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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 20:32 Uhr

„Stadt richtet Energie auf Probleme aus“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Stefan Thomsen vom Verein „Initiative Schönes Plön“: Wenn das System versagt, ist Bürger-Engagement das Gebot der Stunde / Ein Rundgang durch die Stadt

von
erstellt am 06.Feb.2014 | 17:09 Uhr

Plön – einst Residenzstadt der Könige und Herzöge mit Schloss, Gartenanlagen, Prinzeninsel und historischen Rundgängen sowie Gebäuden aus der Renaissance ist für Stefan Thomsen aus Plön ein kleines liebenswürdiges Städtchen. Nicht zuletzt, weil Plön sein Heimatort ist, setzt sich der 2. Vorsitzende des Vereins „Initiative Schönes Plön“ mit seinen Mitstreitern gegen ein verfallendes Orts- und Erscheinungsbild ein. Das zentrale Anliegen des Vereins ist es, der Stadt mit ihrem historischen Stadtkern, ein würdiges Erscheinungsbild zurückzugeben.

„Selbstbild und Image der Stadt Plön haben Schlagseite bekommen“, sieht Thomsen die Entwicklung. Bei einem gemeinsamen Spaziergang mit dem OHA durch die Kreisstadt eröffnet sich aufmerksamen Betrachtern, dass an der einstigen Schönheit der Kreisstadt einiges bröckelt.

Schon bei der Ankunft in Plön erleben Bahnreisende nicht nur den traumhaften Anblick über den Großen Plöner See. Doch auch aufwirbelnder Müll und Plastiktüten zwischen den Gleisen ziehen unangenehme Blicke auf sich. Wer mit dem Auto nach Plön hineinfährt, erhält einen ersten Eindruck durch pflegebedürftige Hausfassaden und Grundstücke sowie verunkrautete Gehwege. Bei einem Gang in die mit Werbetafeln zugestellte Innenstadt kommen ebenfalls pflegebedürftige Hausfassaden und Graffiti in den Twieten und Gängen zum Vorschein. Die Unterführungen der Gleisanlagen zum See hin sind mit Unrat und Schmierereien an den Wänden gesäumt. Das setzt sich am Strandweg fort, der bei regnerischem Wetter zu einem Pfützen-Umrundungswettbewerb einzuladen scheint.

„Was lädt Touristen ein, hier Urlaub machen zu wollen?“, fragt sich Stefan Thomsen mit Blick auf das benachbarte Mecklenburg-Vorpommern mit modernen Hotels und Unterkünften sowie guten Restaurationen. Ein großes Hotel sei in der
Innenstadt schwer zu finden, Pensionen und andere Übernachtungsmöglichkeiten verkümmern auf unterem Niveau. Das Strandbad an der Fegetasche habe keine Schwimmaufsicht und das kleine Uferstück sei mehr
mit Strandgut als mit Strandhandtüchern gesäumt. „Ruft die kleine Notdurft, findet der Gast die Toilettenanlagen im Sommer bisweilen geschlossen vor“, ärgert sich Stefan Thomsen. Die benachbarte Strandhalle bezeichnet er als „Zumutung“.

Fast überall in der Stadt sind Elektrokästen mit Aufklebern und Graffiti von Möchte-Gern-Künstlern verunstaltet. Ein positives Beispiel ist in der Lütjenburger Straße an der Ecke zum Behler Weg zu finden. Dort steht ein Elektrokasten, der durch eine aufgemalte Plön-Kulisse künstlerisch aufgewertet wurde. „Und das Faszinierende daran ist, dass die bemalten Kästen nicht verunstaltet werden“, erzählt Stefan Thomsen.

Für Stefan Thomsen ist das Aufsammeln und Entsorgen von Papier, Plastiktüten und leeren Flaschen – meist Schnapsflaschen, die sogar an der Bushaltestelle am Stadtgraben zwischen den Holzpaneelen an der Decke stecken – bei Spaziergängen durch seine Heimatstadt mittlerweile zur „Normalität“ geworden. Denn auch an Papierkörben mangelt es in der Kreisstadt. „Ich möchte etwas bewegen – für Plön, den Naturpark Holsteinische Schweiz und das Gewerbe vor Ort. Denn alles greift ineinander“, ist Thomsens Beweggrund.

Abhilfe durch die Verwaltung und Selbstverwaltung sei nicht in Sicht. „Bei dortigen Nachfragen wird mit der finanziellen Situation und den Zuständigkeiten argumentiert“, sagt Thomsen. Man habe sich leider daran gewöhnt, in Problemen zu denken. Bei den Stadtwerken, als Dienstleister Plöns, gehe nichts ohne Auftrag. So stünden Maschinen und Fuhrpark still, obwohl ausreichende Arbeit vorhanden sei. „Letztendlich wird die Energie der Verwaltung auf Probleme ausgerichtet, statt diese auf Lösungen im Sinne der Stadt, deren Bewohner und den Touristen auszurichten“, ist Thomsens Resümee. Für ihn sei diese Art des Handelns als zentrale Planwirtschaft aus DDR-Zeiten bekannt. Er bezeichnet das Vorgehen als Rekommunalisierung.

Deshalb stellt er sich die Frage: „Sind wir alle mittlerweile nur zu Empfängern von Aufträgen mutiert, unfähig und entwöhnt Eigenverantwortung zu leben und für das Umfeld gemeinsam einzutreten?“ Denn eigentlich ist es nicht viel, was sich Stefan Thomsen an Verbesserungen vorstellt. „Wenn jeder vor seiner Haustür kehrt, ist schon 50 Prozent an Sauberkeit geschafft“, ist seine einfache Formel. Die aber scheint für etliche schon zu viel Arbeit zu bedeuten.

Sein Blick in die Zukunft: „Dort, wo erst einmal Scheiben defekt sind und Graffiti die Wände säumen, ist Vandalismus nicht mehr fern.“ Das Ziel des Plöners: „Wenn das System versagt, ist Bürger-Engagement das Gebot der Stunde. Denn es sollte von allgemeinem Interesse sein, einem weiteren Verfall unserer Infrastruktur entgegenzuwirken. Das alles ist Grundlage, um unsere Mitbürger in Eigenverantwortung zu nehmen.“

Stefan Thomsen hat sich viele Gedanken gemacht und sie aufgeschrieben. Er bringt aber auch Ideen ein. Ein Beispiel: „Die 14 Plöner Vereine sollten alle an einem Strang ziehen. Mit gebündelten Energien können gemeinsam Fördergelder akquiriert werden.“

Um Plön für Bürger und Gäste lebens- und liebenswerter zu machen, setzt sich der Verein „Initiative Schönes Plön“ mit dem Slogan „mit Hirn, Herz und Hand“ für seine Stadt ein. Voraussichtlich ab März sind unter dem Motto „Strahlender Schilderwald“ alle Plöner aufgerufen in ihrer Straße selbst Hand anzulegen und die öffentlichen Schilder zu säubern. Das Wann und Wie wird noch bekannt gegeben. Außerdem stehen die Verschönerung der Twieten und Gänge sowie der Schwentine-Hänge auf der Agenda des Vereins. Hilfreiche Hände sind jederzeit willkommen.

„Aufwachen, Plön. Wenn wir Kreisstadt sein und bleiben wollen, ist radikales Umdenken und Handeln angesagt. Lassen Sie Taten sprechen. Schimpfer gibt es schon genug“, appelliert Stefan Thomsen an seine Mitbürger.


„Initiative Schönes Plön“,

Vors. Raimund Paugstadt,

Telefon 04522/749136, E-Mail an

r.paugstadt@ schoenes-ploen.de
Stefan Thomsen,

Mobil 0172/2113112, E-Mail an

s.thomsen@schoenes-ploen.de



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