„Stolpersteine“ für Eutin

Einen der Stolpersteine will die Bürgergemeinschaft gerne vor diesem Haus in Eutin verlegen.
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Einen der Stolpersteine will die Bürgergemeinschaft gerne vor diesem Haus in Eutin verlegen.

Die Bürgergemeinschaft will mit Demnig-Steinen an die Nationalsozialistische Herrschaft erinnern / Antrag bei der Stadt läuft

shz.de von
08. Juni 2018, 18:10 Uhr

Immer wieder geben Jahres- oder Erinnerungstage oder auch völlig inakzeptable Äußerungen von Politikern, die das Nazi-Terror-Regime als „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte bezeichnen, Anlass, sich auch mit der Geschichte vor der eigenen Tür zu beschäftigen.

Aus diesem Grund hat die Bürgergemeinschaft Eutin nun bei der Stadt Eutin die Genehmigung beantragt, in den Bürgersteigen vor den Häusern Albert-Mahlstedt-Straße 20 und Klaus-Groth-Straße 9 sogenannte Stolpersteine einzulassen.

Die vom vielfach preisgekrönten Künstler Gunter Demnig seit dem Jahr 2000 betriebene Aktion soll an Mitmenschen erinnern, die im Dritten Reich gelitten haben. Hierzu zählen – entgegen landläufiger Ansicht – auch Personen, denen die Flucht gelungen ist oder auch in Sicherheit gebrachte Kinder, kurz alle, die unter dem Regime gelitten haben.

Das Haus Albert-Mahlstedt-Straße 20 ist der alte Familiensitz der jüdischen Familie Nathan, die letzten Nachfahren der Familie waren Jenny und Alice. Alice schaffte es, im Jahr 1939 Deutschland zu verlassen, während Jenny im Winter 1940 sozial vollkommen isoliert in ihrem ungeheizten Haus verstarb.

In der Klaus-Groth-Straße 9 steht bis heute das Haus der Familie Ullrich. Karl Ullrich, Gewerkschafter und SPD-Ratsherr, starb im Jahr 1944 im KZ Neuengamme.

Die Schicksale der genannten Personen wurden durch Prof. Lawrence Stokes bzw. Otto Rönnpag umfangreich aufgearbeitet.

Die „Stolpersteine“ stellen ausschließlich ein mentales, kein physisches Hindernis dar. Es liegen zurzeit circa 67 000 Steine in 1100 europäischen Orten. Sie werden grundsätzlich an der letzten selbst gewählten Wohnadresse verlegt.

Die Steine werden individuell angefertigt, die Inschrift und die Daten von Bildhauer Michael Friedrichs-Friedländer von Hand in Messingblech eingeschlagen. Die ersten „Stolpersteine“ in einer Stadt werden von Gunter Demnig persönlich verlegt. Mit seinem Team kann der Künstler pro Monat 440 Steine herstellen und verlegen.

Die Kosten für die Anfertigung und Verlegung der Steine wird die Bürgergemeinschaft Eutin tragen. „Wir hoffen, dass sich ein Vortrag des Künstlers Gunter Demnig in den Zeitplan der Stiftung einfügen lässt, damit auch die interessierte Öffentlichkeit, insbesondere Schülerinnen und Schüler angeregt werden, sich intensiver mit der Thematik zu beschäftigen“, so Regine Jepp, Sprecherin des Ver-eins.

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