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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 19:48 Uhr

Eutin : Stets treffend, selten verletzend

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

OHA-Redaktionsleiter Hartmut Buhmann ist in den Vorruhestand getreten – mit einer Überraschungsfeier im Rathaus hat ihn seine Zeitung verabschiedet

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Es ist schon eine Weile her, da tauchte in der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers ein neuer Mitarbeiter auf. Reimer Bertheau, damals Verlagshausleiter bei Struve Druck, reagierte mit der ihm eigenen Skepsis. „Da kam ein junger, schlaksiger, langhaariger – meine Kinder würden sagen – Bombenleger und hat sich bei mir vorgestellt“, erinnert er sich. „Wenn das man gut geht“, habe er da gedacht, wie Bertheau heute freimütig einräumt.

Es ging gut. Der junge Volontär hieß Hartmut Buhmann. Er sollte 32 Jahre beim Ostholsteiner Anzeiger bleiben und die Redaktion vom 1. Oktober 1997 an gemeinsam mit Achim Krauskopf leiten. Gestern nun ging die Ära Buhmann zu Ende, der Ostholsteiner Anzeiger verabschiedete den 63-Jährigen im Beisein von über 70 Weggefährten – Politikern, Freunden sowie aktiven und ehemaligen Kollegen – in den Vorruhestand. Aus diesem Anlass waren Anekdoten wie die aus der Anfangszeit seines journalistischen Schaffens zu hören. Einen besseren Ort für die Verabschiedung als den Sitzungssaal des Eutiner Rathauses konnte es dabei nicht geben. „Wenn nicht er, wer dann“ solle seinen Abschied dort feiern dürfen?, fragte Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz.

Selbst den letzten Tag seines Berufslebens habe Hartmut Buhmann noch in der Eutiner Stadtvertretung verbracht, hob Bürgervorsteher Dieter Holst hervor. Zwei Dinge fanden in seiner wie vielen weiteren Reden immer wieder Erwähnung: Die beinahe schon legendäre Fähigkeit des Stendorfers, vertrauliche Informationen aufzuspüren, und seine „bu-Rufe“ – geschliffene, meinungsstarke, aber faire Kommentierungen des Zeitgeschehens in Eutin und der Region.

Was am Sonnabend im bu-Ruf stehe, sei im Hause morgens das erste Interesse gewesen, berichtete die langjährige Geschäftsführerin der Stiftung Schloss Eutin, Dr. Juliane Moser. „Nachdem der Inhalt in den eigenen vier Wänden diskutiert wurde, läuft die Telefondiskussion an.“ Stunden später kursiere der bu-Ruf auf dem Wochenmarkt. „Ich glaube, Hartmut Buhmann weiß mehr über Eutins Innenleben als jeder andere“, sagte Holst. Er beherrsche die hohe Kunst, gesammelte Informationen zu einer ehrlichen, wahren Aussage zu verdichten. Hartmut Buhmann höre „das Gras wachsen“, beschrieb es Landrat Reinhard Sager. Als Zeichen seiner Wertschätzung für den HSV-Fan war der Chef der Kreisverwaltung mit blauem Hemd und weißen Kragen zur Feierstunde erschienen – und das als eingefleischter Bayern-München-Fan. „Beim Kreis haben wir uns manchmal verwundert die Augen gerieben“, gestand Sager angesichts ins Schwarze treffender Artikel und bu-Rufe.

Bürgermeister Schulz sprach von „menschlicher Größe“. Stets habe Hartmut Buhmann Fairness walten lassen. Umgekehrt sei es aber wenig ratsam gewesen, ihm nicht die Wahrheit zu sagen. „Sie zu belügen, wäre der größte Fehler gewesen“, sagte Schulz und sorgte mit dem Zusatz „den ich hoffentlich nicht gemacht habe“, für Heiterkeit auch bei Hartmut Buhmann, der sich eigentlich einen „Abschied ohne Brimborium“ ausbedungen hatte. „Da sieht man ja, was mein Wort in der Redaktion zählt“, merkte er seinem in der Redaktion wohlbekannten, ironisch-bärbeißigen Ton an.

Stephan Richter, langjährige Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlangs (sh:z), zu dem der OHA seit 2001 gehört, zeigte sich „beeindruckt, wie Sie die Kunst beherrschen, einiges zwischen den Zeilen zu sagen“. Buhmann habe es verstanden, mit seinen Kommentaren betroffen zu machen, aber nicht zu verletzen, sagte Richter, der seinen Abschied erst einen Tag zuvor gefeiert hatte. Auch Rolf Röhling, der Buhmann 1983 als Volontär zum OHA holte, attestierte, die bu-Rufe seien journalistisch immer gut geschrieben gewesen. Von einer wunderbaren Brillanz, aber auch außergewöhnlichen analytischen Fähigkeit sprach Achim Krauskopf, auch wenn er seinem Kollegen einen „Hang zum Dozieren“ zusprach.

Als „Zeitungsmacher unserer ,Schwentine-Times‘“ würdigte die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Herlich Marie Todsen-Reese den scheidenden Lokalchef. Das Florett, nicht der Degen sei seine journalistische Waffe gewesen. Das Geschriebene sei „immer ordentlich und anständig und trotzdem aufregend“ gewesen.

„Ein kluger Kopf, der seinen kühlen Verstand gerne unter einem Cowboy-Hut verbirgt“: Diese Beschreibung des USA-Liebhabers fiel Regine Jepp ein, Vorsitzende der Eutiner Bürgergemeinschaft. Nur selten blitze der Mensch Hartmut Buhmann durch. Karla Weiß von der Stadtgill Eutin staunte, dass „der junge Mann“ schon in Rente gehe. „Weer dat blots ne Zeitungsente oder geiht Se echt in Rente?“, fragte sie.

Ernste Abschiedsworte, aber auch viel Grund zur Heiterkeit lieferte ein Film, in dem OHA-Redakteur Michael Kuhr noch einmal Weggefährten zu Wort kommen ließ. Mit einem „Buhmann’schen Anzeiger“gab es von der Redaktion ein ganz persönliches Abschiedsgeschenk.

Auf die Abschiedsfeier im Rathaus reagierte Buhmann sichtlich bewegt: „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass so viele Zeit haben, zu meinem Abschied zu kommen.“ Zugleich relativierte er das von ihm gezeichnete Bild ein wenig. Er habe manchmal doch einige verletzt, erklärte er und machte dafür das Ungestüm der Jugend verantwortlich. Fast schon altersweise klangen die Worte, die der scheidende Redaktionsleiter den Gästen mit auf den Weg gab. „Die Großzügigkeit des Herzens ist die wichtigste Gabe, die wir haben.“ Fair sein, nicht übertreiben, Dinge abwägen nannte er als wichtige Grundsätze des Journalismus.

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