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Ostholsteiner Anzeiger

25. November 2017 | 01:17 Uhr

Straße macht Kasseedorfer Politik ratlos

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Sagauer Straße in Kasseedorf müsste eigentlich mangels Breite zur Einbahnstraße werden. Aber das will ernsthaft ebenso niemand wie Baumaßnahmen zur Beseitigung des Dilemmas.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2016 | 04:00 Uhr

Eine Straße, die zu schmal für Gegenverkehr ist, und ein Gehweg, der zwar keinen Bordstein hat, aber nicht befahren werden darf, beschäftigen Verwaltung und Politik in Kasseedorf. Eine Lösung brachte auch eine Bauausschuss-Sitzung am Dienstag nicht in Sicht. Einen Umbau der Straße will im Grunde niemand.

Zur Erinnerung: 2006 beschloss die Gemeindevertretung den Ausbau der Sagauer Straße in Kasseedorf mit einer Fahrbahnbreite von 4,75 Metern und Einengungen an bestimmten Stellen auf 3,5 Meter; dazu ein Gehweg von einem Meter Breite vom Dorfplatz bis zur Mitte der Straße. Entstanden ist jedoch eine durchgängig 3,5 Meter breite asphaltierte Fahrbahn, außerdem auf der durchgängig bebauten rechten Straßenseite ein parallel verlaufender, rot gepflasterter Gehweg samt Wasserrinne auf Fahrbahnniveau.

Da die Fahrbahnbreite den Begegnungsverkehr von Fahrzeugen nicht zulässt, weichen diese auf den gepflasterten Bereich aus. Außerdem wird am Rande geparkt.

Befahren und Beparken des Gehwegs bemängelte seit längerem ein Anwohner. Er bekam aus dem Ordnungsamt die Antwort, es handele sich um einen „überfahrbaren Gehweg“. Im März hatte – wie Berichtet – der Anwohner der Gemeindevertretung seine Antwort der Verkehrsaufsicht des Kreises dazu präsentiert. Danach ist der Streifen neben der Fahrbahn ein Gehweg, der gemäß Straßenverkehrsordnung nicht befahren oder zugeparkt werden darf.

Die von der Verwaltung zusammengetragenen Informationen sorgten nun im Bauausschuss bei den Ausschussmitgliedern für lange Gesichter. Die 2006 beschlossene Fahrbahnbreite von 4,75 Metern sei für Begegnungsverkehr zwingend erforderlich. Die Planungsunterlagen des beauftragten Ingenieurbüros wiesen den rechten Streifen jedoch ausdrücklich als Gehweg aus und nicht als Teil der Fahrbahn. Somit sei eine zu schmale Fahrbahn gebaut worden.

An den Grund dafür erinnerte sich Lothar Moos (WUB): Um Fahrbahn und Gehweg unterzubringen, wären umfangreiche Grundstückskäufe und zum Teil sogar der Bau einer Spundwand erforderlich geworden. Zu der Frage, wer verantwortlich dafür ist, dass die Straße im Grunde nur als Einbahnstraße befahrbar ist, zuckten alle mit den Achseln. Möglicher Weise handelt es sich um einen Planungsfehler, für den der Ingenieur haftbar wäre.

Das Pflaster des Gehwegs aufnehmen und die Straße auf 4,75 Meter verbreitern wollte kein Ausschussmitglied. Nach erster Einschätzung des Bauamtes wäre dies auch eine Maßnahme, an der die Anlieger nicht erneut beteiligt werden können. Es dürften sich jedoch auch keine Ansprüche auf Rückzahlung von Ausbaubeiträgen für den „befahrbaren Gehweg“ ergeben, wenn dieser nicht mehr existiert.

Mirko Strunge (SPD) schlug den Bau oder die Kennzeichnung von Ausweichstellen als Unterbrechung des Gehwegs vor. Das Parken könnte nach Vorstellung des Ausschussvorsitzenden abends durch entsprechende Beschilderung gestattet werden.

Dirk Butenhoff (CDU) schlug die Ausweisung als Spielstraße vor. Ein Anwohner vertrat die Meinung, dass Parken mit zwei Rädern auf dem Gehweg gestattet werden sollte.

Ob einer dieser Gedanken mit der Straßenverkehrsordnung in Einklang zu bringen ist, ist fraglich. Jeder konnte spontan mindestens einen Ort benennen, an dem sich die Situation wie in Kasseedorf darstellt, und keiner konnte verstehen, warum diese nun nach Jahren der erfolgreichen Praxis nicht mehr zulässig sein soll.

Der Beschwerdeführer forderte in der Einwohnerfragestunde Konsequenzen für den oder die Verantwortlichen der Fehlplanung, die er in der Verwaltung wähnt. Die übrigen Anwohner der Sagauer Straße haben sich anscheinend auf die Situation eines „überfahrbaren Gehwegs“ eingestellt.

Für zusätzliches Kopfschütteln sorgte eine Verfügung der Verkehrsaufsicht, wonach eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h nach erfolgtem Ausbau aufgehoben werden musste. Die aktuelle Stellungnahme des Kreises müsste nach einhelliger Auffassung eine sofortige Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h nach sich ziehen, um Fußgänger auf dem Gehweg ohne Bordstein neben der zu schmalen Straße zu schützen.

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