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China-Reise : Starke Eindrücke im „Reich der Mitte“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Delegation der Malenter Schule an den Auewiesen aus 17 Schülern und vier Lehrerinnen verbrachte ihre Herbstferien in China. Weitere Besuche geplant.

Auf anstrengende, dafür aber sehr außergewöhnliche Weise haben 17 Schülerinnen und Schüler sowie vier Lehrerinnen der Schule an den Auewiesen ihre Herbstferien verbracht. Die Gruppe unter Leitung der amtierenden Schulleiterin Astrid Fock reiste nach China und stattete dabei der etwa 1200 Schüler und 100 Lehrkräfte starken Mittelschule Meilong (schöne Blume) in Shangai einen Gegenbesuch ab. Anfang des Jahres waren die Chinesen in Malente zu Besuch gewesen (wir berichteten).

Vor dem Gegenbesuch stand aber eine Besichtigungstour in der rund 1200 Kilometer nördlich gelegenen Hauptstadt Peking sowie in mehreren Vorstädten Shanghais auf dem Programm. Dabei merkten die neun Schülerinnen und acht Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren schnell, dass der Kulturunterschied zwischen Deutschland und China ein ganz anderer ist als etwa zwischen der Bundesrepublik und den europäischen Mittelmeerländern, wie Astrid Fock berichtet. Kleine alltägliche Beispiele sind das warme Frühstück mit Nudeln, Reissuppe und Gemüsegerichten oder die chinesischen Toiletten – ein schlichtes Loch im Boden, Toilettenpapier ist nicht unbedingt vorhanden. Ungewohnt für die deutschen Schüler war auch die tägliche Morgengymnastik an der chinesischen Partnerschule.

Während des Aufenthalts im „Reich der Mitte“ schrieb Astrid Fock ein Reisetagebuch, das täglich auf der Internetseite der Schule an den Auewiesen veröffentlicht wurde. „Das hat sehr zur Beruhigung der Eltern beigetragen“, weiß die Schulleiterin. So waren diese immer bestens im Bilde. Die Summe von 1200 Euro musste jeder Schüler für die Reise aufbringen. Damit waren im Prinzip alle Kosten abgedeckt. Bezuschusst wurde die Reise von der Gemeinde und durch den pädagogischen Austauschdienst des Bundes. Alle Schüler, die sich gemeldet hatten, durften auch mitfahren.

In Peking und besonders außerhalb der großen Städte waren die Deutschen die Attraktion, besonders die blonden und rothaarigen Mädchen: „Die haben denen Babys in die Hand gedrückt und Fotos gemacht“, berichtet Astrid Fock. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten waren Bestandteil der Reise: Klassiker wie die chinesische Mauer und die Verbotene Stadt (bis 1911 Sitz der chinesischen Kaiser), neuere Architekturattraktionen wie das „Vogelnest“ genannte Olympiastadion, aber auch Orte wirtschaftlichen Treibens wie eine Seidenshoppingmall, eine Seidenfabrik, eine staatliche Süßwasserperlenmanufaktur und die Produktionsstätte des Volkswagen-Konzerns in Shanghai standen auf dem Programm.

Für Aha-Effekte sorgten aber auch schon Kleinigkeiten wie der Blick in einen typischen chinesischen Garten. Zum unfreiwillig absolvierten Teil des Besichtigungsprogramms gehörte unterdessen ein ausgewachsener Taifun, der die Malenter bei ihrer Reise durch China mit extremen Regenmengen bei gleichzeitig hohen Temperaturen in Atem hielt.

Begeistert zeigte sich Astrid Fock von der chinesischen Gastfreundschaft, die ihre Schützlinge in den Gastfamilien in Shanghai erlebt hätten: „Unsere Schüler sind wie Prinz und Prinzessin behandelt worden.“ Die Familien, deren Kinder in Deutschland ebenfalls in Gastfamilien untergebracht gewesen seien, hätten sich wahnsinnig auf ihre Gäste gefreut. Für jeden habe es Blumen gegeben, die Familien hätten sich über die Essgewohnheiten informiert und Ausflüge unternommen: Etwa zur Uferpromenade „Bund“, die besonders bei Nacht einen faszinierenden Ausblick auf den gegenüber liegenden noch recht jungen Stadtteil Pudong bietet, der als neuer Wirtschafts- und High-Tech-Bezirk Shanghais gilt und mit zahlreichen Wolkenkratzern aufwartet. Zwei der Gastfamilien hätten für ihre deutschen Gäste gar eigens eine europäische Toilette eingebaut, die in China bereits eine gewisse Verbreitung gefunden haben.

Insgesamt zog Astrid Fock ein „durchweg positives“ Fazit der 16-tägigen Reise: „Die Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Freundschaft der Chinesen war tief beeindruckend und macht große Lust auf die weitere Zusammenarbeit.“ Anerkennend äußert sich die Lehrerin auch über die Bemühungen der Partnerschule: „Die haben wirklich versucht, uns die Kultur facettenreich nahezubringen. So bekamen die Malenter Unterricht in chinesischer Kaligraphie, im Kung Fu, beschäftigten sich mit den Masken der Peking-Oper und typisch chinesischen Musikinstrumenten. Die gegenseitige Sympathie und Wertschätzung war so groß, dass Astrid Fock und ihr chinesischer Kollege, Schulleiter Wei, recht spontan beschlossen, eine gemeinsame Vereinbarung zur Partnerschaft beider Schulen zu treffen, die feierlich unterzeichnet wurde.

Das dürfte ganz im Sinne der Deutschen China-Gesellschaft sein, die an dem Ziel arbeitet, in Deutschland 200 deutsch-chinesische Partnerschaften zu etablieren. Derzeit sind es 186, darunter allein drei aus Ostholstein. Neben Malente zählen auch die Kreisberufsschule sowie die Gemeinschaftsschule Pönitz dazu. Motor dieser Entwicklung ist Ostholsteins Schulrat Manfred Meyer, der erst vor kurzem selbst mit einer Pönitzer Delegation in China war. Die Deutsche China-Gesellschaft sorgte auch für einen reibungslosen Ablauf der Reise. Für die Verständigung stand eine chinesische Übersetzerin bereit, die gemeinsame Fremdsprache Englisch half ebenfalls weiter.

Die nächsten Schritte der Zusammenarbeit sind bereits festgezurrt. Im Juli 2014 kommen die nächsten Chinesen nach Malente, zu Ostern 2015 ist der erneute Gegenbesuch geplant. Ein neues übergreifendes Thema der Partnerschaft ist auch schon gefunden. Ging es bislang um die Naturwissenschaften, soll es künftig um die Geschichte des Fußballs gehen. Denn der Fußball spielt nicht nur in Malente mit seinem Uwe-Seeler-Fußball-Park eine große Rolle, sondern wird auch an der Meilong-Schule ganz groß geschrieben. Dort unterrichtet nicht nur eine Jugend-Nationaltrainerin die Schülerinnen. Diese kennen sich auch bestens im deutschen Frauenfußball aus, wie Astrid Fock staunend erfuhr: „Die kennen alle Namen der deutschen Nationalspielerinnen.“ Klar, dass die Chinesinnen und ihre Gäste ein Freundschaftsspiel veranstalteten. Es endete unentschieden 1:1.

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erstellt am 26.Okt.2013 | 00:35 Uhr

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