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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 01:04 Uhr

Stichworte wurden Lebensgeschichte

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

98-jährige Lieselotte Schott blickt auf bewegtes Leben in Plön zurück und hat eigene Biografie in Tag- und Nachtarbeit geschrieben

von
erstellt am 13.Mai.2014 | 13:20 Uhr

Zur eigenen Fortbewegung ist Lieselotte Schott aus Plön in ihrem betagten Alter mittlerweile auf einen Rollstuhl angewiesen – aber im Kopf, da ist sie hellwach. So wach, dass sie im hohen Alter noch ihre eigene Biografie geschrieben hat. Heute feiert Lieselotte Schott im Dana-Pflegeheim „Fünf-Seen-Allee“ ihren 98. Geburtstag.

Ellen Schümann hat als Lektorin und ehemalige Nachbarin ihrer Freundin Lieselotte Schott geholfen, ihre Lebensgeschichte auf Papier zu bringen. „Ich ging durch die Stadt und sah in einem Verkaufsstand Kladden mit leeren Seiten in verschiedenen Größen“, erinnert sich Lieselotte Schott. Mit dem Kauf einiger Exemplare begann die Geschichte der Biografie, denn die leeren Blätter der Bücher animierten die heute 98-Jährige zum Schreiben ihrer ganz eigenen Geschichte.

„Zuerst waren es nur Stichworte, daraus wurden Sätze und am Ende die ganze Biografie“, erinnert sich Lieselotte Schott an ihre Arbeit, die von Ellen Schümann als Lektorin und Ratgeberin am Computer vollendet wurde. Die Biografin will mit ihrer Arbeit nicht belehren, sie will aber Anstoß geben: „In zig Jahren habe ich in Deutschland gelernt, dass die Russen böse und gefährlich sind“, schmunzelt Lieselotte Schott. Aber die Russen seien in Wahrheit genau anders – nämlich „herzensgute Menschen“, so Lieselotte Schott.

Das Vermächtnis von Lieselotte Schott zeugt von einer bedingungslosen Liebe zu ihrem Vater Albert Magath, der aus dem ostpreußischen Samland stammte. „Ich hatte in Plön eine starke Kindheit und konnte so auch Schicksalsschläge im Leben besser verkraften“, erzählt sie, die mit zwei Männern am Ende offenbar nicht gerade glückliche Ehen führte. Lieselotte Schott wurde in der Plöner Schlossgärtnerei geboren, wuchs dort auf und wurde in der Schlosskapelle getauft. Ihr Vater war in der Schlossgärtnerei anfangs Gärtner und später Finanzbeamter in Plön.

Die damals quirlige Lieselotte Schott beschreibt das Aufwachsen mit ihrer sehr artigen und hochbegabten Schwester, ihre gemeinsame Schulzeit auf der städtischen höheren Mädchenschule (heute Gymnasium Schloss Plön) und ihren Wunsch, kreativ mit Farben und Stoffen zu arbeiten. Doch die Eltern hatten kein Geld, um ihre Tochter Lieselotte zur Muthesius-Schule nach Kiel zu schicken. So wurde sie im Einzelhandel als Verkäuferin groß.

Innerhalb von etwa zwei Wochen hat Lieselotte Schott ihre Biografie stets bis in die tiefe Nacht hinein geschrieben. So hat sie Biografisches über 1916 und früher über ihre Eltern geschrieben aber auch über ihre Kindheit im Plöner Schlossgebiet, die Schulzeit mit Vogelschießen in Plön oder der Wechsel und die Zeit ihres Vaters von der Schlossgärtnerei zum Finanzamt. „Das war früher für den Bereich von Kiel bis Plön zuständig und in einem zweieinhalb Zimmer kleinen Büro untergebracht“, blickt Lieselotte Schott auf das große Finanzamt neben dem Dana-Pflegeheim in Plön-Stadtheide, in dem sie seit einem Jahr gern lebt.

Die Biografin Lieselotte Schott beschreibt ihre Lehrjahre im Plöner Kaufhaus
Remien aber auch ihre Arbeit als Marinehelferin in Rumänien. Sie nutzte das Schreiben ihrer eigenen Biografie im hohen Alter, um sich so von der Last der vergangenen Jahre zu befreien.

Neben dem Schreiben hat Lieselotte Schott im Leben auch das Malen begeistert. In Dersau hatte sie sogar eine Ausstellung mit ihren Aquarellen. Sie besuchte Kurse bei Prof. Liesker in Eutin und lebte eine Zeit lang mit dem Künstler Alexej von Assaulenko in Plön Tür an Tür. Eine Zeit, die ihr sehr viel Inspirationen gab. Geistig fit hält sich Lieselotte Schott mit dem Spielen von „Scrabble“. Dabei geht es mindestens einmal die Woche mit Ellen Schümann um das Suchen von Wörtern. Nebenher strickt sie auch gern. Nur „Scrabble“ könnte Lieselotte Schott jeden Tag spielen und sucht dafür noch Mitspieler. Der OHA darf in loser Reihenfolge Auszüge aus der Biografie von Lieselotte Schott veröffentlichen.


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