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Diskussion in Kasseedorf : Straße dem Verfall preisgegeben

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gemeindevertreter streiten seit 2011 über Zustand der Verbindung zwischen Bergfeld und Stendorf. Wird die Sanierung bald unmöglich werden?

Unterschiedlicher könnten die Positionen in der Kasseedorfer Gemeindevertretung nicht sein. CDU und WUB bestreiten die Bedeutung der Verbindung zwischen Bergfeld und Stendorf für den gemeindlichen Verkehr und plädieren seit 2011 für die Entwidmung der Straße, und damit der Schließung für die Öffentlichkeit. Die SPD unternimmt seither immer wieder Anläufe für eine langfristige Reparatur des Verbindungsweges – zuletzt im März 2012. Der letzte Vorstoß im Bauausschuss durch dessen Vorsitzenden Mirko Strunge (SPD) führte erneut zu heftigen Grundsatzdiskussionen.

Erhitzte Gemüter gab es bereits bei der Frage nach Befangenheit einzelner Ausschussmitglieder. Martin Boesmann (CDU) und Lothar Moos (WUB) teilten Strunges Auffassung nicht, wonach Jakob Brunken (WUB) laut Gemeindeverordnung als befangen gelten müsse, da er Angestellter eines der Anlieger der Straße ist und die Beratungen einen beitragspflichten Ausbau zum Ergebnis haben könnten. Boesmann forderte von der SPD beim Abstimmungsverhalten zum Befangenheitsantrag zumindest das Stimmverhältnis durch eine Enthaltung wieder herzustellen. Am Ende stimmte Dirk Butenhoff (CDU) mit den vier SPD-Vertretern. Brunken gab seinen Protest gegen die Entscheidung zu Protokoll.

Schon 2011, als man mit gutachterlicher Hilfe die Rechtsfragen rund um die Straße, die zu großen Teilen nicht auf Gemeindeeigentum verläuft, geklärt hatte, wurde festgestellt, dass Reparaturen in vielen Bereichen nicht mehr möglich sind. Daran hat sich in den vergangenen fünf Jahren nichts geändert. Wie ein Ortstermin Ende Januar ergab, müssen die Banketten, die in Teilen 20 Zentimeter höher als der Straßenkörper liegen, auf den gesamten drei Kilometern Straßenlänge abgetragen und die Gräben geräumt werden. Kosten hierfür: 15  000 Euro. Die zwölf besonders schadhaften Straßenabschnitte kommen auf 1500 Meter Gesamtlänge. Für sie präsentierte Strunge auf der Sitzung eine kostengünstige Lösung. Statt einer Sanierung mit zusätzlich aufgebrachter neuer zwölf Zentimeter dicker Asphaltschicht für geschätzte 600  000 bis 700  000 Euro soll für nur 90  000 Euro der bestehende Asphalt abgefräst, der Untergrund nivelliert und das abgefräste Material vermischt mit Bitumen als sogenannte Tränkdecke wieder aufgebracht werden. In einem Handlungsleitfaden für den ländlichen Wegebau, der 2008 von der Akademie für Ländliche Räume, dem Bauernverband und dem Gemeindetag erarbeitet wurde, wird die Tränkdecke als Möglichkeit für Straßen zur Erschließung landwirtschaftlicher Flächen und für Freizeitrouten genannt. Bau-amtsmitarbeiter Oliver Pielstiker bestätigte, dass Proben eine ausreichende Festigkeit des Unterbaus ergeben hätten: „Durch die Nutzung ist es über die Jahre zu einer maximalen Verdichtung gekommen.“ Moos und Boesmann hielten wenig von diesem Verfahren das aufgrund fehlender Erfahrungen seitens der Verwaltung kein Votum erhalten hatte. Diese empfahl zur Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht die Fahrbahn aufzufräsen, und als wassergebundenen Weg herzustellen. Geschätzte Kosten hier: 32  000 Euro. Probleme könnten jedoch die Nahtstellen der zwölf Teilstrecken zu den gut erhaltenen Wegabschnitten bereiten. Hier sei mit mehr Pflegeaufwand zu rechnen.

Boesmann sah aufgrund der fehlenden Bedeutsamkeit der Straße, Bergfelder könnten Kasseedorf auch über Sagau oder Schönwalde erreichen, weiterhin die Entwidmung als den für die Gemeinde günstigsten Schritt an und warf der SPD „mangelndes Verantwortungsbewusstsein“ vor. Die fünf Anlieger hätten bereits 2011 signalisiert, nach Entwidmung den Erhalt des Weges in Eigenregie zu gewährleisten und ihn für Fahrradtourismus und Wanderer offen zu halten. Er verstehe auch die neuerliche Diskussion um einen Ausbau, den die vorgeschlagene Maßnahme nach Einschätzung der Verwaltung darstelle, nicht. Die Arbeitsgruppe zur Priorisierung der Straßenunterhaltung habe die Verbindung bisher als „Priorität fünf“ eingestuft. Boesmann kritisierte, dass der Ortstermin ohne die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe stattgefunden habe und dass die Unterlagen mit den Kostenschätzungen erst unmittelbar vor der Sitzung per E-Mail eingegangen seien: „Das hat auch etwas mit dem Umgang miteinander zu tun.“ Boesmann wie Moos bezweifelten die Haltbarkeit angesichts des hohen Aufkommens an Schwerlastverkehr, speziell zu einem in einer Feldscheune untergebrachten Düngemittellager. Moos sah zudem andere Gemeindewege, wie etwa „Zum Voßberg“ in Kasseedorf, als vorrangiger für einen Ausbau an. Strunge bekräftigte seinen Willen, den Zustand der Straße zu verbessern, egal mit welchem Verfahren: „Nichts tun will ich hier nicht mehr.“ Zur nächsten Sitzung des Bauausschusses im Mai sollen Fragen zu Verfahren geklärt und ein Straßenbauingenieur eingeladen werden.

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erstellt am 22.Feb.2016 | 19:30 Uhr

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