Lütjenburg : Stadt will Zukunftsprojekt MEN jetzt auch offiziell „beerdigen“

In der Auffahrtscheune in Nienthal sollte das zukunftsprojekt MEN entstehen. Jetzt steht die große Scheune offensichtlich vor dem Abriss.
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In der Auffahrtscheune in Nienthal sollte das zukunftsprojekt MEN entstehen. Jetzt steht die große Scheune offensichtlich vor dem Abriss.

Die Zukunft ist jetzt Vergangenheit, zumindest was das einst groß angelegte Projekt „Mensch-Energie-Natur“ MEN und die Stadt Lütjenburg betrifft.

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19. Juni 2014, 11:15 Uhr

Die Zukunft ist jetzt Vergangenheit, zumindest was das einst groß angelegte Projekt „Mensch-Energie-Natur“ MEN und die Stadt Lütjenburg betrifft. Es sollte ein zukunftsweisendes Projekt werden und wurde zu einem mehr als teuren politischen Flop. Mittwoch hat der Finanzausschuss das offizielle Ende des Vorhabens beschlossen. MEN, ein nun endendes Trauerspiel.

Begonnen hatte der „Traum“ 1998, als die Stadt Lütjenburg die historische Auffahrtscheune von 1922 nebst Grundstück kaufte, um sie kulturell und touristisch zu nutzen. Nach vielen Überlegungen entstand der Plan, in dem baufälligen Trakt das Zukunftsprojekt MEN anzusiedeln. Das Erlebniszentrum sollte zu einer Entdeckungstour einladen vom Urknall über die Sonne bis hin zur Photosynthese.

Die Kosten waren mit rund 8 Millionen Euro kalkuliert – hauptsächlich finanziert durch die EU mit 3,6 Millionen Euro, das Land mit einer weiteren Million und anderen Trägern. Im Raum stand eine angebliche Zusage des damaligen Wirtschaftsministers Dietrich Austermann (CDU), das Projekt mit 65 Prozent zu fördern. Weitere Mittel von 960 000 Euro sollten vom Jobcenter kommen und fast 500 000 Euro von der Stiftung Naturschutz. Auch der Kreis Plön erklärte sich bereit, 120 000 Euro zu geben. Doch der von MEN aufgestellte Finanzierungsplan scheiterte immer wieder bei einer kritischen Prüfung durch das Land. Mehr als ein Gutachten wurden erstellt, doch letztlich konnten sie das Land nicht überzeugen. Genauso wenig wie das Ziel, jährlich 100 000 Besucher zu zählen.

Die Mittel des Jobcenters waren wenig mehr als eine Absichtserklärung für mögliche Fördermaßnahmen von Personal und wurden im Laufe der Zeit ebenso zurückgefahren wie die Förderzusage der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Eine vom Land geforderte „Patronatserklärung“ für eine Förderung wurde von den Lütjenburger Stadtvertretern letztlich 2010 mit knapper Mehrheit abgelehnt. Damit war das Ende des ehrgeizigen Projektes schon nicht mehr aufzuhalten, zumal auch die Bürgschaftsabsicherung der Anteilseigner infrage gestellt war.

Die Scheune ist mehr als marode und müsste aus Sicht von Lütjenburgs Bürgermeister Dirk Sohn eigentlich nur noch abgerissen werden. In einer der Giebelwände klafft ein armdicker Riss, der sich durch eine dort verlaufende Moorlinse offensichtlich immer mehr vergrößert. Auch das Dach müsste erneuert werden, da dort Asbest verbaut wurde. Die Renovierung des Gebäudes würde heute deutlich mehr kosten als das Museum selbst, so die Einschätzung von Bauexperten.

Deshalb geht es jetzt darum, MEN finanziell abzuwickeln und den Ausgleichsfonds aufzulösen. Hinter verschlossenen Türen geht es zudem um die Frage, was mit dem Areal um die Scheune geschehen soll. Denn zusammen mit der Scheune hatte Lütjenburg seinerzeit auch ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück erworben. Mit einen Abriss will sich Lütjenburg nach der Sitzung des Finanzausschusses wohl erst 2015 beschäftigen. Beschlossen wurde aber, die Zeit nun zurückzudrehen auf den Stand, bevor MEN ins Leben gerufen wurde. „Teuer war es in jedem Fall“, so ein Stadtvertreter.



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