Strahlenzentrum für die Region

Eutin ist Wunschstandort, Politik muss nun beraten / Vorteil für Patienten: Keine langen Wege mehr nach Kiel oder Lübeck

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07. September 2018, 21:56 Uhr

Mit zufriedenen Gesichtern verließen Dr. Rainer Schulte, Dr. Joachim Göbel und ihre Begleiter am Donnerstagabend den Sitzungssaal. Sie hatten dem Stadtentwicklungsausschuss erstmals ihre Idee von einem Strahlenzentrum in Eutin in nicht öffentlicher Runde vorgestellt. „Wir hoffen, dass die Vertreter des Gremiums das nun wohlwollend in ihre Fraktionen mitnehmen“, sagte Rainer Schulte auf Nachfrage.

Die Ärzte von Curavid, zu denen Schulte und Göbel gehören, wollen es den schwerkranken Patienten künftig ersparen, lange Wege nach Kiel oder Lübeck für ihre Behandlung in Kauf zu nehmen. „Die Menschen fahren eine halbe Stunde und länger, um eine Behandlung im Minutenrahmen zu bekommen.“ Die Philosophie des Netzwerkes „onkologisches Zentrum“ (NOZ), zu dem auch Curavid, eine Praxis für radiologie und Strahlentherapie mit zwei Standorten in Lübeck gehöre, sei, „den Menschen hochqualifizierte medizinische Leistung heimatnah zu bieten“, wie Schulte erklärte. Das Wohl der Patienten stehe im Vordergrund und sei wichtig für den Therapieerfolg, so das Ärzteteam.

Die Zusammenarbeit mit den Experten vor Ort laufe sehr gut, wöchentlich fänden Tumorkonferenzen – bislang über Video – statt, in denen Patientenbeispiele und deren Behandlung besprochen würden. Schon jetzt liefen Kooperationen mit den Sana-Kliniken in Eutin und Lübeck, mit den Schön-Kliniken in Neustadt, mit Bad Schwartau sowie Brustzentren in Ostholstein und Herzogtum Lauenburg. Für die Region, da ist das Team um Schulte und Göbel überzeugt, „wäre ein Strahlenzentrum in Eutin ein enormer Zugewinn“. Die Bevölkerung Ostholsteins werde immer älter, das Risiko, im Alter an Krebs zu erkranken, steige und nicht nur das: „Wir können Krebs mittlerweile heilen, haben aber viele Patienten, die mit ihrer zweiten oder dritten Krebserkrankung zu uns kommen“, sagte Göbel.

Von einem Strahlenzentrum in Eutin ist schon seit mehr als einem Jahr die Rede, ursprünglich in direkter Nachbarschaft zur Sana-Klinik geplant, in ein neues Ärztehaus integriert. Diese Pläne gerieten ins wanken, als die Nachrichten über die Wasserschäden und die Unsicherheiten zwischen Neubau oder Sanierung publik wurden (wir berichteten). Der Wunsch von Curavid, in Eutin ein Strahlenzentrum zu errichten, blieb. Deshalb plane das Team derzeit unabhängig vom Krankenhausstandort. Die Stadt Eutin signalisierte große Hilfsbereitschaft. Bürgermeister Carsten Behnk: „Es ist ein sehr attraktives Projekt, längst nicht nur für Eutin und die Region, sondern über den Kreis Ostholstein hinaus, das wir aktiv unterstützen wollen.“ Nach der Beratung in den Fraktionen soll das Thema im November erneut im Ausschuss beraten werden.

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