Symbol der Gerichtsbarkeit. Während die Strafen der niederen Gerichtsbarkeit öffentlich auf den Marktplätzen, wie in Form von Peitschenhieben vollstreckt wurden oder sich auf Strafzahlungen beliefen, fanden die Strafen der hohen Gerichtsbarkeit, Todesstrafe oder Verstümmelung, gern außerhalb der Städte und auf einer Anhöhe statt. Der Galgen war dadurch weit sichtbar und diente unter anderem der Abschreckung. So auch in Eutin, das 1257 Stadtrechte erlangte. Das Gebiet, in dem sich heute ein Wohn- und Gewerbegebiet befindet, lag ursprünglich weit außerhalb der Stadt.

Außer dem Galgenberg gab es in Eutin einen weiteren Ort für die Gerichtsbarkeit. Er lag im Norden der Stadt und wurde im Jahr 1678 auf Anordnung des Fürstbischofs August Friedrich am Kastanienberg (Wilhelmshöhe) errichtet. Es war ebenfalls ein erhöhter und weithin sichtbarer Standort. Der Name des Flurstücks „Gerichtskoppel“ erinnert daran.

Während man zur Strafe durch Erhängen in früheren Zeiten große, stabile Bäume, wie die „Gerichtseichen“ nutzte, baute man ab dem Mittelalter Gestelle, die aus einem oder mehreren senkrechten Pfählen und den entsprechenden Querbalken bestanden.

In manchen Fällen reichte ein Diebstahl, um zum Tod durch den Strang verurteilt zu werden. Die Vollstreckung der Hinrichtung wurde nicht selten von einer großen Menschenmenge beobachtet. Obwohl die Menschen von einer Mischung aus Neugier und Schrecken angezogen wurden, war die eigentliche Aufgabe verpönt. Der Beruf des Henkers galt als unrein und verhinderte die Möglichkeit in einer Stadt die vollen Bürgerrechte zu erlangen. Selbst das Herstellen der Galgen war eine von den Handwerkern ungeliebte Aufgabe. Sie wurde entweder von mehreren Personen gemeinsam ausgeführt oder ein einzelner Handwerker wurde per Losverfahren bestimmt.

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