Stellte Polizeihund „Spider“ den Täter?

Trio brach in Preetzer Firma ein und stahl einen Tresor.

shz.de von
25. Juli 2018, 11:59 Uhr

Der Fall wird mehr als spannend. Denn letztlich wird sich das Amtsgericht Plön die Frage stellen müssen, wem glaube ich mehr – Polizeihund „Spider“, der den Täter erschnüffelt haben soll, oder den Aussagen des Angeklagten, der vehement seine Unschuld beteuert.

Es war am 1. Juni 2016 als drei Männer nachts um 2 Uhr in eine Preetzer Firma einbrachen und dort einen 350 bis 400 Kilogramm schweren Tresor stahlen. Beim Verladen des Tresor in einen Firmenwagen waren sie vom Besitzer beobachtet worden. Sie flüchteten mit dem Auto und 350 Euro Bargeld, 150 Euro in Briefmarken, Schlüssel und Papieren von Kundenfahrzeugen. Der Gesamtschaden: rund 20 000 Euro. Besonders schwerer Diebstahl wirft die Staatsanwaltschaft einem 47-jährigen Albaner aus Kiel-Gaarden vor. Seine beiden Mittäter wurden bislang nicht ermittelt.

Der etwas behäbig wirkende Angeklagte selbst beteuert seine Unschuld mit deutlichen Worten. „Damit habe ich nichts zu tun. Legen Sie mir Beweise gegen mich vor, ich war zu dem Zeitpunkt mit anderen zusammen. Ich habe gar nichts gemacht.“ Glaubt man seiner Schilderung, war der Verheiratete zum Tatzeitpunkt zwar vor Ort, aber nur um sich mit einer anderen verheirateten Frau zu einem zärtlichen Zusammensein zu treffen. Sie habe ihn an der Bushaltestelle unweit des Tatortes abgesetzt, damit er sich dort ein Taxi für den Heimweg nach Kiel rufen sollte. Doch den Namen noch die Adresse der Frau konnte er nicht nennen. Dann habe ihn die Polizei einfach festgenommen. Seine Sicht: Er habe sich durch laute Stimmen streitender Personen bedroht gefühlt und vielmehr selbst der Polizei gestellt. Und seine Arbeitshandschuhe? Die habe er eigentlich immer dabei, beteuerte er.

Der als Zeuge gehörte Firmenbesitzer brachte dann etwas mehr Licht ins Dunkel. Geräusche hätten in jener Nacht seine Frau geweckt. Aufmerksam geworden durch Licht von Bewegungsmeldern auf dem Firmengelände habe man Personen bemerkt und die Polizei gerufen. Es sei, mit einem Regenschirm „bewaffnet“, rausgegangen und habe gesehen, wie eine etwas fülligere Person das Tor zur Straße aufgemacht habe. Drei Personen seien dann in Richtung Tor gelaufen. „Einer mit der Maske eines Skelettes kam dann zurück, bedrohte mich mit einem Brecheisen“, sagte er. Der Angreifer verschwand hinter der Hausecke und raste wenig später mit einem Firmenwagen an ihm vorbei, um unweit an der Straße zu halten. Eine Person sei über den Zaun geklettert und verschwunden. Dann kam auch schon die Polizei in die Sackgasse gefahren. Im Kofferraum des gestohlenen Firmenwagens fand die Polizei später den Safe.

Wie es weiterging, erklärte eine Hundeführerin der Polizei. Sie traf mit ihrem fünfjährigen Belgischen Schäferhund „Spider“ vor Ort ein, nahm Geruchsproben im gestohlenen Auto und ließ sie „Spider“ aufnehmen. Der machte sich auf die Suche – er verfolgte sie zunächst zu einem Firmenhof, kam aber dann zurück und legte sich zielstrebig vor den Streifenwagen. Seine Botschaft: Hier bin ich fündig geworden. Zuvor hatte die Polizei dort den Angeklagten festgenommen und mit Handschellen in den Polizeibus gesetzt. Das erfuhr die Hundeführerin allerdings erst nachdem „Spider“ die Fährte absolviert hatte.

Damit steht praktisch Aussage gegen „Aussage“, wenn man „Spiders“ Nase folgen will. Die Verteidigerin des Angeklagten monierte, dass zwei Polizeihunde zur Spurensuche hätten eingesetzt werden müssen. Jetzt soll noch ein Polizist gehört werden, der mit als erster vor Ort war. Offen ist die Frage, was die Polizei zur Festnahme des Angeklagten veranlasst hat. Der Prozess wird am 1. August fortgesetzt.

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