Stadtvertretung – wer mit wem?

Kooperationsgespräche laufen / Schwarz-grün hat auch künftig eine knappe Mehrheit / Größe der Ausschüsse muss noch festgelegt werden

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09. Mai 2018, 00:22 Uhr

Die Eutiner haben Sonntag mit ihrer Stimme entschieden, wie die künftigen Mehrheitsverhältnisse in der Stadtvertretung aussehen. Heute Vormittag wird der Gemeindewahlausschuss ab 11 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses vermutlich per Los über den noch offenen stimmgleichen Wahlbezirk entscheiden. Jan Tiekötter (CDU) und Sigrid Jürß (FWE) haben beide jeweils 144 Stimmen bekommen. Die konstituierende Stadtvertretersitzung ist am 13. Juni. Doch schon jetzt laufen Gespräche über mögliche Kooperationen.

„Wir streben eine Kooperation mit der CDU an. Die gute Zusammenarbeit aus den letzten Jahren würden wir gerne fortsetzen“, sagte die neue Grünen-Fraktionsvorsitzende Monika Obieray. Eutin brauche Kontinuität, die angeschobenen Projekte könnten dann weiter umgesetzt werden. Auch Matthias Rachfahl, wiedergewählter CDU-Fraktionsvorsitzender, sieht die mögliche schwarz-grüne Mehrheit positiv: „Wir hatten auch in der Vergangenheit mit den Grünen die größte Schnittmenge und wollen gegenüber der FWE stark auftreten.“ Gespräche würden auch mit der FDP geführt, die sich wiederum ebenfalls eine Zusammenarbeit gut vorstellen kann. „Ich kann mir mit allen eine Zusammenarbeit vorstellen“, sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Jens-Uwe Dankert, bei den Freien Wählern wolle er erst einmal mit Zurückhaltung beobachten, wie sie auftreten.

Auch die Rolle der SPD wird spannend: In Themen wie Schulneubau und Dreifeldsporthalle gehen sie mit den Freien Wählern d’accord. „So lange kein Grundstein gelegt ist, werden wir versuchen, das zu verhindern. Es ist falsch, was da gegen den Willen der Schule gemacht wird“, sagte der wiedergewählte Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Westphal (SPD). Gleichwohl erwarte er von der FWE ein großes Aufeinanderzugehen für eine ordentliche Zusammenarbeit in der Stadtvertretung nach der Aktion Flugblatt und Veröffentlichung im Anzeigenblatt „Der Reporter“ (wir berichteten). „Das ist übelste Machart und erschwert die Zusammenarbeit. Das ist mit Populismus nicht mehr zu umschreiben“, so Westphal.

Die Freien Wähler zeigen sich offen: „Wir würden mit jedem kooperieren, mit dem wir unsere Ziele durchsetzen können“, sagte FWE-Pressesprecherin Sigrid Jürß gestern. Die Freude über das erreichte Wahlergebnis sei riesig.

Auch die Grünen freuten sich über die beiden Direktmandate, die Christiane Balzer und Reinhard E. Sohns holten. Letzterer habe erst gezögert, ob er wegen der Hotelplanungen annehme, sagte Obieray. „Aber ich mache es gern, denn die Menschen haben mich gewählt, weil ich für das Hotel und ‚die Ostholsteiner‘ stehe und das freut mich persönlich“, sagte Reinhard E. Sohns auf Nachfrage. Bei den notwendigen Punkten werde er den Saal verlassen, das habe es in der Vergangenheit auch gegeben, so Obieray. Die CDU wird als stärkste Fraktion Dieter Holst für das Amt des Bürgervorstehers und Sascha Clasen für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters vorschlagen (bislang war letzteres Elgin Lohse). Auch die Ausschussverteilung wird in der Stadtvertretung und zuvor im Ältestenrat Thema sein. Ginge es nach Westphal, sollte es einen eigenen Feuerwehr- (bislang Bauausschuss zugeordnet) sowie einen Finanzausschuss (bislang Hauptausschuss) geben. „Das würde dem Ehrenamt gerecht werden und man könnte die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen“, so Westphal.

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