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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 06:39 Uhr

Stille und Singen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2017 | 11:20 Uhr

Können Sie es genießen, wenn es plötzlich ganz still um sie herum wird? Oder sind Sie dann erschrocken? Manchmal denke ich, die Menschen haben große Angst davor, dass es plötzlich einmal still ist. Überall sind wir von Musik umgeben. Im Restaurant, im Supermarkt, im Auto, beim Frühstück schon - überall dudelt es um uns herum. Überall versucht man uns mit Musik zu locken und Stille zu vermeiden.

Es gibt keine Pausen mehr, keinen Moment Stille. Erinnern Sie sich noch an das Pausenzeichen im Radio? Das gibt es auch nicht mehr. Wenn es erklang, dann wussten wir, ja, den Sender gibt es noch, aber gerade ist eben mal Funkstille. Nichts zu sagen, nichts zu hören. Auch keine halben Stücke, die bekommen wir ja heute meist zu hören.

Es darf heute eigentlich alles sein, nur es darf nicht nichts sein. Keine Pausen. Stille ist der Ausnahmezustand in einer musikalisch zugekleisterten Welt. Ist Stille zur Bedrohung geworden? Wohin würden unsere Gedanken wandern, wenn es plötzlich still wäre um uns? Haben wir nichts zu denken?

Wie, frage ich mich, soll etwas nachklingen, wenn es keine Stille mehr gibt? Wohin sind wir gekommen, wenn wir dauernd etwas besprechen müssen, und niemand mehr etwas beschweigen mag?

Der morgige Sonntag Kantate wird mit einem besonderen Akzent gefeiert: um 15.17 Uhr läuten an vielen Orten 500 Sekunden lang die Glocken (in Erinnerung an 500 Jahre Reformation) und laden zu einer musikalischen Andacht ein. Da können wir es wieder erfahren: Gotteslob und Musik kommen aus der Stille. Und singen Gott ein neues Lied. Denn er tut Wunder!

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